Elektronische Dienstleistun... / 2 Gestaltungsempfehlungen

Im Inland ansässige Unternehmer, die in einem anderen EU-Land elektronische Dienstleistungen an in diesem Mitgliedstaat ansässige Privatpersonen (bzw. Nicht-Unternehmer) erbringen, für die sie dort die Umsatzsteuer schulden und Umsatzsteuererklärungen abzugeben haben, können sich dafür entscheiden, an dem besonderen Besteuerungsverfahren MOSS bzw. KEA teilzunehmen.

Das MOSS-Verfahren ist für Unternehmen/Mandanten relevant, wenn sie folgende drei Fragen sämtlich mit "Ja" beantworten können:

Checkliste: Praxisrelevanz MOSS-Verfahren

 
  JA NEIN
Erbringe ich elektronische Dienstleistungen?    
Sind meine Kunden auch Nichtunternehmer?    
Sind meine Kunden in anderen EU-Staaten ansässig?    

Da es sich um ein Wahlrecht handelt, sollten sich Unternehmen über die Vor- und Nachteile des Verfahrens frühzeitig im Klaren sein. Bei Teilnahme am MOSS-Verfahren erweisen sich insbesondere folgende Gegebenheiten als vorteilhaft:

  • Die elektronische Meldung über das "bekannte" Portal des BZSt ist vergleichsweise einfach.
  • Werden in einem Mitgliedstaat nur ganz geringe Umsätze als elektronische Dienstleistungen erbracht, ist die Registrierung in dem entsprechenden Land regelmäßig mit unverhältnismäßig hohem Aufwand verbunden, der bei Teilnahme am MOSS-Verfahren oftmals ganz entfällt.
  • Weil im MOSS-Verfahren das Kalendervierteljahr Besteuerungszeitraum ist und die laufenden Erklärungen bis zum 20. Tag nach Ablauf dieses Besteuerungszeitraums zu übermitteln sind; stellt sich gegenüber einem möglichen monatlichen Voranmeldungszeitraum ein Liquiditätsvorteil ein.

Nachteilig erweist sich das besondere Besteuerungsverfahren MOSS insbesondere hinsichtlich folgender Aspekte:

  • Im Rahmen der "MOSS-Erklärung" können keine Vorsteuerbeträge geltend gemacht werden. Die betroffenen Unternehmen müssen also weiterhin Vorsteuervergütungsanträge einreichen, sofern sie nicht wegen anderer Umsätze im jeweiligen Mitgliedstaat ohnehin am dortigen allgemeinen Besteuerungsverfahren teilnehmen.
  • Anders als im Fall der direkten Registrierung besteht kein direkter Zugang zu ausländischen Steuerbehörden, um etwa steuerliche Zweifelsfragen anzusprechen.
  • Änderungen der Bemessungsgrundlage, wie z. B. bei Forderungsausfällen, sind nicht entsprechend § 17 UStG im laufenden Besteuerungszeitraum vorzunehmen, sondern führen zu einer Korrektur der bereits abgegebenen Erklärung, in der der zugrundeliegende Umsatz deklariert worden war. Dies wird zwangsläufig dazu führen, dass einzelne Quartalsmeldungen innerhalb eines 3-jährigen "Korrekturzeitraums" mehrfach berichtigt werden müssen.
 

Praxis-Tipp

Verzicht auf MOSS-Verfahren im Einzelfall prüfen

Trotz der genannten Nachteile dürfte die Teilnahme am MOSS-Verfahren für die meisten Unternehmen überwiegend vorteilhaft sein. Eine Meldung der Umsätze im jeweiligen Mitgliedstaat durch Registrierung und Abgabe einer Steuererklärung kann sich allerdings in den Fällen anbieten, in denen bereits aus anderen Gründen entsprechende Registrierungen und Steuerdeklarationspflichten bestehen (z. B. Meldung von Versandhandelsumsätzen). Ebenso, wenn komplexe Geschäftsmodelle ohnehin eine Klärung/Absprache der steuerlichen Behandlung mit der jeweiligen Finanzverwaltung vor Ort notwendig machen.

Generell ist zu beachten, dass die Erklärung im Rahmen des MOSS-Verfahrens bis zum 20. Tag nach Ablauf jedes Besteuerungszeitraums (Kalendervierteljahr) nach amtlich vorgeschriebenen Datensatz authentifiziert an das BZSt zu übermitteln ist. Auch die Steuer ist spätestens am 20. Tag nach Ende des Besteuerungszeitraums zu entrichten. Dies gilt selbst dann, wenn der 20. Tag ein Feiertag ist oder auf das Wochenende fällt.

Die Steuererklärung ist somit zu übermitteln für das:

  • erste Kalendervierteljahr bis zum 20. April,
  • zweite Kalendervierteljahr bis zum 20. Juli,
  • dritte Kalendervierteljahr bis zum 20. Oktober,
  • vierte Kalendervierteljahr bis zum 20. Januar des Folgejahres.

Sind im betreffenden Kalendervierteljahr keine Umsätze ausgeführt worden, ist eine sog. Null-Meldung zu den angegebenen Terminen einzureichen.

 

Wichtig

Leistungen an "inländische" Privatpersonen

Elektronische Dienstleistungen an Privatpersonen, die ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort in Deutschland haben, sind beim zuständigen inländischen Finanzamt im Regelbesteuerungsverfahren zu erklären.

Kleinunternehmer haben zu beachten, dass das besondere Meldeverfahren grundsätzlich auch für sie gilt. Allerdings ist ab dem 1.1.2019 insoweit eine wesentliche Erleichterung aufgrund des "Digitalpakets" der EU-Kommission zu beachten. Ab diesem Zeitpunkt gilt eine Bagatellgrenze von 10.000 EUR (Schwelle). Soll heißen: Unternehmen, deren Umsätze aus "elektronischen Dienstleitungen an EU-Privatkunden" im vorangegangenen Kalenderjahr 10.000 EUR nicht überschritten haben und im laufenden Kalenderjahr nicht überschreiten werden, fallen zunächst nicht unter das MOSS-Verfahren. Der Leistungsort richtet sich dann wiederum nach den Regelungen, die vor dem 1.1.2015 galten, sodass die Umsätze am Sitzort...

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