Green Controlling / 2.2.2 Ökologische Nachhaltigkeitsziele im betrieblichen Zielsystem

Ökologische Nachhaltigkeitsziele im gesamtwirtschaftlichen Kontext von Unternehmen

Auch in einem nachhaltig orientierten Unternehmen wird der ökonomische Erfolg als Unternehmenszweck und damit oberste Zielsetzung definiert. Dies liegt darin begründet, dass Unternehmen grundsätzlich einen langfristigen Unternehmenserhalt anstreben sollten. Unter Wettbewerbsbedingungen gefährden allerdings Entscheidungen, die nicht auch ökonomisch begründet sind, den langfristigen Erhalt eines Unternehmens. Denn dauerhaft kann kein Unternehmen einen ökologisch nachhaltigen Beitrag für die Gesellschaft leisten, wenn dieser nur Kosten verursacht und das ökonomische Fundament des Unternehmens gefährdet. Demnach wird unter einem ökologisch nachhaltigen Unternehmen Folgendes verstanden:

Ein ökologisch nachhaltiges Unternehmen setzt ökologische Themen nicht nur zum Selbstzweck um, auch wenn das eigene Verantwortungsbewusstsein hierfür der Auslöser sein kann, sondern um den ökonomischen Erfolg zu sichern bzw. zu verbessern.

Ökoeffizienz soll sowohl ökologischen als auch ökonomischen Erfolg bringen

Die neue Zielsetzung lässt sich vielmehr als modifizierter Triple-Bottom-Line-Ansatz beschreiben (vgl. Abb. 2). Danach wird der ökonomische Erfolg als oberste Zielsetzung eines Unternehmens festgelegt. Soweit unterscheidet sich die Zielhierarchie eines ökologisch nachhaltigen Unternehmens nicht von der traditionellen unternehmerischen Zielsetzung. Der Unterschied besteht jedoch darin, "Wie" ein ökologisch nachhaltig orientiertes Unternehmen ökonomischen Erfolg erzielt: durch gezieltes Adressieren von ökologischen Themen. Das Ziel ist, durch das konsequente Umsetzen von sog. "Win-Win-Situationen" (auch Ökoeffizienz genannt) langfristig einen positiven Beitrag sowohl zur Ökologie als auch zur Ökonomie zu schaffen. Bekannte Beispiele aus der Unternehmenspraxis lassen sich insbesondere in der Produktion finden, wie z. B. die Reduktion des Materialeinsatzes oder des Energieverbrauchs. Ein ökologisch nachhaltiges Unternehmen analysiert die Win-Win-Situationen und setzt diese systematisch um. Dies verdeutlicht, dass das ökonomische Potenzial der Umsetzung der Nachhaltigkeit in Unternehmen häufig deutlich größer ist als der lediglich vielfach befürchtete finanzielle Aufwand ohne nennenswerte Erträge. Aufgrund der fehlenden systematischen Analyse der ökonomischen Potenziale werden diese in Unternehmen daher in vielen Fällen nur unzureichend ausgeschöpft.

Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie verändert sich mit der zeitlichen Perspektive

Natürlich existieren auch Zielkonflikte zwischen Aspekten der Ökonomie und der Ökologie, vor allem in der kurzfristigen Perspektive. Als ein bekanntes Beispiel lässt sich die Nutzung von Solarenergie aufführen, sofern die staatlichen Zulagen für die Produktion von Solarstrom entfallen. Ein wichtiges Kriterium für die Bewertung von ökologischen Maßnahmen bzw. Themen ist daher die Berücksichtigung von Risiko- und Reputationseffekten. Wird dieses Kriterium in die Entscheidungsfindung einbezogen, wird deutlich, dass auch in Fällen, in denen zwar potenziell kein kurzfristiger finanzieller Mehrwert besteht, zumindest ein mittelbarer ökonomischer Mehrwert durch eine höhere Unternehmensreputation sowie die Reduktion von Risiken zu berücksichtigen ist. Diese Bewertung hängt also stark mit der zeitlichen Perspektive zusammen, wie im folgenden Abschnitt eingehender erklärt wird.

Abb. 2: Modifizierter Triple-Bottom-Line-Ansatz

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