Bilanz Check-up 2019: Natio... / 2.9 Neuerungen bei der Erstellung und Prüfung des Lageberichts

2.9.1 Hintergrund zu den Neuerungen

Die Verabschiedung des DRS 20 im Jahr 2012 und die gesetzlichen Änderungen durch das BilRUG vom 17.7.2015 hat der Berufsstand zum Anlass genommen, den Prüfungsstandard zur Prüfung des Lageberichts grundlegend zu überarbeiten. Unter der Berücksichtigung weiterer gesetzlicher Entwicklungen, insbesondere die Umsetzung des Entgelttransparenzgesetzes sowie des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes und damit verbunden die Einführung der §§ 289b289e HGB und §§ 315b315c HGB mit Gesetz vom 18.4.2017, hat der Hauptfachausschuss (HFA) des IDW am 12.12.2017 die Neufassung des IDW Prüfungsstandards: "Prüfung des Lageberichts im Rahmen von Abschlussprüfungen" (IDW PS 350 n. F.) verabschiedet. Diese grundsätzliche Überarbeitung des Prüfungsstandards hat dabei nicht nur die Methode zur Prüfung des Lageberichts fortentwickelt, sondern auch klargestellt, welche Auswirkungen sich auf die Erstellung des Lageberichts ergeben.

Der IDW PS 350 n. F. gilt für die Prüfung von Lageberichten und Konzernlageberichten (im Folgenden einheitlich als "Lagebericht" bezeichnet) für Berichtszeiträume, die am oder nach dem 15.12.2018 beginnen, mit der Ausnahme von Rumpfgeschäftsjahren, die vor dem 31.12.2019 enden.

2.9.2 Erstmalige Regelungen und Definitionen

Eine wichtige Neuerung durch den IDW PS 350 n. F. sind die Begriffe lageberichtstypische und lageberichtsfremde Angaben. Lageberichtsfremde Angaben sind Angaben, die weder nach §§ 289289f, 315315d HGB vorgeschrieben noch von DRS 20 gefordert sind. Dies sind bspw. Informationen über soziales oder kulturelles Engagement, soweit diese für die Lage des Unternehmens nicht von Bedeutung sind.

Weiterhin wird zwischen prüfbaren und nicht prüfbaren Lageberichtsangaben unterschieden. Nicht prüfbare Angaben sind solche, die aufgrund der Art der Angaben bzw. aufgrund nicht vorhandener geeigneter Kriterien nicht beurteilbar sind. Beispiel für eine nicht prüfbare Angabe ist die Aussage, dass ein Unternehmen führend in der Forschung und Entwicklung ist, ohne dass die Kriterien für diese Einschätzung angegeben werden.

Der Prüfungsstandard enthält folgende Schaubilder zur Systematisierung der Lageberichtsangaben (Anhang 2 und 3 des IDW PS 350 n. F.):

Abb. 3: Prüfbare Lageberichtsangaben (Quelle: IDW PS 350 n. F.)

Abb. 4: Nicht prüfbare Lageberichtsangaben (Quelle: IDW PS 350 n. F.)

 

Hinweis

Auch im Lagebericht enthaltene, nicht vom Gesetzgeber vorgesehene Querverweise auf Angaben des Unternehmens außerhalb des Abschlusses und Lageberichts, die nicht deutlich als ungeprüft gekennzeichnet sind, muss der Abschlussprüfer entsprechend im Abschnitt "Prüfungsurteile" des Bestätigungsvermerks nennen und darstellen.

2.9.3 Prüfung des Lageberichts nach dem IDW PS 350 n. F. – risikoorientierter Prüfungsansatz

Der IDW PS 350 n. F. hebt mit konkreten Anforderungen an den Abschlussprüfer stärker die Anwendung des risikoorientierten Prüfungsansatzes bei der Prüfung des Lageberichts und eine engere Verzahnung in die Abschlussprüfung hervor. Damit wird den vorstehend beschriebenen (gesetzlichen) Änderungen an die Aufstellung des Lageberichts durch die gesetzlichen Vertreter prüfungstechnisch Rechnung getragen.

Der Abschlussprüfer hat in die Planung der Abschlussprüfung nach dem IDW PS 240: "Grundsätze der Planung von Abschlussprüfungen" die Planungsaktivitäten zur Prüfung des Lageberichts zu integrieren und ggf. zu entscheiden, ob lageberichtsfremde Angaben sowie lageberichtstypische Angaben, die keiner gesetzlichen Pflicht zur inhaltlichen Prüfung unterliegen (bspw. nichtfinanzielle Berichterstattung), geprüft werden.

 

Hinweis

Der Abschlussprüfer sollte die Vorgehensweise betreffend lageberichtsfremde Angaben zusammen mit dem Auftraggeber abstimmen und in die Auftragsvereinbarung aufnehmen: Sollen diese freiwillig in die Prüfung des Lageberichts einbezogen werden oder nicht.

Des Weiteren hat der Abschlussprüfer die gesetzlichen Vertreter auf die möglichen Konsequenzen für den Bestätigungsvermerk hinzuweisen, falls der Lagebericht nicht prüfbare Angaben enthält.

 

Hinweis

Vor der erstmaligen Anwendung des IDW PS 350 n. F. sollte der Lagebericht auf das Vorliegen inhaltlich nicht zu prüfender bzw. nicht prüfbarer Angaben gewürdigt werden, sodass gegebenenfalls Anpassungen des Lageberichts schon vorab besprochen werden können. So können bspw. nicht prüfbare Angaben zu prüfbaren Angaben umformuliert werden oder eine Neugliederung des Lageberichts in Erwägung gezogen werden, um nicht inhaltlich zu prüfende lageberichtstypische Angaben abzugrenzen.

Der IDW PS 350 n. F. gibt keine Wesentlichkeit für den Lagebericht als Ganzes vor und stellt auch klar, dass der IDW PS 250 n. F. "Wesentlichkeit im Rahmen der Abschlussprüfung" nicht auf die Prüfung des Lageberichts anzuwenden ist. Der Abschlussprüfer hat vielmehr für die Festlegung und Anwendung der Wesentlichkeit bei der Prüfung von quantitativen vergangenheitsorientierten Finanzinformationen zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage die Wesentlichkeit für den Abschluss als Ganzes zugrunde zu legen. Ansonsten hat der Abschlussprüfer Wesentlichkeitsüberlegungen zumindest auf Ebene der sog. Informationskategorien nach DRS 20 vorzunehme...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge