ERP-Systeme prozessorientie... / 4.1 Prozesse, Prozessvarianten und lokale Besonderheiten

Lokale Sonderlösungen möglichst beschränken

Zugunsten eines gemeinsamen Prozessstandards müssen (ggf. historisch gewachsene und etablierte) Ausprägungen für gleichartige Geschäftsvorfälle vereinheitlicht werden. Erklärtes Ziel sollte es dabei sein, dass sich die Freiheitsgrade weitestgehend auf länderspezifische Anforderungen im Bereich des Steuerrechts oder der Rechnungslegung beschränken. Im europäischen Kontext sind es bspw. Länder wie Frankreich und Italien, die hier besondere Anforderungen stellen. Nur im Ausnahmefall sind Geschäftsvorfälle in einem bestimmten Land wirklich "einzigartig" durch lokale Marktbesonderheiten geprägt.

Um dies zu erreichen, haben wir in der Praxis erfolgreich mit folgenden Abstufungen (Kategorien) in Bezug auf die Standardisierung der zukünftigen Gesamtlösung gearbeitet:

  1. Einheitlich zu nutzende Prozesse: Für Geschäftsanforderungen, die in sämtlichen Ländern durch gleiche (Teil-)Prozesse abgebildet werden können, wird innerhalb des Templates auch nur eine Prozessvariante zur Verfügung gestellt. Während des Projektes werden sämtliche Geschäftsanforderungen zunächst gegen diese Kategorie geprüft, um die Lösungsvielfalt nicht von vornherein und "ohne Not" zu umfangreich werden zu lassen.
  2. Optional nutzbare Prozesse und Prozessvarianten: Geschäftsanforderungen, die nur in einzelnen Ländern relevant sind, werden nach Validierung der Anforderung für diese Ländergruppen standardisiert. Damit werden in dieser Kategorie sämtliche Geschäftsanforderungen berücksichtigt, welche zwei oder mehr Länder betreffen.
  3. Lokale Besonderheiten: Geschäftsanforderungen, die nur für ein einziges Land relevant sind und ein gesondertes Lösungsdesign erfordern, werden nach Validierung der Anforderung ausschließlich für dieses Land konzipiert. Die Konzeption ebenso wie die Anpassung der standardisierten Prozesse erfolgen üblicherweise nicht im Rahmen des Template-Designs, sondern im Zuge der jeweils landesspezifischen Implementierung.

Die Projekterfahrung zeigt, dass mit den Kategorien 1 und 2 ein Standardisierungsgrad von rund 90 % der zukünftigen Gesamtlösung erzielt werden kann. Die geschaffene Prozesslösung ist damit standardisiert und skalierbar, was einerseits eine schnelle Implementierung, andererseits die einfache Integration neuer Geschäftseinheiten ermöglicht.

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