F&E-Controlling mit Portfolio-Analyse: Praxisbeispiel mit Excel-Anwendung

Zusammenfassung

Forschung und Entwicklung wird in kleinen und mittelständischen Betrieben immer mehr zu einem wettbewerbsentscheidenden Faktor. Die vorhandenen knappen Mittel daher zielgerichtet eingesetzt, und nur die Vorhaben unterstützt werden, die dem eigenen Betrieb strategische Wettbewerbsvorteile sichern. Ein Schritt in diese Richtung kann eine spezifische Portfolio-Analyse sein. Sie soll u. a. Antwort auf die Frage geben, für welche Produkte oder Dienstleistungen es sich aufgrund ihres Zukunftspotenzials lohnt, gleiche oder höhere Budgets für die weitere Entwicklung bereitzustellen, und für welche Produkte die Budgets wegen zurückgehender Ergebnisbeiträge verringert werden sollen.

Eine Beurteilung sollte nicht nur anhand monetärer Kriterien, sondern auch anhand von Punkten wie strategische Bedeutung, Innovationsgrad oder Umsetzungsrisiken getroffen werden.

Der Beitrag zeigt, wie mit einer einfachen Arbeitshilfe Excel-Tools die Attraktivität eines Produkts berechnet und F&E-Budgets entsprechend der Attraktivität verteilt werden können.

1 Warum Portfolio-Analyse in der Forschung und Entwicklung?

Oft erfolgen Planung und Verteilung der F&E-Ressourcen auf die Produkte eines Betriebs wenig strukturiert. Meist werden nur Erfordernisse der Gegenwart berücksichtigt. Auf eine systematische Planung der Folgejahre wird weniger Wert gelegt. Die Planung wird nur fortgeschrieben und im günstigsten Fall mit unterschiedlichen pauschalen Wachstumsparametern versehen. Wie sich das Produktportfolio in drei, 3-5 Jahren voraussichtlich entwickelt, und sich die aktuellen Prioritäten bei der Vergabe von F&E-Mitteln verschieben können, wird kaum untersucht.

Zukunftspotenziale erarbeiten

Dabei ist es überlebenswichtig, bereits sehr früh die Weichen zu stellen und konkrete Vorhaben anzustoßen, um die Produkte zu entwickeln oder zur Marktreife zu führen, die das größte Potenzial für einen Betrieb besitzen. Da viele Entwicklungsprojekte über mehrere Jahre laufen, und man sich langfristig vertraglich an Kooperations- und Entwicklungspartner binden muss, besteht kurzfristig kaum Spielraum für Steuerungs- oder Korrekturmaßnahmen.

Die richtigen Potenziale nutzen

Eine strukturierte F&E-Portfolio-Analyse hilft bei der frühzeitigen Erkennung, welche Produkte heute gefördert und entwickelt werden müssen, um künftig wettbewerbsfähig zu sein. Hier müssen die höchsten Entwicklungsbudgets zugewiesen werden. Produkte, die bald vom Markt genommen werden, oder "nur" noch Cashcows sind, sollten geringere Gelder zugewiesen bekommen.

Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit

Oberstes Ziel ist die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit durch Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen. Dabei sollten auch folgende Unterziele berücksichtigt werden:

  • Abgleich bestehender Produktpalette, Identifikation aktueller/potenzieller Ladenhüter,
  • Informationen über aktuelle und künftige Produktattraktivität,
  • Erarbeitung von Vorschlägen zur Bereinigung der Produktpalette,
  • Objektivierung anstehender Entscheidungen im Bereich Entwicklung,
  • Vorrangigkeit der Entwicklungsvorhaben und -projekte setzen,
  • Entscheidungshilfe, wenn knappe Ressourcen umverteilt werden müssen.
 

Praxis-Tipp

Das vorliegende Excel-Tool liefert Ihnen Handlungsempfehlungen, ohne viel zusätzliche eigene Arbeit investieren müssen. Die Entscheidung, ob sie die Empfehlung annehmen oder ablehnen, muss aber stets von Ihnen bzw. den für den Bereich Entwicklung Verantwortlichen getroffen werden. Auch wenn Sie Empfehlungen verwerfen sollten, eröffnen sich u. U. neue, alternative Sichtweisen, die Ihnen bei künftigen Entscheidungen weiterhelfen können.

2 Gestaltung des F&E-Portfolios am praktischen Beispiel

Am Beispiel eines mittelständischen Unternehmens wird gezeigt, wie die Portfolio-Analyse in der Forschung und Entwicklung umgesetzt werden kann.

2.1 Beschreibung der Vorgehensweise

An erster Stelle steht eine Ist-Analyse. Benötigt werden u. a. Informationen über die aktuellen Produkte des Unternehmens. Auch Aussagen zur künftigen Ausrichtung der Produktpalette sind erforderlich. Je Produkt müssen verschiedene Kriterien betrachtet werden. Diese Kriterien müssen von jedem Unternehmen grundsätzlich selbst bestimmt und festgelegt werden.

Wirtschaftlichkeit und strategische Bedeutung

Zwei Merkmale sind für nahezu jeden Betrieb von herausragender Bedeutung: Wirtschaftlichkeit und strategische Bedeutung. Beispiele für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit können Umsätze, Kapitalwert, Deckungsbeitrag oder interner Zinsfuß von Produkten sein. Die strategische Bedeutung lässt sich i. d. R. lediglich schätzen oder wird von der Unternehmensleitung festgelegt.

Innovationsgrad

Zudem können weitere Beurteilungsmerkmale gewählt werden, etwa der Innovationsgrad, der u. a. an der Neuartigkeit eines Produkts gemessen werden kann. Ist es eine Neuheit für das Unternehmen? Kann mit diesem Produkt die Branchenführerschaft übernehmen werden o. ä.?

Umsetzungsrisiko

Ein vierter Faktor kann schließlich das Umsetzungsrisiko sein. Bei vorhandenen Produkten, die lediglich verbessert werden sollen, ist es naturgemäß eher niedrig; schließlich wird der Artikel bereits produziert und verkauft. Bei echten Neuheiten, für...

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