Brexit: Rechnungslegung – Berichtigung von Forderungen

Fall

Die nicht kapitalmarktorientierte Maximal GmbH ist ein in Deutschland ansässiges Handels- und Produktionsunternehmen, für welches das Vereinigte Königreich (VK) traditionell ein wichtiger Beschaffungs- und Absatzmarkt ist. In Folge des Austritts des VK schließt die Geschäftsführung nicht aus, dass es im VK zu einer Rezession kommt. In Folge dessen wird nicht nur ein Rückgang der Nachfrage erwartet, sondern auch mit wirtschaftlichen Verwerfungen bei bestehenden Geschäftspartnern mit Sitz im VK gerechnet.

Fraglich ist aus Sicht des Unternehmens, welche Auswirkungen sich in Folge des Austritts auf die Bilanzierung von Forderungen ergeben könnten.

Lösung

Kommt es infolge des Austritts im VK zu einer Rezession die zu wirtschaftlichen Verwerfungen bei bestehenden Vertragspartnern führt, kann es zu pauschalen oder einzelfallbezogenen Wertberichtigungen des Forderungsbestandes kommen. Hier gilt es insbesondere die Risiken im Fokus zu behalten die durch den Austritt des VK stärker zu gewichten sind. Abhängig von Einzelfall können das erhöhte Ausfall-, Verzögerungs- und Währungsrisiken sein. Für möglicherweise zu berücksichtigende Wechselkursrisiken sind zusätzlich die Bewertungsregeln des § 256a HGB zu berücksichtigen. Das Unternehmen sollte daher die wirtschaftlichen Entwicklungen im VK im Blick haben und sofern möglich, Geschäfte vermehrt mit Vorkasse oder verkürzten Zahlungszielen durchführen. Auch ist die vermehrte Bildung von Bewertungseinheiten abzuwägen.

Hintergrundinfo

Vor dem Brexit

Forderungen sind nach § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB zu Anschaffungskosten in der Bilanz anzusetzen. Eine Abschreibung ist im Falle eines niedrigeren beizulegenden Werts vorzunehmen. Sie kann durch die Realisation der folgenden Risiken veranlasst sein:

  • Ausfallrisiko: Risiko einer nicht vollständigen Begleichung der Forderung wegen mangelnder Bonität des Schuldners,
  • Verzögerungsrisiko: Risiko einer verspäteten Zahlung seitens des Schuldners ohne Kompensation durch einen Anspruch auf Zinsen,
  • Preisminderungsrisiko: Risiko der Geltendmachung von Abschlägen aus rechtlichen Gründen (z. B. wegen mangelhafter Leistung) durch den Schuldner,
  • Währungsrisiko: Risiko eines Wertverlusts aufgrund einer Abwertung der Währung, in der die Forderung denominiert ist,
  • Länderrisiko: Risiko einer mangelnden vollständigen Durchsetzbarkeit der Forderung aus Gründen, die das Land des Schuldners betreffen.

Forderungen sind grundsätzlich mit dem Betrag anzusetzen, mit dem sie wahrscheinlich realisiert werden können. Der beizulegende Wert hat alle bis zum Abschlussstichtag eingetretenen erkennbaren Risiken und Verluste zu berücksichtigen: Zweifelhafte Forderungen sind mit ihrem wahrscheinlichen Wert und uneinbringliche Forderungen mit (einem Nettobetrag von) Null anzusetzen.

Nach dem Grundsatz der Einzelbewertung ist jede Forderung nach ihren individuellen Merkmalen gesondert zu bewerten. Insbesondere bei großen Forderungsbeständen kommen neben Einzelwertberichtigungen häufig pauschalierte Wertberichtigungsverfahren zur Anwendung. Um eine Doppelerfassung von Wertminderungen auszuschließen, sind Letztere nur auf die nicht einzeln wertberichtigten Forderungen anzuwenden.

Bei Einzelwertberichtigungen sind die individuellen Umstände beim Schuldner sowie die Ausstattungsmerkmale der Forderung zu berücksichtigen. Dazu zählen

  • mangelnde Zahlungsfähig- oder -willigkeit des Schuldners,
  • Verzinslichkeit der Forderung,
  • Wechselkursrisiken bei Fremdwährungen (hier sind zusätzlich die Bewertungsregeln des § 256a HGB zu berücksichtigen),
  • Länderrisiken,
  • Kosten der Beitreibung der Forderung (z. B. Gebühren für Rechtsanwalt oder Mahnbescheid),
  • gewährte Sicherheiten (z. B. Bürgschaften, Patronatserklärungen von Dritten),
  • Ausfallversicherungen.

Pauschalwertberichtigungen sollen vornehmlich das allgemeine Ausfall- und Kreditrisiko erfassen. Basis für die Ermittlung des anzuwendenden pauschalen Abschlags sind Erfahrungen der Vergangenheit. Am Abschlussstichtag vorliegende Umstände, die eine Veränderung des Prozentsatzes im nächsten Geschäftsjahr erwarten lassen (z. B. signifikante Zunahme der Insolvenzen in der betreffenden Branche wegen schwacher Branchenkonjunktur), sind zu berücksichtigen.

Mit Blick auf die Thematik der Währungsumrechnung stellt die bisherige Nicht-Einführung des Euro im VK eine der wenigen Konstanten dar. Infolge dessen mussten und müssen Unternehmen, die mit dem VK wirtschaftlich verflochten sind, die Risiken verschiedener Währungen stets berücksichtigen. Der ausdauernden Weigerung des VK das Englische Pfund durch den Euro zu ersetzen steht die Verpflichtung deutscher Unternehmen zur Bilanzierung in Euro gegenüber, da der Jahresabschluss nach § 244 HGB in Euro aufzustellen ist.

Handelsrechtlich regelt § 256a HGB die Umrechnung von Fremdwährungsgeschäften. Die Vorschrift regelt den Themenkomplex jedoch nicht umfassend. Sie belässt es vielmehr bei punktuellen, sachlichen Hinweisen zur Umrechnung von Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten. Auch beziehen sich die Umrechn...

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