Bilanz Check-up 2019: Natio... / 5.1.2 Prüfung durch Aufsichtsrat und Abschlussprüfer

Nach dem CSR-RLUG hat der Aufsichtsrat den gesonderten nichtfinanziellen (Konzern-)Bericht (§§ 289b, 315b HGB n. F.) zu prüfen, sofern er erstellt wurde (vgl. § 171 Abs. 1 Satz 4 AktG n. F.). Falls die nichtfinanzielle Erklärung im (Konzern-)Lagebericht verortet ist, ergibt sich die Prüfungspflicht des Aufsichtsrats bereits aus seiner Pflicht zur Prüfung zur Rechnungslegung (§ 171 Abs. 1 Satz 1 AktG). Zu Art und Umfang der Prüfung der CSR-Berichterstattung durch den Aufsichtsrat vgl. Hennrichs, NZG 2017, S. 841.

Der Aufsichtsrat sollte in jedem Fall:

  • den Umgang mit nichtfinanziellen Belangen und die durch den Vorstand vorgelegten Konzepte kritisch hinterfragen;
  • das Vorgehen bei der Erstellung der nichtfinanziellen Berichterstattung – insbesondere den Prozess der Datenaggregation – überprüfen sowie für entsprechende Qualitätssicherungsmaßnahmen sorgen.

Ein Prüfungsausschuss (audit committee) kann die Prüfung der CSR-Berichterstattung vorbereiten; die abschließende Prüfung hat indes durch den Gesamtaufsichtsrat zu erfolgen.

Darüber hinaus ist der Aufsichtsrat befugt (nicht: verpflichtet), eine externe inhaltliche Prüfung der CSR-Berichterstattung – z. B. durch den Abschlussprüfer – zu beauftragen (vgl. § 111 Abs. 2 AktG). In diesem Fall muss ab dem Berichtsjahr 2019 auch das Prüfungsurteil veröffentlicht werden.

 

Hinweis

Nach der empirischen Studie von Velte/Scheid (DStR 2018, S. 1681) haben 72 % der insgesamt 117 untersuchten Unternehmen des HDAX und SDAX freiwillig ihre nichtfinanzielle (Konzern-)Erklärung durch ihren Abschlussprüfer überprüfen lassen. Dabei dominiert mit 92 % die prüferische Durchsicht (negative assurance) der nichtfinanziellen (Konzern-)Erklärung; nur 8 % der Unternehmen beauftragen eine Prüfung (positive assurance) der nichtfinanziellen (Konzern-)Erklärung.

Nach § 317 Abs. 2 Satz 5 HGB hat der Abschlussprüfer – nur – zu prüfen, ob ihm die nichtfinanzielle (Konzern-)Erklärung vorgelegt wurde (zur Vorlagepflicht s. § 320 Abs. 1 Satz 1 HGB n. F.). Dagegen ist er nicht verpflichtet zu prüfen, ob ein Unternehmen eine nichtfinanzielle (Konzern-)Erklärung erstellen muss, ob eine erstellte nichtfinanzielle (Konzern-)Erklärung materiell-inhaltlich zutreffend ist oder (rechtzeitig) offengelegt wurde.

Erkennt der Abschlussprüfer bei Durchführung der Abschlussprüfung indes, dass ein Unternehmen seine Pflicht zur Erstellung und/oder Offenlegung einer nichtfinanziellen (Konzern-)Erklärung verletzt hat, besteht im Prüfungsbericht im Rahmen der Redepflicht eine Berichtspflicht als sonstige Unregelmäßigkeit, da i. d. R. ein schwerwiegender Verstoß der gesetzlichen Vertreter vorliegt.

Ist ein nichtfinanzieller (Konzern-)Bericht Bestandteil des Geschäftsberichts, muss der Abschlussprüfer den nichtfinanziellen (Konzern-)Bericht lesen und würdigen (ISA 720 E-DE).

 

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