Degressive Gebäudeabschreibung

Zusammenfassung

 
Überblick

Die Möglichkeit der Inanspruchnahme der degressiven AfA wurde für Mietwohngebäude abgeschafft. Die Inanspruchnahme der AfA nach § 7 Abs. 5 EStG ist nur noch für Gebäude möglich, für die vor dem 1.1.2006 der Bauantrag gestellt wurde oder die aufgrund eines vor dem 1.1.2006 rechtswirksam abgeschlossenen obligatorischen Vertrags angeschafft worden sind. Bei baugenehmigungsfreien Bauvorhaben, für die Bauunterlagen einzureichen sind, war der Zeitpunkt maßgebend, zu dem die Bauunterlagen eingereicht wurden.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Gesetzliche Regelungen zur degressiven Gebäudeabschreibung finden sich in § 7 Abs. 5 EStG.

Zur steuerlichen Behandlung von Wirtschaftsgebäuden und Mietwohnneubauten vgl. R 7.2 EStR. Weitere Regelungen finden sich in R 7.3 EStR (Bemessungsgrundlage für die AfA) und in R 7.4 EStR (Höhe der AfA).

Zur Beibehaltung der degressiven AfA, wenn ein zunächst zu fremden Wohnzwecken genutztes Gebäude nunmehr zu fremdbetrieblichen Zwecken genutzt wird, vgl. BFH, Urteil v. 15.2.2005, IX R 32/03, BFH/NV 2005 S. 2270, BStBl 2006 II S. 51. Zur Nachholung degressiver AfA vgl. BFH, Urteil v. 13.12.2005, IX R 42/04, BFH/NV 2006 S. 1452. Zur Behandlung von nachträglichen Herstellungskosten vgl. BFH, Urteil v. 20.1.1987, IX R 103/83, BStBl 1987 II S. 491.

1 Wegfall der degressiven AfA ab 1.1.2006

Die Möglichkeit der Inanspruchnahme der degressiven AfA nach § 7 Abs. 5 EStG wurde für Gebäude, die der Erzielung von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung dienen, abgeschafft.

Die Regelung zur degressiven Abschreibung bei Mietwohngebäuden kann allerdings im bisherigen Umfang noch in Anspruch genommen werden, wenn in Herstellungsfällen der Bauantrag vor dem 1.1.2006 gestellt oder in Anschaffungsfällen der Notarvertrag rechtswirksam vor dem 1.1.2006 abgeschlossen wurde. Bei baugenehmigungsfreien Bauvorhaben, für die Bauunterlagen einzureichen sind, war der Zeitpunkt maßgebend, zu dem die Bauunterlagen eingereicht wurden; dies galt auch, wenn der Errichtung eines Neubaus der genehmigte Abriss eines Altgebäudes vorausging.[1] Bei baugenehmigungsfreien Bauvorhaben, für die keine Bauunterlagen einzureichen sind, trat an die Stelle des Bauantrags der Beginn der Herstellung.

Die Herstellungs- bzw. Anschaffungskosten vermieteter Wohngebäude, die aufgrund eines nach dem 31.12.2005 gestellten Bauantrags hergestellt oder aufgrund eines nach dem 31.12.2005 rechtswirksam abgeschlossenen obligatorischen Vertrags angeschafft worden sind, können nur noch linear nach § 7 Abs. 4 EStG mit einem Abschreibungssatz von 2 % abgeschrieben werden. Ein obligatorischer Vertrag über den Erwerb eines Grundstücks ist hierbei zu dem Zeitpunkt rechtswirksam abgeschlossen, zu dem er notariell beurkundet ist.[2]

2 Abschreibungssätze

Bei der degressiven Gebäudeabschreibung handelt es sich um eine Abschreibung mit fallenden AfA-Sätzen (Staffelsätzen). Die AfA wird von der AfA-Bemessungsgrundlage (Anschaffungs- oder Herstellungskosten) berechnet.

Die Abschreibungssätze zur degressiven AfA stellen sich wie folgt dar[1]:

 
Wirtschaftsgebäude Mietwohnbauten sonstige Gebäude
▪ Gebäude/-teil ist Betriebsvermögen ▪ Gebäude/-teil rechnet zum Privatvermögen oder Betriebsvermögen Bauantragstellung bzw. im Erwerbsfall Kaufvertragsabschluss vor dem 1.1.1995    
▪ keine Nutzung zu Wohnzwecken ▪ Nutzung zu Wohnzwecken      
▪ Bauantragstellung bzw. im Erwerbsfall Kaufvertragsabschluss vor dem 1.1.1994        
§ 7 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG § 7 Abs. 5 Satz 1 Nr. 3 EStG § 7 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG
Höhe der AfA Höhe der AfA Höhe der AfA
  Bauantrag oder Erwerb nach dem 31.12.1995 und vor dem 1.1.2004  
4 Jahre x 10 % 8 Jahre x 5 % 8 Jahre x 5 %
3 Jahre x 5 % 6 Jahre x 2,5 % 6 Jahre x 2,5 %
18 Jahre x 2,5 % 36 Jahre x 1,25 % 36 Jahre x 1,25 %
  (fiktive Nutzungsdauer 50 Jahre)  
  Bauantrag oder Erwerb vor dem 1.1.1996  
  4 Jahre x 7 %  
(fiktive Nutzungsdauer 25 Jahre) 6 Jahre x 5 % (fiktive Nutzungsdauer 50 Jahre)
  6 Jahre x 2 %  
  24 Jahre x 1,25 %  
  (fiktive Nutzungsdauer 40 Jahre)  
  Bauantrag oder Erwerb nach dem 31.12.2003  
  10 Jahre x 4 %  
  8 Jahre x 2,5 %  
  32 Jahre x 1,25 %  
  (fiktive Nutzungsdauer 50 Jahre)  
  Bauantrag oder Erwerb nach dem 31.12.2005  
  Keine degressive AfA mehr möglich  
  Es kann nur noch die lineare AfA nach § 7 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG mit einem Abschreibungssatz von 2 % in Anspruch genommen werden  

Die degressive AfA kann nur mit den angegebenen Staffelsätzen erfolgen. Der Ansatz höherer oder niedrigerer Sätze ist nicht zulässig. Ist AfA nach § 7 Abs. 5 EStG (zu Unrecht) überhöht vorgenommen worden, ist die weitere AfA während des verbleibenden Abschreibungszeitraums weiterhin von den ungekürzten Anschaffungs- oder Herstellungskosten vorzunehmen.[2] Wird die AfA bewusst unterlassen, um dadurch Steuervorteile zu erlangen, darf sie nicht nachgeholt werden.[3] Die unterlassene AfA fällt steuerrechtlich endgültig aus.[4]

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