Bilanz Check-up 2019: Inter... / 2.4 IFRIC 23: Unsicherheit über die ertragsteuerliche Behandlung

Der IASB hat am 7.6.2017 die Interpretation "IFRIC 23 Unsicherheit über die ertragsteuerliche Behandlung" veröffentlicht.

IFRIC 23 regelt die Bilanzierung von tatsächlichen und latenten Ertragsteuern nach IAS 12, wenn Unsicherheit darüber besteht, ob und inwieweit die steuerliche Behandlung von Geschäftsvorfällen und Sachverhalten in den eingereichten oder noch einzureichenden Steuererklärungen von den Finanzbehörden oder Gerichten anerkannt wird.

Unternehmen müssen die Wahrscheinlichkeit für die Anerkennung einer steuerlichen Behandlung beurteilen und dafür zunächst eine Beurteilungseinheit bestimmen, mit welcher die endgültige Höhe der Steuern nach Beseitigung der Unsicherheit am zuverlässigsten geschätzt werden kann. Eine Beurteilungseinheit kann eine oder auch mehrere steuerliche Unsicherheiten umfassen, insbesondere wenn diese miteinander in Wechselbeziehung stehen.

Bei der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit der steuerlichen Anerkennung ist zu unterstellen, dass die Finanzbehörden und Gerichte alle Geschäftsvorfälle und Sachverhalte in Bezug auf ihre steuerliche Behandlung untersuchen werden, die sie rechtlich untersuchen dürfen und dabei vollständige Kenntnis über alle relevanten Informationen haben. Für das Risiko der Entdeckung ist also eine Wahrscheinlichkeit von 100 % anzunehmen.

Die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit der steuerlichen Anerkennung erfolgt in 2 Stufen. Auf der 1. Stufe ist die Wahrscheinlichkeit für eine vollständige Anerkennung in Bezug auf die Beurteilungseinheit zu schätzen. Bei einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % sind die Steuern in Übereinstimmung mit den Steuererklärungen zu bilanzieren. Liegt die Wahrscheinlichkeit für eine vollständige Anerkennung dagegen bei 50 % oder weniger, ist die Unsicherheit auf einer 2. Stufe zu bewerten und bei der Bilanzierung entsprechend zu berücksichtigen.

Für die Bewertung sieht IFRIC 23 die beiden folgenden Methoden vor:

  1. Wahrscheinlichster Wert: Das Ergebnis mit der größten individuellen Eintrittswahrscheinlichkeit
  2. Erwartungswert: Summe aus allen, mit ihren individuellen Eintrittswahrscheinlichkeiten gewichteten, Ergebnissen

Unternehmen haben jene Methode zu wählen, mit welcher die endgültige Höhe der Steuer nach Beseitigung der Unsicherheit am zuverlässigsten geschätzt werden kann. Diese Entscheidung ist für jede einzelne Beurteilungseinheit zu treffen. Der wahrscheinlichste Wert sollte am besten geeignet sein, wenn nur 2 mögliche Ergebnisse denkbar sind oder wenn die Ergebnisse sich um einen Wert konzentrieren. Wenn dagegen mehr als 2 Ergebnisse möglich sind und diese sich nicht um einen Wert konzentrieren, soll der Erwartungswert eher geeignet sein.

 

Praxis-Beispiel

Ein Unternehmen hält 5 unterschiedliche Ergebnisse für den Ausgang eines Rechtsstreits mit der Finanzverwaltung für möglich und schätzt die individuellen Eintrittswahrscheinlichkeiten wie folgt:

 
Ergebnis Nr. nicht abziehbare Aufwendungen Eintrittswahrscheinlichkeit Erwartungswert
1 0,00 5 % 0,00
2 2.500,00 35 % 875,00
3 5.000,00 20 % 1.000,00
4 7.500,00 25 % 1.875,00
5 10.000,00 15 % 1.500,00
    100 % 5.250,00

Da mehr als 2 Ergebnisse möglich sind und die Streuung der Ergebnisse relativ groß ist, bewertet das Unternehmen die Unsicherheit mit dem Erwartungswert in Höhe von 5.250 GE und nicht mit dem wahrscheinlichsten Wert in Höhe von 2.500 GE (Ergebnis Nr. 2). Die 5.250 GE werden bei der Berechnung des zu versteuernden Ergebnisses berücksichtigt und fließen dadurch in die Bewertung der Steuerschuld ein.

IFRIC 23 begründet keine zusätzlichen Anhangangaben, sondern verweist auf bestehende Regelungen über die Angabe von Ermessensentscheidungen (IAS 1.122) und Informationen zu getroffenen Annahmen und Schätzungen (IAS 1.125–IAS 1.129), die bei der Beurteilung von Unsicherheiten über die steuerliche Behandlung einschlägig sein können. Darüber hinaus sollen Unternehmen prüfen, ob die Angabe einer Eventualverbindlichkeit (IAS 12.88 i. V. m. IAS 37.86) notwendig ist, wenn die Nichtanerkennung einer steuerlichen Behandlung zwar nicht wahrscheinlich, aber möglich ist.

Die Interpretation ist – vorbehaltlich des noch ausstehenden EU-Endorsements – für am oder nach dem 1.1.2019 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden. Eine frühere Anwendung ist zulässig, aber im Anhang anzugeben.

Der Übergang auf die Bilanzierung nach IFRIC 23 kann durch eine vollständig retrospektive Anwendung nach IAS 8 durch Anpassung aller Vergleichsperioden erfolgen, sofern dies ohne die Berücksichtigung von nachträglich gewonnenen Erkenntnissen möglich ist. Es besteht aber auch die Möglichkeit einer vereinfachten retrospektiven Anwendung ohne Anpassung der Vergleichsperioden. Der kumulierte Übergangseffekt zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung ist dann als Anpassung der Gewinnrücklage (oder, soweit angemessen, einer anderen Komponente des Eigenkapitals) in der Eröffnungsbilanz der laufenden Berichtsperiode zu erfassen.

 

Hinweis

Literatur

  • Kämpfer, Praxis-Leitfaden zur Bilanzierung von Ertragsteuern bei Unsicherheiten nach IF...

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