Glattstellen von Aktienoptionsgeschäften als Veräußerung
 

Leitsatz

Erwirbt jemand an der Deutschen Terminbörse (jetzt: EUREX) Optionsrechte und stellt er sic innerhalb der Spekulationsfrist glatt, so verwirklicht er in Höhe der Differenz zwischen der bei Abschluss des Eröffnungsgeschäfts gezahlten und der bei Abschluss des Gegengeschäfts vereinnahmten Optionsprämien den Steuertatbestand des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. b EStG a.F. (entsprechend BMF v. 10. 11. 1994, BStBl I 1994, 816, Tz. 8).

 

Sachverhalt

Die Steuerpflichtige A unternimmt an der Deutschen Terminbörse Optionsgeschäfte. Sie erwirbt Rechte, innerhalb einer bestimmten Frist oder zu einem festgelegten Termin Wertpapiere zu einem festgelegten Basiswert zu kaufen oder zu verkaufen und zahlt dafür Optionsprämien von 225.530 DM. Innerhalb von sechs Monaten nach Erwerb schließt sie ein sog. Glattstellungsgeschäft ab, verkauft also Optionsrechte gleicher Serie und erhält dafür Optionsprämien von 321.467 DM. Das FA unterwirft die Differenz als Spekulationsgewinn der Besteuerung. Zu Recht!

 

Entscheidung

Ein Spekulationsgeschäft nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. b) EStG a.F. (= § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG) ist die Veräußerung von Wirtschaftsgütern, insbesondere Wertpapieren, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als sechs Monate (jetzt: 1 Jahr) beträgt. Die Problematik des Falles bestand für den BFH darin, dass A innerhalb der Spekulationsfrist nicht die von ihr erworbenen Optionsrechte, sondern gleichartige verkauft hatte. So funktioniert nämlich die sog. Glattstellungstransaktion. Da der Anleger an der vollelektronisch funktionierenden Börse seine Option nicht an Dritte veräußern kann, bleibt ihm nur das sog. Gegengeschäft, um den Wert seiner Option zu realisieren. Durch Verrechnung erlöschen dann sämtliche Rechte und genau hierin liegt die Veräußerung. Genauso wenig wie ein Fremdwährungsguthaben (siehe dazu BFH-Urt. v. 2. 5. 2000, BStBl II 2000, 469) muss das Recht nach der Veräußerung fortbestehen - es kann also erlöschen. Entscheidend ist vielmehr, dass der Steuerpflichtige damit den wirtschaftlichen Wert des Wirtschaftsguts realisiert - und eben das hat A mit dem Glattstellungsgeschäft getan. Der Wert ihrer Optionsrechte entspricht im Zeitpunkt des Glattstellungsgeschäfts 321.467 DM und das ist der Betrag, den sie für den Verkauf von Optionen gleicher Serie in Gestalt der Optionsprämien erhält.

 

Hinweis

Die Grundsätze dieser Entscheidung bleiben auch nach der Gesetzesänderung ab VZ 1999 maßgeblich. Der neue § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 EStG ändert daran nichts, unterwirft darüber hinaus jetzt aber Differenzgeschäfte jeglicher Art der Besteuerung. Das war bis zum VZ 1999 anders: Konnte die Transaktion des Anlegers nicht als Veräußerung gewertet werden, blieb sein wirtschaftliches Verhalten ohne steuerrechtliche Folgen, auch - und gerade dann - wenn er das Geschäft nur auf die Differenz ausrichtete. Mit dem neuen Recht verschwinden die Abgrenzungsprobleme. Es gibt nicht mehr die für den Steuerpflichtigen so günstige Alternative eines nicht steuerbaren Differenzgeschäfts.

 

Link zur Entscheidung

BFH, Urteil vom 24.06.2003, IX R 2/02

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