Disagio / 2.2 Steuerrechtliche Beurteilung

2.2.1 Aktivierungsgebot

Steuerrechtlich besteht für das Disagio im Gegensatz zum Handelsrecht kein gesetzlich festgeschriebenes Aktivierungswahlrecht; hieraus ergibt sich ein steuerrechtliches Bilanzierungsgebot. Für ein Disagio muss in der Steuerbilanz daher ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden; eine alternative Verbuchung als Betriebsausgabe ist in der Regel nicht möglich.

Das als Rechnungsabgrenzungsposten aktivierte Disagio ist grundsätzlich auf den Zinsfestschreibungszeitraum bzw. die Laufzeit des Darlehens zum Zweck der periodengerechten Gewinnermittlung zu verteilen.

2.2.2 Verteilungszeitraum

Bei einer Zinsfestschreibung für einen bestimmten Zeitraum besteht ein wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen der Höhe des Zinssatzes und der des Disagios. Ein niedrigerer Zins steht mit einem höheren, ein höherer Zins mit einem niedrigeren Disagio im Zusammenhang.

 

Achtung

Verteilung über Zinsfestschreibungszeitraum

Ist der Darlehenszinssatz für einen fest vereinbarten Zeitraum festgeschrieben, ist das Disagio lediglich auf den Zinsfestschreibungszeitraum und nicht über die Gesamtlaufzeit des Darlehens zu verteilen. Bei Darlehen ohne fest vereinbarte Laufzeit im Kreditvertrag ist bei der Bestimmung des Verteilungszeitraums auf den frühestmöglichen Kündigungszeitpunkt abzustellen.

2.2.3 Keine Teilwertabschreibung

Ein Disagio kann steuerrechtlich nicht auf einen niedrigeren Teilwert abgeschrieben werden, wenn sich die allgemeinen Kreditbedingungen so verändert haben, dass ein gleiches Darlehen zu besseren Konditionen auf dem Kapitalmarkt zu erhalten ist. Nach Ansicht des BFH geht es bei einem unter den Rechnungsabgrenzungsposten aktivierten Disagio nicht um die Bewertung eines Wirtschaftsguts, sondern um die Abgrenzung gebuchter Ausgaben. Daher besitzt ein Rechnungsabgrenzungsposten an sich keinen Teilwert im steuerlichen Sinne.

Wird aber ein Darlehen vorzeitig ganz oder teilweise zurückgezahlt, ist der Abgrenzungsposten gewinnmindernd aufzulösen. Das gilt auch bei einer Umschuldung des Darlehens, wenn das Disagio nicht bei wirtschaftlicher Betrachtung als zusätzliche Gegenleistung für das neue oder veränderte Darlehen anzusehen ist.

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