Bilanz Check-up 2019: Natio... / 1.6 IDW Positionspapier: Auswirkungen der digitalen Transformation auf Finanzberichterstattung und Unternehmensbewertung (Stand: 17.10.2017)

Das IDW hat in einem Positionspapier (s. auch Kap. E.13) die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Finanzberichterstattung der Unternehmen und die Unternehmensbewertung aus seiner Sicht zusammengestellt. Hierbei werden die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die folgenden Aspekte herausgearbeitet:

  • die Geschäftsmodelle,
  • die Rechnungslegung mit Besonderheiten für Jahresabschluss, Lagebericht und Steuerungskennzahlen,
  • die Unternehmensbewertung und
  • die Gesellschaft.

In dem Positionspapier wird herausgestellt, dass die Unternehmen bereits in der Vergangenheit regelmäßigen Veränderungsprozessen ausgesetzt waren. So haben Unternehmen vor allem in den letzten Jahrzehnten ihre Wertschöpfungskette sehr umfassend durch die Automatisierung und die Verbreitung des Internets angepasst. Hierdurch wurde z. B. die Fertigung häufig sehr weitgehend automatisiert und im Vertrieb mit dem Internet weitere, zum Teil weltweite Vertriebswege erschlossen. Diese Veränderungen führten zu Anpassungen einzelner Elemente der Wertschöpfungskette. Im Gegensatz dazu wird mit der digitalen Transformation die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens – von der Geschäftsidee über die Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen, den Einkauf bis hin zu Verkauf und Service – ersetzt. Derart tiefgreifende Veränderungen werden als disruptive Veränderungs- bzw. Anpassungsprozesse bezeichnet.

Dies wird sehr anschaulich anhand der Veränderungen in der Tourismusindustrie verdeutlicht. So hat die Verbreitung des Internets z. B. Auswirkungen auf den Vertrieb von Reisen durch die zunehmende Anzahl von Online-Reisebüros, das ursprüngliche Geschäftsmodell blieb hingegen grundsätzlich unverändert. Demgegenüber führen Anbieter wie Airbnb dazu, dass das bisherige Geschäftsmodell der Tourismusindustrie durch vollständig neue Angebotsstrukturen ersetzt wird.

Diese Veränderungsprozesse haben zur Folge, dass Marktvorhersagen, Preis- und Kostenkalkulationen, technologische Barrieren und Risiken anders eingeschätzt werden müssen. Die Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Rahmenbedingungen, des Marktumfeldes und des Unternehmens steigt. Demgegenüber sinkt die Prognosesicherheit zur Ermittlung der künftigen Ertragskraft eines Unternehmens.

Die beschriebenen Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen haben auch Auswirkungen auf die Rechnungslegung. So enthält der Jahresabschluss vor allem vergangenheitsbezogene Informationen. Gleichzeitig schlagen sich im Jahresabschluss durch die Bilanzierung und Bewertung auch die Erwartungen der Unternehmensleitung zur künftigen Entwicklung des Unternehmens nieder, z. B. bei der Berechnung außerplanmäßiger Abschreibungen des Vermögens oder bei der Ermittlung von Rückstellungen. Der Lagebericht soll den Abschluss in sachlicher und zeitlicher Hinsicht ergänzen. So enthält der Lagebericht neben quantitativen und qualitativen Informationen zum Geschäftsverlauf und zur Lage auch Angaben über die voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens mit ihren wesentlichen Chancen und Risiken. Auch hier spielen die Erwartungen der Unternehmensleitung zur künftigen Entwicklung des Unternehmens eine bedeutende Rolle. Aufgrund der beschriebenen Unsicherheiten hinsichtlich der künftigen Entwicklung, die sich aufgrund der Veränderungsprozesse im Rahmen der digitalen Transformation ergeben (werden), ist fraglich, wie eine aussagekräftige Lageberichterstattung auszugestalten ist.

Hierzu gibt das IDW in seinem Positionspapier zu bedenken:

  • Die Planungssicherheit für die Bilanzadressaten, wie z. B. die Unternehmensleitung, Anteilseigner oder Arbeitnehmer, wird in der Transformationsphase abnehmen.
  • Im Rahmen von Jahresabschlussanalysen ermittelte Kennzahlen, die einen zwischenbetrieblichen und zeitlichen Vergleich unabhängig von Geschäftsmodell, Größe und Region ermöglichen sollen, können sich erheblich ändern.
  • Hinzu kommt, dass sich neue geschäftsmodelltypische operative Früh(warn-)indikatoren herausbilden werden.
  • Die Bedeutung des immateriellen Vermögens wird während und nach einer digitalen Transformation weiter zunehmen. Daher stellt sich die Frage, ob der handelsrechtliche Begriff des Vermögensgegenstandes neu definiert werden muss. Ist es in einer digitalen Welt z. B. noch sachgerecht, die selbstständige Verwertbarkeit eines (immateriellen) Vermögensgegenstands als Merkmal zu fordern?
  • Die Berichterstattung im Lagebericht könnte sinnvollerweise um ein sog. value reporting ergänzt werden. Hierbei werden die in der Bilanz ausgewiesenen Buchwerte des Reinvermögens ihren Zeitwerten und der Marktkapitalisierung des Unternehmens gegenübergestellt und übergeleitet. Damit könnten Bilanzadressaten bereits anhand der Finanzberichterstattung sehr viel deutlicher und unabhängiger vom jeweiligen Geschäftsmodell die Höhe und die Zusammensetzung der in einem Unternehmen befindlichen Werte erkennen.
  • Die vor allem von quantitativen Größen geprägte Finanzberichterstattung ist in einer digitalen We...

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