Nur unspektakuläre Anpassung des Controllings an Anforderungen von Industrie 4.0 zu erwarten

Die Entwicklung der Controllinginstrumente und Controlleraufgaben zeigt, dass die Eckpunkte des Controllings in der Unternehmenspraxis entgegen der Veränderungsgeschwindigkeit des Unternehmensumfelds sehr stabil sind. Diese Stabilität soll keinesfalls den Eindruck des Stillstands vermitteln. Controlling als Managementprozess der Zielfindung, Planung und Steuerung hat in der Vergangenheit eindeutig an Stellenwert gewonnen, denn durch entsprechend schärfere Wettbewerbsbedingungen benötigen Führungskräfte heute präzisere Steuerungsinformationen denn je. Beispielsweise werden die Aufgaben von CFOs gerne in Pflichtaufgaben wie Jahresabschluss, Steuern oder Finanzierung und Küraufgaben wie das Controlling unterteilt. Studien zeigen, dass Controlling-Aufgaben für CFOs aktuell die höchste Bedeutung aufweisen.[1] In gleicherweise hat sich in der Vergangenheit der Einfluss und Stellenwert von Controllern still und leise erhöht, womit jedoch auch die Anforderungen laufend gestiegen sind.

Der Wandel der vergangenen Jahre kann wie folgt charakterisiert werden. Es handelt sich um einen sehr langsamen, aber tiefgreifenden Wandel, in dem sich Controlling und Controller vorwiegend an geänderte Umfeldbedingungen angepasst und dabei auch neue technologische Möglichkeiten genutzt haben. Controller haben ihr Rollenbild schrittweise vom "Lotsen" zum Partner des Managements weiterentwickelt. Sie werden stärker in den Führungsprozess eingebunden und tragen mehr Verantwortung. Parallel dazu sind die Anforderungen an die Controllerarbeit gestiegen. Immer globalere, größere Konzerne, mit einer höheren Anzahl an Planungs- oder Konsolidierungseinheiten mit unterschiedlichsten Wettbewerbsbedingungen haben die Komplexität der Controllerarbeit schrittweise erhöht. Gleichzeitig wird von Controllern heute höhere Effizienz in ihrer Tätigkeit verlangt. Kürzere Planungs- und Berichtszyklen, mehr und schnellere Informationen sowie internationale bzw. ergänzende Aufgaben bei häufig geringeren Ressourcen führten zu einer laufenden Anpassung und tlw. Automatisierung der Controllerarbeit, ohne die wesentlichen Eckpfeiler zu verlassen oder den Stellenwert zu vermindern.

Die Analyse der vergangenen Entwicklung legt nahe, dass die Eckpfeiler des Controllings auch im Lichte der aktuellen technologischen Entwicklung von Industrie 4.0 und Big Data weiter Bestand haben werden:

  • Eine unkoordinierte, ziel- und planlose Unternehmensführung ist schwer vorstellbar. Es wird daher aller Voraussicht nach auch weiterhin einen Führungskreislauf der betriebswirtschaftlichen Zielsetzung, Planung und Steuerung benötigen und die damit verbundenen Aktivitäten erfordern.
  • Die bestehenden Controllinginstrumente sind grundsätzlich ausgereift und werden auch in Zukunft in den Unternehmen dominieren. Es gibt aus heutiger Sicht keine echten "weißen Flecken", d. h. betriebswirtschaftliche Führungsthemen, die nicht durch bestehende Controllinginstrumente vom Grundsatz her abgedeckt werden könnten.
  • Die Rolle des Controllers als Sparringspartner, der einerseits unterstützt und andererseits als "emotionsfreies, sachliches Korrektiv" die Rationalität der Führung zum Wohl des Unternehmens sichert, wird auch in Zukunft wichtig bleiben, sofern die Controller die dafür nötigen Kompetenzen aufweisen können. Es sind weder die vollständige Automatisierung der Informationsversorgung noch "perfekte" Führungskräfte zu erwarten, die ein uneingeschränktes Zeitbudget für Analysetätigkeiten, perfekte betriebswirtschaftliche Expertise und ein idealisiertes, nicht opportunistisches Verhalten vereinen.

Im Umkehrschluss soll die Stabilität der Eckpfeiler nicht bedeuten, dass Industrie 4.0 und die digitale Transformation am Controlling spurlos vorbeigehen werden und sich im Prozess des Controllings und der Arbeit von Controllern nichts ändern wird. Es ist vielmehr zu erwarten, dass eine schrittweise unspektakuläre Anpassung an den Wandel des Unternehmensumfelds erfolgt, um neuen Anforderungen gerecht zu werden und neue technologische Möglichkeiten zu nutzen. Ein eigenständiges, gänzlich anderes Controlling 4.0 ist aller Voraussicht nicht zu erwarten.

[1] Vgl. Finance, 2015, Roland Berger, 2015.

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