Bilanz Check-up 2019: Natio... / 1.3 Bilanzierung von Bitcoin

1.3.1 Hintergrund zu Kryptowährungen

Bitcoin & Co. erlangen neben dem Einsatz als Spekulationsobjekt inzwischen auch wachsende Bedeutung als Zahlungs- und Tauschmittel bei Unternehmen. Zudem erfreuen sich virtuelle Währungen, sog. Kryptowährungen, zunehmend als Finanzierungsquelle steigender Beliebtheit bei der Gründung und Erweiterung von Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen und -ideen (Start-ups) im Rahmen sog. initial coin offerings (ICO). Mangels einer bislang abgeschlossenen Meinungsbildung zur Bilanzierung von Bitcoin & Co. und aufgrund der hohen Innovationsgeschwindigkeit im Bereich Kryptowährungen bedarf deren bilanzrechtliche Abbildung einer fortlaufenden Würdigung und Beurteilung.

1.3.2 Einführung in die technologischen Grundlagen

Kryptowährungen basieren auf der distributed-ledger-Technologie. Dabei handelt es sich um eine dezentral geführte Datenbank, die bei den Teilnehmern, den sog. nodes, im jeweiligen Netzwerk verfügbar ist. Bei diesem Datenbanksystem fehlt es typischerweise an einem zentralen Speicherort und einem verantwortlichen Administrator der Daten, wie er in client-server-Architekturen bzw. centralized-ledger-Systemen charakteristisch ist. In distributed-ledger-Systemen werden durch einen Teilnehmer an der Datenbank vorgenommene Änderungen (nach Sicherheits- und Bestätigungsprozessen) auch bei allen anderen Teilnehmern des Netzwerks nicht nur ersichtlich, sondern jeder Teilnehmer im Netzwerk verfügt jederzeit über ein (bzw. das) Original der sich fortlaufend ändernden Datenbank. Durch die Dezentralität der Daten ist diese Datenbank-Architektur gegen Manipulationen einzelner Teilnehmer weitgehend geschützt.

Ein bereits bekanntes distributed-ledger-System ist die Blockchain, in der Daten (nach Sicherheits- und Bestätigungsprozessen) in Form von Blöcken einer Kette aus bereits bestehenden Datenblöcken hinzugefügt werden. Ein Beispiel für eine Blockchain ist Bitcoin, mit der die gleichnamige virtuelle Währung erzeugt (mining), verwaltet und genutzt wird. Dem Teilnehmer (miner), dem als Erstem die Lösung einer komplexen Rechenaufgabe gelingt, darf der Bitcoin-Blockchain einen aus mit auszuführenden Transaktionen bestehenden, neuen Datenblock hinzufügen. Im Gegenzug für die Lösung der Rechenaufgabe, bei der alle Teilnehmer untereinander konkurrieren, wird dem erfolgreichen Teilnehmer ein (mit zunehmender Länge der Blockchain abnehmender) Betrag an Bitcoin-Währung in seiner virtuellen Geldbörse (wallet) gutgeschrieben. Erst die von allen Teilnehmern zur Verfügung gestellten Rechnerkapazitäten ermöglichen und gewährleisten dabei den Betrieb der Bitcoin-Blockchain.

1.3.3 Bilanzierung grundlegender Anwendungsfälle

Originärer Erwerb von Bitcoin

Sachverhalt: Ein Unternehmen erwirbt über eine entsprechende Börse eine bestimmte Anzahl/Einheiten an Bitcoins und bezahlt diese in Euro. Die Bitcoins werden dem Unternehmen in seinem sog. Bitcoin wallet gutgeschrieben.

Beurteilung: Bei Bitcoin handelt es sich nicht um ein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern um eine sog. Kryptowährung oder virtuelle Währung. Ein Ausweis als Kassenbestand oder Guthaben bei Kreditinstituten in der Bilanz des Unternehmens kommt daher nicht in Betracht, auch wenn sie zahlungsmittelähnlich und hoch liquide sind, d. h. nahezu jederzeit an entsprechenden Börsen in gesetzliche Zahlungsmittel getauscht werden können. Selbst für den Fall, dass es sich bei Bitcoins um ein gesetzliches Zahlungsmittel handeln würde, erfüllten virtuelle Währung(seinheit)en weder die Voraussetzungen für den Ausweis als barer Kassenbestand noch als Guthaben bei einem Kreditinstitut. Auch scheidet ein Ausweis als Wertpapiere (sei es des Anlage- oder des Umlaufvermögens) mangels Wertpapiereigenschaft aus.

Im Ausgangsfall handelt es sich weder um den Erwerb eines materiellen Vermögensgegenstands – mangels gesetzlicher Zahlungsmitteleigenschaft auch nicht um einen auf andere Währung lautenden Geldbetrag – noch um einen aufwandswirksam zu erfassenden Vorgang. Vielmehr erwirbt das Unternehmen das Recht (zumindest bei akzeptierenden Stellen), künftige Zahlungen in Bitcoin zu erfüllen bzw. an einer entsprechenden Börse wieder in Fiatgeld (z. B. Euro) oder eine andere Kryptowährung eintauschen zu dürfen. Demnach dürfte es sich bei den erworbenen Bitcoin-Einheiten um immaterielle Vermögensgegenstände handeln, sofern diese auch selbstständig bewertbar und verkehrsfähig sind. Durch den Erwerb von Bitcoins gegen Hingabe eines Euro-Betrags ist die selbstständige Bewertbarkeit gegeben, zumal der Handel von Kryptowährungen an entsprechenden Börsen unter Feststellung von Börsenpreisen aufgrund von Angebot und Nachfrage nahezu jederzeit möglich ist. Ferner ist die selbstständige Verkehrsfähigkeit von Kryptowährungen wie Bitcoin i. S. v. Einzelveräußerbarkeit oder -verwertbarkeit durch ihre regelmäßige Entgegennahme bei akzeptierenden Stellen und dem bereits ausgeprägten Handelssystem erfüllt.

Mithin führt der Erwerb bestehender Einheiten an Kryptowährung zu erworbenen immateriellen Vermögensgegenständen, die je nach Absicht des Unternehmens im Anlagevermögen (erworbene immaterielle Vermögensgegenstände...

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