Computer

Zusammenfassung

 

Begriff

Aufwendungen für die Anschaffung und den Betrieb eines Computers können bei allen Einkunftsarten steuermindernd zu berücksichtigen sein. Der BFH (BFH, Urteil v. 19.2.2004, VI R 135/01, BStBl 2004 II S. 958) vertritt in einer Grundsatzentscheidung die Auffassung, dass ein privat angeschaffter und in der privaten Wohnung aufgestellter PC ein Arbeitsmittel nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG sein kann. Dies ist der Fall, wenn lediglich ein privater – unbedeutender – Nutzungsanteil von bis zu rund 10 % gegeben ist. Übersteigt der private Nutzungsanteil diese Grenze, liegt ein sog. gemischt genutzter PC (kein Arbeitsmittel) vor, dessen Kosten aufzuteilen sind. Das Aufteilungs- und Abzugsverbot des § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG steht dem nicht entgegen. Die Abgrenzung zwischen beruflichem und privatem Veranlassungszusammenhang kann, vor allem im Zusammenhang mit dem Abzug von Computeraufwendungen als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit, problematisch sein.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Gesetzlich geregelt ist der Betriebsausgaben- bzw. Werbungskostenabzug von Computeraufwendungen in §§ 4, 9 EStG. Verwaltungsseitige Erläuterungen zur Abschreibung finden sich in R 5.5 EStR 2012 sowie im BMF-Schreiben v. 30.9.2010 (BMF, Schreiben v. 30.9.2010, IV C 6 – S 2180/09/10001, BStBl 2010 I S. 755).

1 Betriebsausgaben­abzug

1.1 Begriff und Bestandteile des Computers

Ein Personal-Computer (PC) tritt z.B als Desktop-, Notebook-/Laptop- oder Tablet-Computer in Erscheinung. Während es sich bei den Desktop-Computern regelmäßig um stationäre PCs handelt, zählt ein Notebook/Laptop ebenso wie ein Tablet zu den Mobilgeräten.

Ein Computer besteht aus folgenden Teilen:

  • Aus den Bestandteilen des Computers (Rechner, Festplatte, interne Laufwerke, Arbeitsspeicher, Grafikkarte, Brenner, sonstige Einbauteile usw.);
  • aus den internen bzw. externen Peripheriegeräten (Monitor, Drucker, Tastatur, Maus, Scanner, Modem, externe Laufwerke usw.) sowie
  • aus der Software (Betriebssystem, Anwenderprogramme usw.).

1.2 Computer als einheitliches Wirtschaftsgut?

Problematisch ist, ob ein PC als einheitliches Wirtschaftsgut zu beurteilen und damit einheitlich abzuschreiben ist. Verwaltungsseitig wird – ohne Unterscheidung der Computerarten – die Auffassung vertreten, dass ein PC als selbstständig nutzungsfähiges Wirtschaftsgut des Anlagevermögens im Sammelposten nach § 6 Abs. 2a EStG erfasst werden kann. Uneingeschränkt trifft die Aussage, dass ein PC ein selbstständig nutzungsfähiges Wirtschaftsgut ist, wohl nur zu, soweit es sich bei der Anschaffung um ein Notebook handelt. Denn der III. Senat des BFH hat – allerdings ohne näherer Begründung – entschieden, dass ein Notebook, ein Monitor und eine Tastatur als einheitliches, selbstständig nutzbares Wirtschaftsgut zu behandeln sind. Im selben Urteil hat der BFH allerdings einen Drucker als eigenständiges Wirtschaftsgut angesehen.

Der III. Senat des BFH

vertritt ebenfalls die Auffassung, ein Drucker sei ein eigenständiges, nicht selbstständig nutzbares Wirtschaftsgut und nicht etwa unselbstständiger Bestandteil eines Wirtschaftsguts "Computeranlage". Bei Beurteilung der Frage, ob mehrere Gegenstände zu einem einheitlichen Wirtschaftsgut zusammenzufassen oder als Einzelwirtschaftsgüter zu beurteilen seien, komme es darauf an, ob sie auch nach einer etwaigen Verbindung ihre selbstständige Bewertbarkeit behielten. Entscheidend sei, ob das Wirtschaftsgut nach der allgemeinen Verkehrsanschauung in seiner Einzelheit von Bedeutung und bei einer Veräußerung greifbar sei. Ein Drucker sei hiernach als ein eigenständiges Wirtschaftsgut anzusehen.

Der III. Senat des BFH brauchte sich in seinem Urteil nicht von dem genannten Urteil des VIII. Senats zu distanzieren, da er über einen Drucker zu entscheiden hatte, den auch der VIII. Senat als eigenständig beurteilt hat. Er verweist zudem auf ein Urteil des VI. Senats des BFH.

Danach sind die zu einem PC gehörenden Peripherie-Geräte (Scanner, Drucker u.Ä.) zwar grundsätzlich selbstständig bewertungsfähig, aber nicht selbstständig nutzungsfähig i. S. d. § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG.

Nach allem lässt sich festhalten, dass nach derzeitigem Stand der Rechtsprechung ein Notebook bzw. Laptop – Gleiches muss für ein Tablet gelten – ein einheitliches Wirtschaftsgut i. S. einer nicht teilbaren Einheit ist, das nur einheitlich abgeschrieben werden kann.

Eine andere Beurteilung ergibt sich m. E. bei einem stationären Desktop-PC. Wird eine bewegliche Sache mit einer oder mehreren anderen beweglichen Sachen verbunden oder zu einer Anlage zusammengestellt, so ist zu entscheiden, ob es sich bei den einzelnen Gegenständen jeweils noch um selbstständige Wirtschaftsgüter handelt oder nur um unselbstständige Teile des anderen (verbundenen) Wirtschaftsguts. Ausschlaggebend dabei ist, ob die eingefügten oder die zusammengestellten Gegenstände weiterhin ihre selbstständige Bewertbarkeit behalten. Selbst bei der Erstanschaffung eines Desktop-PCs bilden die Zentraleinheit und die Peripheriegeräte kein einheitliches Wirtschaftgut. Nach der Rechtsprechung handelt es sich beim Drucker um ei...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge