Eigenkapital

Zusammenfassung

 

Begriff

Unter Eigenkapital ist im Allgemeinen der wertmäßige Unterschiedsbetrag zwischen den Besitzposten und Schulden eines Unternehmens zu verstehen. Dieser Unterschiedsbetrag stellt das Betriebsvermögen i. S. v. § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG dar. Gebräuchliche Bezeichnungen für das Eigenkapital sind deshalb auch Betriebsvermögen sowie Reinvermögen. Gesellschaftsrechtlich lässt sich Eigenkapital dadurch definieren, dass es von einem Gesellschafter dauerhaft dem Unternehmen zugeführt werden muss, der freien Kündigung entzogen ist und durch Verluste gemindert wird. Darüber hinaus ist die Rückzahlung dieses haftenden Kapitals im Insolvenzfall ausgeschlossen.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Das steuerliche Betriebsvermögen ist in § 4 Abs. 1 EStG normiert. Das Eigenkapital einer Kapitalgesellschaft unterliegt der Gliederung nach § 266 Abs. 3 HGB. Weitere gesetzliche Regelungen sind § 272 HGB zu entnehmen.

1 Eigenkapital bei Einzelunternehmen

Bei Einzelunternehmen beschränkt sich die Haftung nicht auf das betriebliche Vermögen, sondern umfasst das Gesamtvermögen. Es ist deshalb kein Mindestkapital erforderlich.

Das Eigenkapital wird sowohl in der Steuerbilanz als auch in der Handelsbilanz aus der Buchführung entwickelt. Hierbei wird das Kapitalkonto zur besseren Übersicht über die Buchführungsvorgänge in mehrere Unterkonten aufgegliedert.

Dabei sind 3 wesentliche Kontenbereiche zu unterscheiden:

  • Privateinlagen,
  • Privatentnahmen,
  • GuV-Konto.

Dieser Unterscheidung bedarf es vor allem in der Steuerbilanz, um den steuerlichen Gewinn am Ende des Wirtschaftsjahrs anhand des Betriebsvermögensvergleichs zu ermitteln. Das Betriebsvermögen entspricht hierbei dem Eigenkapital:

 
  Betriebsvermögen am Ende des Wirtschaftsjahrs
./. Betriebsvermögen am Anfang des Wirtschaftsjahrs
+ Privatentnahmen
./. Privateinlagen
= Steuerlicher Gewinn

Da Besitzwerte und Schulden in der Praxis nie genau übereinstimmen, ergibt sich stets ein Unterschiedsbetrag. Im Regelfall sollte sich ein positives Eigenkapital aus dem Überschuss der Vermögenswerte über die Schulden ergeben. In diesem Fall wird das Eigenkapital auf der Passivseite ausgewiesen. Sofern die Schulden die aktiven Besitzwerte jedoch übersteigen, erfolgt der Ausweis des negativen Eigenkapitals auf der Aktivseite.

Aufgrund des Vorhandenseins stiller Reserven stimmt das buchmäßige Eigenkapital in den wenigsten Fällen mit dem tatsächlichen Eigenkapital überein. Ein bilanzieller Ausweis des Eigenkapitals auf der Aktivseite führt somit noch nicht zwangsläufig zu einer insolvenzrechtlichen Überschuldung.

2 Eigenkapital bei ­Personengesellschaften

2.1 Gesamthandsbilanz

Der Ausweis des Eigenkapitals bei Personengesellschaften richtet sich nach der Rechtsform der Gesellschaft sowie dem Umfang der Haftung der einzelnen Gesellschafter. Haften alle Gesellschafter in vollem Umfang, wie dies bei einer GbR und OHG der Fall ist, wird das Eigenkapital als variables Kapitalkonto – getrennt für jeden Gesellschafter – geführt.

Eine Aufgliederung in mehrere Kapitalbereiche kann jedoch erforderlich sein, wenn

  • im Kapitalausweis die Beteiligung am Gewinn bzw. den stillen Reserven zum Ausdruck kommen soll oder
  • bestimmte Bestandteile des Kapitals entsprechend der Gewinnverteilungsvereinbarungen vorab zu verzinsen sind.

Bei Kommanditgesellschaften wird das Komplementärkapital häufig als einheitliches variables Eigenkapital ausgewiesen. Für das Kapital des Kommanditisten sind jedoch ein Festkapital für die Kommanditeinlage sowie mindestens ein variables Kapitalkonto zu führen.

Bei den in der gesellschaftsvertraglichen Praxis anzutreffenden Mehrkontenmodellen mit bis zu 4 verschiedenen Konten stellt sich insbesondere aus steuerlicher Sicht für die Anwendung des § 15a EStG die Frage der zutreffenden Abgrenzung zwischen Kapitalkonten und Darlehenskonten.

Bei der Ermittlung des Kapitalkontos i. S. v. § 15a EStG sind Gesellschafter-Darlehenskonten als Fremdkapital der Gesellschaft außer Betracht zu lassen. Ein Kapitalkonto liegt vor, wenn die auf dem betroffenen Konto erfassten Beträge mit zukünftigen Verlusten verrechnet werden. Entscheidend ist, ob das Konto durch Teilhabe an Verlusten der gesamthänderischen Bindung unterliegt. Mit dem Begriff eines Darlehens ist eine Verlustbeteiligung des Gläubigers grundsätzlich nicht vereinbar. Auf den variablen Kapitalkonten werden somit Veränderungen durch Einlagen und Entnahmen sowie durch Gewinn- und Verlustzuweisungen gutgeschrieben bzw. belastet.

Die korrekte Verbuchung der Bewegungen auf den Kapitalkonten hat in der Praxis nicht zuletzt durch die elektronische Datenübermittlung von Bilanzen nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz an die Finanzverwaltung nach § 5b EStG enorm an Bedeutung gewonnen.

2.2 Steuerliche Besonderheiten

Durch die Regelungen zur steuerlichen Gewinnermittlung nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG ergibt sich auch beim Umfang des Eigenkapitals eine Abweichung zur Handelsbilanz. Zum steuerlichen Eigenkapital des Gesellschafters rechnet auch das Kapital in Sonderbilanzen und Ergänzungsbilanzen.

Die der Gesellschaft überlassenen Darlehen und zur Nutzung überlassenen Wirtschaftsgüter gehören zum...

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