Gesellschafter-Geschäftsfüh... / 4.3 Kriterien der Angemessenheit

Beurteilungskriterien für die Angemessenheit der Geschäftsführerbezüge sind:

  • Art und Umfang der Tätigkeit

Ausschlaggebend für die Höhe der Bezüge eines Geschäftsführers ist vor allem die Größe des Unternehmens, wobei auf die Zahl der Beschäftigten und die Höhe des Umsatzes abzustellen ist. Zudem spielt auch die jeweilige Branche eine bestimmende Rolle für die Höhe eines angemessenen Gehalts. Sind mehrere Geschäftsführer bestellt, wird eine sachgerechte Kürzung erforderlich, wobei jedoch nicht zwingend durch die Anzahl der Geschäftsführer zu dividieren ist.

  • Ertragsaussichten des Unternehmens

Ein ertragsstarkes Unternehmen ist eher in der Lage, ein hohes Geschäftsführer-Gehalt zu bezahlen, als ein Unternehmen, das nur geringe Gewinne erwirtschaftet. Ziel eines jeden ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsführers muss es sein, den Gewinn des von ihm geleiteten Unternehmens zu maximieren.

Bei ertragsschwachen Gesellschaften würde aber ein Fremdgeschäftsführer selbst in Verlustjahren nicht auf ein angemessenes Gehalt verzichten. Deshalb ist von angemessenen Gesamtbezügen des Gesellschafter-Geschäftsführers auszugehen, wenn diese sich am unteren Ende des entsprechenden Vergleichsmaßstabs befinden.

  • Verhältnis der Geschäftsführer-Vergütung zum Gesamtgewinn und zur verbleibenden Kapitalverzinsung

Der GmbH muss auch nach Zahlung der Vergütung für den Gesellschafter-Geschäftsführer zumindest eine angemessene Eigenkapitalverzinsung verbleiben. Die angemessene Verzinsung ist dabei aus dem gesamten von der Gesellschaft eingesetzten Eigenkapital zu ermitteln, also einschließlich Rücklagen und Gewinnvorträgen. Wird nahezu der gesamte Gewinn durch die Geschäftsführervergütung abgesaugt, stellt dies ein wesentliches Indiz für eine unangemessene Gesamtvergütung dar.

Ist eine Mindestverzinsung des Kapitals gewährleistet, rechtfertigt dies allerdings nicht, darüber hinausgehende Beträge in vollem Umfang dem Geschäftsführer zuzuwenden. Es ist Aufgabe der Kapitalgesellschaft, Gewinne zu erzielen und zu steigern. Deshalb muss der Geschäftsführer auf jeden Fall dafür sorgen, dass der GmbH ein entsprechender Gewinn verbleibt.

 

Praxis-Tipp

Halbteilungsgrundsatz

Von einer Angemessenheit der Gesamtausstattung der Geschäftsführerbezüge kann i. d. R. ausgegangen werden, wenn der Gesellschaft nach Abzug der Geschäftsführervergütungen noch ein Jahresüberschuss vor Ertragsteuern in mindestens gleicher Höhe wie diese Vergütungen verbleibt, sog. Halbteilungsgrundsatz. Bei mehreren Gesellschafter-Geschäftsführern ist hierbei auf die Gesamtsumme der gewährten Bezüge abzustellen.

Dieser Grundsatz erlaubt es sehr ertragsstarken Unternehmen allerdings nicht, die Geschäftsführervergütungen unbegrenzt zu steigern. In diesem Fall kann die jeweilige Obergrenze nur nach den Umständen des Einzelfalls bestimmt werden, wobei Gehaltsstrukturuntersuchungen als Orientierungshilfe herangezogen werden können.

  • Inner- und außerbetrieblicher Fremdvergleich

Ein Fremdvergleich kommt grundsätzlich sowohl innerhalb der eigenen GmbH als auch betriebsübergreifend unter Hinzuziehung der Zahlen anderer Unternehmen in Betracht. Allerdings scheitert ein interner Betriebsvergleich oft an der Vergleichsbasis, z. B. mangels eines Fremd-Geschäftsführers innerhalb des Betriebs. In der Praxis bereitet auch ein externer Betriebsvergleich häufig Probleme, da keine vergleichbaren Betriebe bekannt bzw. deren Vergütungsniveaus nicht ersichtlich sind.

Deshalb wird durch die Finanzämter bzw. die Steuerpflichtigen vermehrt auf Gehaltsstrukturuntersuchungen zurückgegriffen. Es handelt sich dabei um allgemeine Erhebungen zu Geschäftsführergehältern, die von verschiedenen Institutionen, insbesondere aus der Unternehmensberatung, z. B. Kienbaum oder BBE, angestellt werden. In diesen Studien sind – zumeist aufgegliedert nach Branchen, Unternehmensgrößen und Mitarbeiterzahlen – Durchschnittswerte und Bandbreiten genannt, in deren Rahmen sich die Geschäftsführergehälter im Allgemeinen bewegen. Aktuelles Zahlenmaterial zu Gehaltsstrukturuntersuchungen kann bei den genannten Institutionen angefordert werden.

Die FG und der BFH haben diese Methode mittlerweile in mehreren Urteilen als denkbares Verfahren zur Feststellung des angemessenen Geschäftsführer-Gehalts akzeptiert. Das BMF hat sich dieser Auffassung angeschlossen. Einzelne Landesfinanzbehörden arbeiten mit selbst erstellten vereinfachten Tabellenwerten zur Angemessenheit der Geschäftsführergehälter.

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