Buchführung/IFRS-Umstellung

1 Einführung

 

Rz. 1

In Deutschland ist die EU-Verordnung[1] durch das Gesetz zur Einführung internationaler Rechnungslegungsstandards und zur Sicherung der Qualität der Abschlussprüfung (sog. Bilanzrechtsreformgesetz; BilReG) umgesetzt worden. Im Einzelnen ergibt sich daraus für die Relevanz der IFRS-Rechnungslegung derzeit folgendes Bild:

  • Eine Konzernabschlusspflicht nach § 315e Abs. 1 HGB besteht für Mutterunternehmen, deren Wertpapiere am Bilanzstichtag in einem beliebigen Mitgliedstaat zum Handel in einem geregelten Markt zugelassen sind (kapitalmarktorientierte Gesellschaften).
  • Eine Konzernabschlusspflicht nach § 315e Abs. 2 HGB besteht darüber hinaus für Mutterunternehmen, wenn für sie bis zum jeweiligen Bilanzstichtag die Zulassung eines Wertpapiers i. S. d. § 2 Abs. 1 des Wertpapierhandelsgesetzes zum Handel an einem organisierten Markt i. S. d. § 2 Abs. 11 des Wertpapierhandelsgesetzes im Inland beantragt worden ist.
  • Weiterhin können alle übrigen (nicht unter § 315e Abs. 1, 2 HGB fallenden) Mutterunternehmen ihren Konzernabschluss nach den IFRS aufstellen (§ 315e Abs. 3 HGB).
  • Zudem besteht hinsichtlich der Veröffentlichung des Jahresabschlusses die Möglichkeit, anstelle eines HGB-Jahresabschlusses einen IFRS-Jahresabschluss zu veröffentlichen (§ 325 Abs. 2a HGB), für den jedoch die in diesem Absatz im Einzelnen aufgeführten handelsrechtlichen Normen zu beachten sind.[2] Unberührt von diesem Wahlrecht bleibt jedoch weiterhin die Verpflichtung bestehen, einen HGB-Jahresabschluss aufzustellen. Die zunächst im Referentenentwurf zum BilMoG vorgesehene generelle Möglichkeit der Aufstellung eines IFRS-Jahresabschlusses mit befreiender Wirkung für die Aufstellung eines HGB-Abschlusses wurde letztlich nicht umgesetzt.[3]
 

Rz. 2

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass mit der Aufstellung eines IFRS-Konzernabschlusses bzw. der Veröffentlichung eines IFRS-Jahresabschlusses nicht sämtliche Informationspflichten des Handelsrechts entfallen. So hat ein IFRS-Konzernabschluss nur dann befreiende Wirkung für die Aufstellung eines HGB-Konzernabschlusses, wenn insbesondere die Vorschriften des § 294 Abs. 3 HGB, § 297 Abs. 1a, 2 Satz 4 HGB, § 298 Abs. 1 HGB i. V. m. §§ 244 und 245 HGB sowie § 313 Abs. 2, 3 HGB, § 314 Abs. 1 Nrn. 4, 6, 8,9 und Abs. 3 HGB sowie die Bestimmungen zum Konzernlagebericht (Neunter Titel) beachtet werden.[4]

Ähnlich sind bei Veröffentlichung des IFRS-Jahresabschlusses mit befreiender Wirkung für die Veröffentlichung eines HGB-Jahresabschlusses zusätzlich die handelsrechtlichen Vorschriften der §§ 243 Abs. 2, 244, 245, 257, 264 Abs. 1a, 2 Satz 3, 285 Nrn. 7, 8 Buchst. b), Nrn. 911a, 14–17 sowie 286 Abs. 1, 3, 5 HGB zu beachten. Weiterhin haben diese Unternehmen – unverändert – einen Lagebericht aufzustellen, der allerdings dann auf den IFRS-Jahresabschluss Bezug nimmt.[5]

Der IASB veröffentlichte 2010 ein Practice Statement "Management Commentary – A Framework for Presentation", das jedoch nicht verpflichtend anzuwenden ist.[6]

 

Rz. 3

Trotz einer Vielzahl von insbesondere in der Zeit der Verabschiedung und Umsetzung der erstmaligen Anwendung bzw. Umsetzung der EU-Verordnung erschienenen Monografien und Beiträgen zu den Bilanzierungs- und Bewertungsunterschieden zwischen HGB und IFRS[7] widmet sich die Literatur dem Problem des Übergangs von einer HGB-Rechnungslegung, die voraussichtlich im Jahresabschluss – auf absehbare Zeit – zumindest als Grundlage für die Ausschüttungsbemessung und in eingeschränktem Umfang der steuerlichen Gewinnermittlung fortbesteht, zur IFRS-Rechnungslegung wenig[8]

[1] Vgl. Amtsblatt der EG, Nr. L 243/2002 v. 11.9.2002.
[2] Vgl. Rz. 2.
[3] Vgl. hierzu Kirsch, BuC 2008, S. 1.
[6] Vgl. zu den Inhalten Kirsch, Einführung in die internationale Rechnungslegung nach IFRS, 12. Aufl. 2019, S. 517 ff.
[7] Vgl. z. B. KPMG, Rechnungslegung nach internationalen Vorschriften, 3. Aufl. 2004; Born, Rechnungslegung International, 5. Aufl. 2007; Hayn/Graf Waldersee, IFRS/HGB/HGB-BilMoG im Vergleich, 7. Aufl. 2008.
[8] Vgl. z. B. Lüdenbach, IFRS: Der Ratgeber zur erfolgreichen Umstellung von HGB auf IFRS, 4. Aufl., 2005; Walleyo, Umstellung des Rechnungswesens auf internationale Rechnungslegungsvorschriften, Bilanzbuchhalter und Controller 2001, S. 121 ff.

2 Phasen der Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS

 

Rz. 4

Die Umstellung der Rechnungslegung vollzieht sich (häufig auch zeitlich getrennt) in mehreren Phasen, zwischen denen teilweise Rückkoppelungen auftreten können.[1]

Abb. 1: Phasen der Umstellung der Rechnungslegung

[1] Eine weitergehende Untergliederung in Projektstufen findet sich bei Lüdenbach, Accounting 2/2001, S. 5.

2.1 Identifikation von potenziellen Bilanzierungs- und Bewertungsunterschieden

 

Rz. 5

In der 1. Phase empfiehlt es sich, die potenziellen Unterschiede in Bilanzierung und Bewertung, z. B. im Rahmen eines Workshops, zu ermitteln. Teilnehmer dieses Workshops sollten Führungskräfte und Mitarbeiter des Finanz- und Rechnungswesens des auf IFRS umstellenden Unternehmens sowie externe Berater mit Erfahrung in entsprechenden Umstellungsprojekten sein.[1]

Zweckmäßigerw...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge