Gebäude im Abschluss nach H... / 9.2 Eigenbetrieblich genutzte Grundstücke und Gebäudeteile

9.2.1 Definition und Ansatzvoraussetzungen

 

Rz. 390

IAS 16.6 definiert Sachanlagen als materielle Vermögenswerte, die ein Unternehmen für Zwecke der Herstellung oder der Lieferung von Gütern und Dienstleistungen zur Vermietung an Dritte oder für Verwaltungszwecke besitzt und die erwartungsgemäß länger als ein Geschäftsjahr genutzt werden. Dies entspricht der Regelung in § 247 Abs. 2 HGB.

 

Rz. 391

Für den Ansatz als Vermögenswert ist generell die Erfüllung der allgemeinen Voraussetzungen nach IAS 16.7 notwendig, und zwar:

  • es muss wahrscheinlich sein, dass ein dem Vermögenswert zuzuordnender künftiger wirtschaftlicher Nutzen dem Unternehmen zufließen wird und
  • seine Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten müssen sich zuverlässig ermitteln lassen, das heißt, die Kosten des Gebäudes bzw. des Gebäudeteils müssen objektiv bestimmbar und dem Unternehmen zuzurechnen sein.

 

Rz. 392

Der Standardregelungsinhalt definiert nicht den Umfang eines Vermögenswertes "Sachanlagevermögen". Das bleibt dem individuellen Beurteilungsvermögen anvertraut (IAS 16.9).

9.2.2 Bilanzausweis

 

Rz. 393

Es sind weiterhin getrennt voneinander zu bilanzieren:

  • Unbebaute Grundstücke
  • Bebaute Grundstücke

    • Grund und Boden
    • Gebäude und Gebäudeteile.

Auch wenn Grund und Boden (Grundstück) und Gebäude zusammen erworben werden, handelt es sich dennoch um verschiedenartige Vermögenswerte, die getrennt voneinander zu bilanzieren sind. Nach wie vor unterliegt der Grund und Boden in seiner Nutzung keiner zeitlichen Begrenzung.

9.2.3 Zugangsbewertung

 

Rz. 394

Gemäß IAS 16.15 hat der erstmalige Ansatz eines Gebäudes oder Gebäudeteils zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu erfolgen.

 

Rz. 395

Der Anschaffungskostenbegriff nach IFRS entspricht in weiten Teilen demjenigen des HGB. Eine nennenswerte Abweichung besteht allerdings bei der Aktivierung künftiger Abbruch- und Abräumkosten, die als Bestandteile der Anschaffungskosten mit zu aktivieren und passivisch durch eine Rückstellung nach IAS 37 abzufangen sind.

 

Rz. 396

Ausdrücklich definiert sind in IAS 16 nur Anschaffungskosten. Für die Ermittlung selbst hergestellter Gebäude und Gebäudeteile verweist IAS 16.22 auf die Regelung in IAS 2 zu Vorräten. Die Herstellungskosten nach IFRS dürften diejenigen nach HGB deutlich übersteigen. Bei den Herstellungskosten ist hervorzuheben, dass das nach HGB bestehende Wahlrecht zur Einbeziehung angemesener Teile der Verwaltungsaufwendungen und der Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebes, freiwillige soziale Leistungen und für die betriebliche Altersvorsorge nach IFRS nicht besteht – hier wird klar nach der Verursachung durch die Produktion unterschieden.

9.2.4 Tausch

 

Rz. 397

Nach IFRS stützt sich die Grundkonzeption der Zugangsbewertung beim Tausch von Gebäuden und Gebäudeteilen auf das fair-value-Konzept mit der Folge einer Gewinn- bzw. Verlustrealisierung bei Abweichen der Bemessungsgrundlage für den hingegebenen Vermögenswert von dessen Buchwert (IAS 16.24).

 

Rz. 398

Die bisherige handelsrechtliche Behandlung wird ersetzt durch eine zweigliedrige Tatbestandsanalyse, nämlich den wirtschaftlichen Gehalt (commercial substance) und die Verlässlichkeit der fair-value-Ermittlung. Beide Tatbestände müssen vorliegen, wenn der Tauschvorgang zum fair value und damit ergebnisrealisierend verbucht werden soll. Liegen beide Kriterien nicht vor, ist die Zugangsbewertung für das erworbene Gebäude bzw. für den erworbenen Gebäudeteil mit dem Buchwert des aufgegebenen Gebäudes vorzunehmen. Eine Gewinn- oder Verlustrealisierung kommt dann nicht in Betracht.

9.2.5 Nachträgliche Anschaffungs- und Herstellungskosten

 

Rz. 399

Nachträgliche Anschaffungs- und Herstellungskosten sind dem Buchwert eines schon bilanzierten Gebäudes oder Gebäudeteils nach Maßgabe der IAS 16.12 ff. hinzuzurechnen (Aktivierungspflicht). Im Gegensatz hierzu sind regelmäßig wiederkehrende Reparatur- und Instandhaltungskosten ("costs of the day-to-day servicing"), die lediglich dazu dienen, die aktuell vorhandene Ertragskraft aufrecht zu erhalten und nicht zu erhöhen, als Periodenaufwand zu erfassen (IAS 16.12).

 

Rz. 400

Die vorstehenden Regelungen entsprechen weitestgehend der laufenden BFH-Rechtsprechung zum Erhaltungs- bzw. Herstellungsaufwand nach R 157 EStR sowie dem BMF-Schreiben v. 18.7.2003 zur Abgrenzung von Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie Erhaltungsaufwendungen bei der Instandhaltung und Modernisierung von Gebäuden, also Quellen, die nach vorherrschender Praxis auch als Grundlage der handelsrechtlichen Bilanzierung übernommen werden.

9.2.6 Komponentenansatz

 

Rz. 401

Die IFRS verfolgen eine Tendenz zur sinnvollen Bewertung von Vermögenswerten, was auch die Aufteilung auf Komponenten beinhaltet. Diese Praxis steht im Gegensatz zur laufenden BFH-Rechtsprechung zur Bilanzierung von Gebäuden und Gebäudeteilen (R 42 Abs. 5 EStR). Hier wird auf das Bestehen eines einheitlichen Funktionszusammenhangs abgestellt: Gebäudeteile, die dem Zweck des Gebäudes dienen, sind demzufolge nicht selbstständig bilanzierungsfähig.

 

Rz. 402

Nach IFRS sind Gebäude in ihre wesentlichen Bestandteile aufzuteilen, wenn diese unterschiedliche Nutzungsdauern aufweisen. Bei Ersatz entstehen spezielle assets, die s...

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