Bilanz Check-up 2020: Enforcement

Zusammenfassung

Die ungebrochene Dynamik und Komplexität der nationalen und internationalen Rechnungslegung stellt Aufsteller, Prüfer, Berater und Enforcer vor enorme Herausforderungen. Der Bilanz Check-up bietet Entscheidungsträgern im Rechnungswesen einen anwendungsfreundlichen, kompakten Überblick zu den vielfältigen Entwicklungen in der nationalen und internationalen Rechnungslegung.

1 Nationales Enforcement

1.1 Prüfungsschwerpunkte der DPR für Abschlüsse 2019

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung e. V. (DPR) wird die Liste der Prüfungsschwerpunkte für Konzernabschlüsse 2019 und Zwischenabschlüsse 2020 voraussichtlich im November 2019 auf ihrer Homepage veröffentlichen (Informationen finden Sie auch unter https://www.frep.info/pruefverfahren/pruefungsschwerpunkte.php, Abrufdatum 30.9.2019).

 
Hinweis

Die jährliche Bekanntgabe der Prüfungsschwerpunkte für das Folgejahr ist Teil der Präventionsfunktion der DPR, indem sie den Unternehmen Gelegenheit gibt, die bilanzielle Abbildung der entsprechenden Sachverhalte i. R. d. Abschlusserstellung einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Sofern die Prüfungsschwerpunkte bei einem Unternehmen von Bedeutung sind, bezieht die DPR diese bei ihrer Prüfung mit ein. Die DPR beschränkt ihre Prüfungen indes nicht auf die Prüfungsschwerpunkte. Vielmehr erstrecken sich die Prüfungen abhängig von den Umständen des Einzelfalls regelmäßig auf weitere Prüffelder.

 
Praxis-Tipp

Die Erstellung einer aussagefähigen Dokumentation ist im Hinblick auf die Qualitätssicherung des Abschlusses bereits bei der Erstellung des Abschlusses zu empfehlen, zumal der DPR im Enforcement-Verfahren die angeforderten Unterlagen grundsätzlich in der Form zur Verfügung zu stellen sind, wie sie im Zeitpunkt der Abschlusserstellung vorlagen. Die DPR prüft nämlich gemäß § 342b Abs. 2 Satz 1 HGB auch, ob die dem Abschluss zugrunde liegende Buchführung den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht.

1.2 Tätigkeitsbericht 2018 der DPR

Die DPR veröffentlicht immer zu Jahresbeginn die Ergebnisse der Prüfungen des vorangegangenen Jahres und ihre Erkenntnisse hieraus in einem Tätigkeitsbericht, der auf der Homepage der DPR (https://www.frep.info/presse/taetigkeitsberichte.php) abrufbar ist.

Abgeschlossene Prüfungen, festgestellte Fehler und Zustimmungsquote

Im Jahr 2018 hat die DPR 84 Prüfungen (2017: 99) abgeschlossen, davon waren 80 Stichprobenprüfungen, 3 Anlassprüfungen und eine Prüfung, die auf Verlangen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) durchgeführt wurde. Die Fehlerquote lag dabei mit 15 % auf dem Niveau der Vorjahre. Die normalisierte Fehlerquote, die um Mehrfachzählungen derselben Fehler bezogen auf das jeweilige Unternehmen und Prüfungen mit offenkundig fehlerhafter Rechnungslegung, z. B. wenn der Abschlussprüfer den Fehler bereits in einem eingeschränkten oder versagten Bestätigungsvermerk festgehalten hat, bereinigt ist, betrug 12 % (2017: 14 %).

Die Fehlerquote bei den Stichprobenprüfungen betrug 11 % (2017: 12 %). Bei Anlass- und Verlangensprüfungen war die Fehlerquote mit 100 % (2017: 67 % bzw. 40 %) unverändert deutlich höher. Während sich bei Unternehmen mit Indexzugehörigkeit 2018 mit 16 % eine deutlich über dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2018 (8 %) liegende Fehlerquote ergab, lag diese für Unternehmen ohne Indexzugehörigkeit mit 15 % signifikant unter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2018 (22 %) Die Zustimmungsquote der Unternehmen zu Fehlerfeststellungen der DPR lag im Jahr 2018 bei 81 % (2017: 100 %).

Als Hauptursachen für Fehler nennt die DPR unverändert Anwendungsschwierigkeiten im Hinblick auf einzelne IFRS bei der Abbildung komplexer Geschäftsvorfälle sowie die unzureichende Berichterstattung in Anhang und Lagebericht. Indes wurde die Lageberichterstattung im Jahr 2018 von der DPR lediglich in einem Prüfverfahren als fehlerhaft eingestuft, während in den Jahren 2015 bis 2018 durchschnittlich 5 den Lagebericht betreffende Einzelfehler zu verzeichnen waren.

Am stärksten von Fehlerfeststellungen betroffen war im Jahr 2018 der Themenkreis Unternehmenserwerb und­-verkauf/goodwill mit 6 Einzelfehlern, die sich hauptsächlich auf nicht sachgerecht vorgenommene Kaufpreisallokationen sowie fehlende Anhangangaben im Zusammenhang mit Kaufpreisallokationen und Werthaltigkeitstests des Geschäfts- oder Firmenwerts bezogen. Im Bereich Anlagevermögen stellte die DPR 5 Einzelfehler fest, die insbesondere durch eine fehlerhafte Immobilienbewertung sowie einen fehlerhaften Werthaltigkeitstest einer Marke bedingt waren.

Erteilte Hinweise

Um zu einer Qualitätsverbesserung der Rechnungslegung beizutragen, gibt die DPR den geprüften Unternehmen im Rahmen ihrer Präventionsfunktion vielfach Hinweise für die künftige Rechnungslegung. Im Jahr 2018 bezogen sich diese erneut in erster Linie auf eine unzureichende Berichterstattung in Anhang und Lagebericht. Die Berichterstattung im Anhang sah die DPR u. a. im Hinblick auf die Segmentberichterstattung (5 Einzelhinweise), auf Angaben zum Werthaltigkeitstest nach IAS 36 (4 Einzelhinweise) und auf Angaben zu nahestehenden Unternehmen und Personen (2 Einzelhinweis...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge