Bilanz Check-up 2019: Inter... / 5 Agenda-Entscheidungen des IFRS IC

Seit Veröffentlichung des Bilanz Check-up 2018 mit Redaktionsschluss im Oktober 2017 hat sich das IFRS IC mit einer Reihe von Fragestellungen beschäftigt. Bei einigen dieser Fragen wurde entschieden, sie nicht auf die Agenda des IFRS IC zu nehmen (sog. NIFRICs). Diese Entscheidungen wurden jeweils mit einer Begründung im IFRIC Update veröffentlicht. In seinen Begründungen für die Nichtaufnahme gab das IFRS IC weitere Hinweise zur Anwendung geltender Standards und Interpretationen. Diese Hinweise stellen keine Interpretation dar, geben aber zusätzliche Informationen über Zweifelsfragen und Informationen, wie die geltenden Standards und Interpretationen anzuwenden sind. Das Ändern von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden infolge der Veröffentlichung eines NIFRICs im IFRIC Update ist Gegenstand des am 27.3.2018 vom IASB veröffentlichten ED/2018/1 "Accounting Policy Changes" (s. Kap. C.3.3).

Nachfolgend wird ein kurzer Überblick über ausgewählte Agenda-Entscheidungen der letzten 12 Monate gegeben, bei denen solche zusätzlichen Hinweise aus der Begründung des IFRS IC erkennbar waren. Eine vollständige Liste von Themen, die nicht auf die Agenda des IFRS IC genommen wurden, ist mit der jeweiligen Begründung auf der Homepage des IASB (www.ifrs.org, Abrufdatum: 15.10.2018) abrufbar.

5.1 IFRS 3: Erwerb einer Gruppe von Vermögenswerten (November 2017)

Das IFRS IC wurde gebeten zu klären, wie die Kaufpreisallokation beim Erwerb einer Gruppe von Vermögenswerten, welche keinen Geschäftsbetrieb darstellen, erfolgen soll, wenn die Summe der individuellen beizulegenden Zeitwerte nicht dem Kaufpreis entspricht und die identifizierten Vermögenswerte und Schulden sowohl zu Anschaffungskosten als auch nach anderen Methoden bewertet werden.

Gemäß IFRS 3 sind bei einem Erwerb einer Gruppe von Vermögenswerten alle identifizierten Vermögenswerte und Schulden anzusetzen und die Anschaffungskosten der Gruppe auf Grundlage der beizulegenden Zeitwerte auf die einzelnen Vermögenswerte und Schulden zu verteilen. Andere Standards, wie z. B. IFRS 9, fordern dagegen eine erstmalige Bewertung zum beizulegenden Zeitwert.

Das IFRS IC sieht 2 Möglichkeiten zur Erfassung dieses Sachverhalts.

  • Es kann zuerst die Verteilung auf Basis der relativen beizulegenden Zeitwerte erfolgen mit anschließender Anwendung der Regelungen zur erstmaligen Bewertung nach den jeweiligen Standards. Etwaige Differenzen zwischen erstmaliger Bewertung und individuellem Erwerbspreis sind gemäß den für die jeweiligen Vermögenswerte und Schulden anzuwendenden Standards zu bilanzieren. Beispielsweise sieht der IFRS 9 bei einem Abweichen von beizulegenden Zeitwert und Transaktionspreis eine erfolgswirksame Erfassung vor, sofern für die Berechnung des beizulegenden Zeitwerts ausschließlich Daten aus beobachtbaren Märkten verwendet werden (IFRS 9.B5.1.2A).
  • Alternativ werden zuerst alle Vermögenswerte und Schulden, welche nicht zu Anschaffungskosten erfasst werden, entsprechend des jeweiligen Standards bewertet. Anschließend werden diese Beträge vom Gesamtkaufpreis abgezogen und der verbleibende Teil des Kaufpreises auf die übrig gebliebenen Vermögenswerte und Schulden auf Basis der relativen beizulegenden Zeitwerte allokiert. Die gewählte Methode ist stetig anzuwenden.

Das IFRS IC hat beschlossen, den Sachverhalt nicht auf die Agenda zu nehmen, da es nicht davon ausgeht, dass es zu wesentlichen Unterschieden zwischen den beiden Methoden kommt.

5.2 IAS 28: Einlage von Sachanlagen in ein assoziiertes Unternehmen (Januar 2018)

Das IFRS IC erhielt eine Anfrage bezüglich der Einlage von Sachanlagen in ein neu gegründetes assoziiertes Unternehmen im Austausch für Anteile am assoziierten Unternehmen. Im dargestellten Sachverhalt haben 3 Unternehmen ein neues Unternehmen gegründet. Alle 3 Investoren werden von derselben öffentlichen Hand (government) kontrolliert. Jeder Investor legt Sachanlagen ein, welche keinen Geschäftsbetrieb darstellen, und verfügt über maßgeblichen Einfluss. Die Investoren haben keine gemeinschaftliche Führung oder Beherrschung über das neue Unternehmen.

Es wurden 3 Fragen zum beschriebenen Sachverhalt gestellt:

  1. Sind die IFRS Standards auf Transaktion von Unternehmen unter gemeinsamer Beherrschung anwendbar?

    Das IFRS IC stellte klar, dass gemäß IAS 8.7 die IFRS Standards anzuwenden sind, wenn sich ein IFRS ausdrücklich auf einen Geschäftsvorfall bezieht. Sofern der Standard Transaktionen unter gemeinsamer Beherrschung nicht ausdrücklich vom Anwendungsbereich ausschließt, ist der Standard anzuwenden.

  2. Sind Gewinne oder Verluste aus der Einlage der Sachanlagen entsprechend der Anteile der anderen beiden Investoren zu erfassen?

    IAS 28.28 fordert die Erfassung von Gewinnen und Verlusten aus upstream- und downstream-Transaktionen entsprechend der Anteile unabhängiger Eigentümer am assoziierten Unternehmen. Unabhängige Eigentümer im Sinne des IAS 28 sind andere Investoren als das Unternehmen und deren konsolidierte Tochterunternehmen. Der Begriff "unabhängig" (unrelated) ist nicht als Gegenteil von "nahestehend" (related) im Sinne des IAS 24 zu verstehen. Dementsprechend sind Gewinne und Verluste aus der Einlage der Sachan...

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