Digitalisierung im Rechnung... / 1 Digitalisierung der Kontakte mit den Steuerbehörden

Obwohl die Anfertigung der Jahresabschlussunterlagen und die Bereitstellung der analogen Dokumente während der Steuerprüfung wesentlichen Aufwand in den Unternehmen bedeutet, kommt der Antrieb zur Digitalisierung in diesem Bereich nicht von den Steuerpflichtigen. Er kommt von den Finanzbehörden. Es hat verschiedene Gründe, warum die steuerpflichtigen Unternehmen den analogen Kontakt bevorzugen.

  • Es gibt ein tief sitzendes Misstrauen der verantwortlichen Mitarbeiter und der Unternehmensleitung gegen die Steuerbehörden. Diesen Menschen gilt der digitale Zugriff, den viele für nicht kontrollierbar halten, als Tor zur vollständigen Kontrolle.
  • Digitale Daten bieten wesentliche bessere Prüfungsmöglichkeiten als das Durchsuchen analoger Belege. Das weitet die Möglichkeiten der Prüfer und des Staates aus.
  • Der Umfang der Prüfung wird bei der Integration digitaler Abläufe ausgeweitet. Die Steuerpflichtigen fürchten dadurch eine Ausweitung der gefundenen Fehler mit der entsprechenden Folge der Steuernachzahlung.

Wer die gesetzlichen Vorgaben des Steuerrechts betrachtet, wird auch die Argumente der Finanzbehörden verstehen.

  • Durch die Prüfung digitaler Daten aus der Buchhaltung des Unternehmens kann die Prüfungsaufgabe schneller erledigt werden. Im Vergleich sind die analogen Prüfungen für beide Seite wesentlich aufwändiger.
  • Durch digitale Prüfungen kann der Umfang der geprüften Daten vergrößert werden. Fehler in der buchhalterischen Arbeit werden verstärkt erkannt, da digitale Algorithmen Fehlerquellen schneller erkennen können.
  • Durch die Verarbeitung digitaler Jahresabschlüsse kann bereits im Vorfeld erkannt werden, wo Buchungen nicht plausibel sind und wo eventuell Fehler vorliegen können. Die Prüfungen können sich auf diese Unternehmen konzentrieren.

Volkswirtschaftlich gesehen stellt eine möglichst hohe Digitalisierung der Finanzbehörden einen positiven Faktor dar. Je mehr Steuergerechtigkeit hergestellt wird und je weniger Mittel dafür aufgewandt werden müssen, desto besser ist das für den Staat. Voraussetzung dafür ist die ebenfalls in hohem Maße digitalisierte Buchhaltung der steuerpflichtigen Unternehmen. Die wiederum ist mit einem individuellen Aufwand für jede einzelne Buchhaltung verbunden. Darum muss auch das Unternehmen versuchen, den Zwang zur Digitalisierung der buchhalterischen Kontakte mit den Finanzbehörden mit eigenem Nutzen zu verbinden.

Um den Aufwand der notwendigen digitalen Änderungen so gering wie möglich zu halten, ist eine grundsätzliche Digitalisierung der Buchhaltung in all ihren Bereichen durchzuführen. Dann können die daraus entstehenden Vorteile genutzt werden, der Aufwand für die Zwangsdigitalisierung des Informationsaustausches mit den Finanzbehörden sinkt. Gleichzeitig kann die Berücksichtigung der Ansprüche des Staates bei der eigenen Digitalisierung, also auch durchaus die Veränderung interner Strukturen, zu einem Vorteil führen. Grundsätzlich könnte es möglich sein, dass auch die folgenden volkswirtschaftlichen Vorteile das Unternehmen ganz individuell erreichen:

  • Betriebsprüfungen können in Zukunft auf die Unternehmen beschränkt werden, die in ihren digitalen Abschlüssen Auffälligkeiten zeigen. Selbstverständlich werden aus den übrigen Unternehmen immer auch zufällig ausgewählte Probanden geprüft werden müssen. Das Unternehmen wird dann vielleicht gar nicht mehr oder seltener geprüft.
  • Die Betriebsprüfung selbst wird schneller durchgeführt werden können. Digitale Prüfungsalgorhythmen werden mehr Daten prüfen können. Die Konzentration auf Bereiche, die in der Vorprüfung als „verdächtig“ erscheinen, verkürzt die Prüfungszeit. Der Aufwand wird auf beiden Seiten geringer.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge