Bilanz Check-up 2019: Natio... / 1.3.4 Fazit

Bei Kryptowährungen (currency token) handelt es sich nicht um gesetzliche, sondern um Zahlungsmittel innerhalb eines bestimmten Netzwerks. Erworbene Einheiten an diesen virtuellen Währungen stellen je nach Absicht des Unternehmens (erworbene) immaterielle Vermögensgegenstände des Anlage- oder Umlaufvermögens dar. Im Fall von Umlaufvermögen kommt ein Ausweis in den sonstigen Vermögensgegenständen in Betracht. Die (Zugangs-)Bewertung erfolgt zu den Anschaffungskosten für die erworbenen Währungseinheiten bzw. nach den für Tauschvorgänge entwickelten Bilanzierungsgrundsätzen. Entsprechend des gewählten Ausweises sind das gemilderte bzw. das strenge Niederstwertprinzip und zudem der Einzelbewertungsgrundsatz zu beachten; die Anwendung der Durchschnittsmethode ist u. E. indes auch sachgerecht. Mangels (gesetzlicher) Währungseigenschaft ist die Bewertung eines Bitcoin-Guthabens vom Anwendungsbereich des § 256a HGB ausgenommen.

Beim Mining handelt es sich aufgrund der zum jeweiligen Bilanzstichtag regelmäßig fehlenden Konkretisierbarkeit weder um die Herstellung eines selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstands des Anlagevermögens noch um Vorräte. Im Rahmen des Minings anfallende Kosten sind daher als laufende Aufwendungen in der GuV des miners zu erfassen. Ein (zufällig) "gefundener" Bitcoin stellt einen (unentgeltlich erworbenen) immateriellen Vermögensgegenstand (des Anlage- oder Umlaufvermögens) sowie einen Ertrag zu dem Zeitpunkt und in der Höhe dar, in dem bzw. in der die Gutschrift des entsprechenden Euro-Betrags im wallet des miners erfolgt.

Die Anwendung der Tauschgrundsätze wird mit zunehmender Akzeptanz von Kryptowährungen als Zahlungsmittel zu einer Überbetonung sonstiger Posten in der Bilanz und GuV führen. Abhilfe bietet – bereits vor einem legislativen Akt des Gesetzgebers – der Ausweis von bestimmten, d. h. weitestgehend anerkannten und hoch liquiden Kryptowährungen in einem gesonderten Bilanzposten gem. § 265 Abs. 5 Satz 2 HGB schon heute.

Vorstehendes auszugsweise und m. w. N. aus Gerlach/Oser, DB 2018 S. 1541 ff.

 

Hinweis

Umsatzsteuerrechtliche Sichtweise des BMF

Die Finanzverwaltung hat sich zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Bitcoin (und anderen sog. virtuellen Währungen) erstmals im BMF-Schreiben v. 27.2.2018 geäußert (BMF, Schreiben v. 27.2.2018, III C 3 – S 7160 – b/13/10001). Damit setzt es die Feststellungen des EuGH-Urteils in der Rechtssache "Hedqvist" (EuGH, Urteil v. 22.10.2015, C-264/14, Hedqvist, BStBl II 2018 S. 211) um und nimmt zu weiteren umsatzsteuerlichen Fragen Stellung:

  • Bitcoin und andere sog. virtuelle Währungen werden (umsatzsteuerlich) den gesetzlichen Zahlungsmitteln gleichgestellt, soweit diese Währungen von den an der Transaktion Beteiligten als alternatives vertragliches und unmittelbares Zahlungsmittel akzeptiert worden sind und keinem anderen Zweck als der Verwendung als Zahlungsmittel dienen.
  • Die Verwendung von Bitcoin (und anderen virtuellen Währungen) als Entgelt wird konventionellen Währungen gleichgesetzt, soweit sie keinem anderen Zweck als dem eines reinen Zahlungsmittels dienen. Die Hingabe von solchen virtuellen Währungen zur bloßen Entgeltentrichtung ist somit nicht steuerbar.
  • Der Umtausch von konventionellen Währungen in Bitcoin (und aufgrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes auch anderer virtueller Währungen) und umgekehrt stellt eine steuerbare sonstige Leistung dar, die nach § 4 Nr. 8 Buchst. b UStG umsatzsteuerfrei ist. Dies gilt dagegen nicht für virtuelles Spielgeld (sog. Spielwährungen oder insbesondere in Onlinespielen genutzte Ingame-Währungen), da dieses kein Zahlungsmittel i. S. d. MwStSystRL darstellt.
  • Leistungen von minern (wie die Zurverfügungstellung von Rechnerleistung, die Aufzeichnung von Transaktionen in einem sog. Block und der Transfer des Blocks in die Blockchain) stellen nicht steuerbare Vorgänge dar. Die "Entlohnung" in Form neuer Bitcoin, die der (erfolgreiche) miner für seine Leistungen durch das System erhält, ist nicht als Entgelt anzusehen, da die miner-Leistungen mangels eines identifizierbaren Leistungsempfängers nicht im Rahmen eines Leistungsaustauschs erbracht werden. Auch bei Transaktionsgebühren, die miner von anderen Nutzern des Systems erhalten, handelt es sich um nicht steuerbare Vorgänge, da diese freiwillig gezahlt werden und in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit den Leistungen des miners stehen.
  • Anbieter von elektronischen Geldbörsen, sog. wallets, die der Aufbewahrung von virtuellen Währungen dienen (bspw. App auf dem Smartphone), verlangen regelmäßig Gebühren. Dabei handelt es sich um auf elektronischem Weg erbrachte sonstige Leistungen i. S. d. § 3a Abs. 5 Satz 2 Nr. 3 UStG, die nach Maßgabe des § 3a Abs. 2 bzw. Abs. 5 Satz 1 UStG steuerbar und steuerpflichtig sind, soweit der Leistungsort im Inland liegt.
  • Für Betreiber von Handelsplattformen im Internet, die dem Erwerb bzw. Handel von Bitcoin (und anderen virtuellen Währungen) dienen und (lediglich) die EDV-technische Abwicklung des Handels ermöglichen...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.



Meistgelesene beiträge