Energiekennzahlen als Grund... / 3.2 Kennzahlen und Bezugsgrößen

Verwendungszweck bestimmt Wahl der Kennzahlen

Je nach Verwendungszweck ist die Wahl unterschiedlicher Bezugsgrößen sinnvoll. Generell sollten nur wirklich notwendige Daten erfasst und in Kennzahlen berechnet werden, um den Aufwand möglichst gering zu halten. Nicht die Vielzahl verschiedener Kennzahlen ist für die energetische Optimierung und Reduzierung der Energiekosten notwendig, sondern die Erhebung aussagekräftiger Energiekennzahlen. Wesentliche Energiekennzahlen und deren Bezugsgrößen sind:

  • Energieverbrauch pro Produkt, um den Gesamtprozess zu beurteilen und evtl. mit anderen Prozessen oder Wettbewerbern zu vergleichen.
  • Energieverbrauch pro Quadratmeter Fläche, um z. B. die Energieeffizienz der Gebäude zu bewerten und ggf. durch Optimierungsmaßnahmen zu reduzieren. Besonders bei der Bewertung des Energieverbrauchs für Heizung ist der zusätzliche Bezug auf die Außentemperatur über sog. Heizgradtage notwendig. Dadurch wird der Energieverbrauch sowohl auf die Fläche als auch auf die Temperatur bezogen.
  • Energieverbrauch pro Stunde für den Vergleich verschiedener Produktionsschichten und um den Einfluss unterschiedlicher Produktionsfahrweisen durch die Mitarbeiter auf den Energieverbrauch zu ermitteln. Durch den Austausch von Wissen über Schichtgrenzen hinweg kann der Energieverbrauch dann reduziert werden.
  • Energiekosten je Produkt, Stunde oder Quadratmeter Fläche: Mit diesen Kennzahlen lassen sich die tatsächlichen Kosten beurteilen. Allerdings lassen sie wenige Rückschlüsse darauf zu, ob der Energieverbrauch hoch oder niedrig ist. Schließlich sind die Energiekosten in Deutschland vergleichsweise hoch, wodurch auch die monetären Kennzahlen relativ häufig ungünstig ausfallen.

Entscheidungen nicht allein aufgrund monetärer Energiekennzahlen treffen

Bevor Standortentscheidungen anhand der aktuellen Energiekosten je Bezugsgröße gefällt werden, sollten in jedem Fall die zu erwartenden Energiepreissteigerungen im jeweiligen Land sowie die Energieeffizienz betrachtet werden. Andernfalls wird ein vermeintlicher Kostenvorteil vielleicht schnell durch stark steigende Energiekosten sowie energetisch ineffiziente Prozesse zunichte gemacht.

Kennzahlen sparen keine Energie

Die beschriebenen Kennzahlen liefern in Summe bereits einen guten Überblick über die energetischen Verhältnisse im Betrieb. Darüber hinaus sollte jedes Kennzahlensystem nach und nach durch betriebsspezifische Kennzahlen ergänzt werden. Schließlich wird durch die Aufstellung und Erhebung von Kennzahlen noch keine Energie gespart, sondern es wird nur die notwendige Transparenz für darauf aufbauende Optimierungsmaßnahmen geschaffen.

 

Praxis-Tipp

Experten für die Auswertung einbinden

Um die erhobenen Kennzahlen richtig zu nutzen, ist Fachwissen gefragt. Daher kann ein Energiekennzahlensystem alleine nichts bewirken, sondern braucht immer fachkundige Mitarbeiter oder externe Energieberater, die, basierend auf den Kennzahlen, wirtschaftliche Optimierungsmaßnahmen vorschlagen können.

Kontinuierliche Erfassung erleichtert spätere Optimierung

Ohne aussagekräftige Kennzahlen und die damit einhergehende Transparenz über den Energieverbrauch des Betriebs sind solide durchgerechnete Maßnahmenvorschläge allerdings nur mit erhöhtem Aufwand zu erstellen. Die für die Wirtschaftlichkeitsberechnung notwendigen Daten über den Energieverbrauch müssen schließlich ohne kontinuierliche Kennzahlenerhebung immer wieder erneut gemessen und ausgewertet werden.

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