Entfernungspauschale für Fa... / 5.2 Einschränkung des Werbungskostenabzugs

Die vorstehenden Grundsätze gelten bei nicht ganzjährig behinderten Arbeitnehmern entsprechend.

 

Praxis-Beispiel

Wahlrecht zwischen Entfernungspauschale oder tatsächlichen Kosten bei nicht ganzjähriger Behinderung

Ein Arbeitnehmer fährt an 220 Arbeitstagen im Jahr mit dem eigenen Kraftwagen 17 km zum Bahnhof und von dort 82 km mit der Bahn zur ersten Tätigkeitsstätte. Die tatsächlichen Bahnkosten betragen 240 EUR im Monat. Mitte des Jahres (das entspricht 110 Arbeitstagen) tritt eine Behinderung ein (Grad der Behinderung: 90).

  1. Der Arbeitnehmer setzt für den Zeitraum der Behinderung die Entfernungspauschale an.

    1. Ermittlung der Entfernungspauschale für die Zeit ohne Behinderung:

      Für die Teilstrecke mit dem eigenen Kraftwagen errechnet sich eine Entfernungspauschale von 110 Arbeitstagen × 17 km × 0,30 EUR = 561 EUR zuzüglich 110 Arbeitstage × 82 km × 0,30 EUR = 2.706 EUR.

    2. Ermittlung der Entfernungspauschale für die Zeit mit Behinderung:

      Für die Teilstrecke mit dem eigenen Kraftwagen errechnet sich eine Entfernungspauschale von 110 Arbeitstagen × 17 km × 0,30 EUR = 561 EUR zuzüglich 110 Arbeitstage × 82 km × 0,30 EUR = 2.706 EUR.

    Die Entfernungspauschale für die mit der Bahn zurückgelegte Strecke (2 × 2.706 EUR) ist auf 4.500 EUR begrenzt. Wählt der Arbeitnehmer für das gesamte Kalenderjahr die Entfernungspauschale, wären 4.500 EUR (2 × 2.706 EUR begrenzt auf 4.500 EUR) zuzüglich (2 × 561 EUR =) 1.122 EUR, also insgesamt 5.622 EUR als Werbungskosten zu berücksichtigen.

  2. Der Arbeitnehmer setzt für den Zeitraum der Behinderung die tatsächlichen Kosten an.

    Für die Teilstrecke mit dem eigenen Kraftwagen sind (110 Arbeitstage × 17 km × 2 × 0,30 EUR =) 1.122 EUR anzusetzen (= tatsächliche Aufwendungen mit pauschalem Kilometersatz) und für die verbleibende Teilstrecke mit der Bahn (6 × 240 EUR =) 1.440 EUR, insgesamt also 2.562 EUR.

    Die Entfernungspauschale für das erste halbe Jahr beträgt 3.267 EUR (561 EUR zuzüglich 2.706 EUR).

    Wählt der Arbeitnehmer für den Zeitraum ab Eintritt der Behinderung die Ansetzung der tatsächlichen Kosten, wären für das erste halbe Jahr 3.267 EUR Entfernungspauschale (561 EUR + 2.706 EUR) zuzüglich 2.562 EUR tatsächliche Kosten für das zweite halbe Jahr, insgesamt also 5.829 EUR zu berücksichtigen.

Die Sonderregelung für behinderte Menschen in § 9 Abs. 2 Satz 3 EStG lässt im Übrigen die Einschränkungen des Werbungskostenabzugs bei Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte in § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG unberührt. Deshalb sind auch bei behinderten Menschen die allgemeinen Regelungen und Begrenzungen des Werbungskostenabzugs bei Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte anzuwenden.

Hieraus folgt, dass auch bei behinderten Menschen i. S. v. § 9 Abs. 2 Satz 3 EStG grundsätzlich nur die Kosten einer Hin- und Rückfahrt zur Tätigkeitsstätte berücksichtigt werden. Die Aufwendungen einer mittäglichen Heimfahrt sind, wie bei den anderen Steuerpflichtigen auch, grundsätzlich den nicht abziehbaren allgemeinen Kosten der Lebensführung zuzurechnen.

Bei der Ermittlung der tatsächlichen Kraftfahrzeugkosten sind sämtliche Aufwendungen, die mit der Nutzung des Kraftfahrzeugs für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zusammenhängen, zu berücksichtigen. Hierunter fallen insbesondere auch die Parkgebühren für das Abstellen des Kraftfahrzeugs während der Arbeitszeit. Die Kraftfahrzeugkosten dürfen nicht um die steuerfreie Kraftfahrzeugbeihilfe nach § 17 der Verordnung zur Kriegsopferfürsorge gekürzt werden. Bringen Steuerpflichtige mit einer entsprechenden Behinderung für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte anstelle der Entfernungspauschalen die tatsächlichen Aufwendungen für ein Kraftfahrzeug durch individuell ermittelte Kilometersätze in Abzug, führen die nach der Kraftfahrzeughilfe-Verordnung für die Beschaffung des Kraftfahrzeugs sowie für eine behinderungsbedingte Zusatzausstattung erhaltenen Zuschüsse zu einer Kürzung der AfA-Bemessungsgrundlage.

Die Voraussetzungen der Behinderung müssen die Steuerpflichtigen durch einen Ausweis nach dem Neunten Buch Sozialgesetzbuch oder durch einen Bescheid der für die Durchführung des Bundesversorgungsgesetzes zuständigen Behörde nachweisen. § 65 EStDV gilt hier entsprechend.

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