Bewirtungskosten: Welche Kosten zu 100 % abgezogen werden dürfen

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Ordnungsgemäße Bewirtungsrechnung
  • Trennung nach Bewirtungsarten
  • Ermittlung der Kosten
  • Vorsteuerabzug

1 So kontieren Sie richtig!

 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Bewirtungskosten
Eigener Kontenplan SKR 03
  4650
IKR  
6821 SKR 04
  6640
 

Kostenstelle/

Schlüssel
 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Nicht abzugsfähige Bewirtungskosten
Eigener Kontenplan SKR 03
  4654
IKR  
6860 SKR 04
  6644
 

Kostenstelle/

Schlüssel

So kontieren Sie richtig!

Bewirtungskosten können nur dann als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn ein betrieblicher Anlass für die Bewirtung vorliegt. Bei einer Bewirtung kann eine Aufteilung danach vorgenommen werden, ob die Gäste aus privaten oder geschäftlichen Gründen eingeladen wurden. Die Aufteilung erfolgt dann nach der Anzahl der Personen. Der Unternehmer bucht die abziehbaren Bewirtungskosten auf das Konto "Bewirtungskosten" 4650 (SKR 03) bzw. 6640 (SKR 04). Sind die Bewirtungskosten nur zu 70 % abziehbar, werden die nicht abziehbaren 30 % auf das Konto "Nicht abzugsfähige Bewirtungskosten" 4654 (SKR 03) bzw. 6644 (SKR 04) gebucht.

 

Buchungssatz:

Bewirtungskosten

Abziehbare Vorsteuer

an Bank/Kasse/Privateinlage

2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Aufteilung der Bewirtungskosten

Anlässlich des 25-jährigen Geschäftsjubiläums lädt Herr Huber seine Arbeitnehmer und seine Geschäftsfreunde zu einer Jubiläumsfeier ein. An der Feier nehmen insgesamt 36 Personen teil, und zwar

  • Herr Huber und seine Ehefrau,
  • 16 Arbeitnehmer und
  • 18 Geschäftsfreunde.

Die Bewirtungskosten betragen 3.240 EUR zuzüglich 615,60 EUR Umsatzsteuer.

Die Umsatzsteuer darf insgesamt zu 100 % als Vorsteuer abgezogen werden. Von den Netto-Bewirtungskosten von 3.240 EUR entfallen

  • auf die Arbeitnehmerbewirtung 3.240 EUR : 36 × 16 = 1.440 EUR, die Herr Huber zu 100 % abzieht,
  • auf Herrn Huber und seine Ehefrau 3.240 EUR : 36 × 2 = 180 EUR, die zu 100 % abgezogen werden,
  • auf die Bewirtung der Geschäftsfreunde 3.240 EUR : 36 × 18 = 1.620 EUR, die nur zu 70 % (1.134 EUR) abgezogen werden dürfen.

Der Unternehmer bucht die Bewirtung seiner Arbeitnehmer sowie die eigene Bewirtung und die seines Ehegatten wie folgt:

Buchungsvorschlag:

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
4140 Freiwillige soziale Aufwendungen, lohnsteuerfrei 1.440,00      
4900 Sonstige betriebliche Aufwendungen 180,00      
1576 Abziehbare Vorsteuer 19 % 307,80 1200 Bank 1.927,80
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
6130 Freiwillige soziale Aufwendungen, lohnsteuerfrei 1.440,00      
6300 Sonstige betriebliche Aufwendungen 180,00      
1406 Abziehbare Vorsteuer 19 % 307,80 1800 Bank 1.927,80

Die Bewirtung der Geschäftsfreunde bucht er wie folgt:

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
4650 Bewirtungskosten 1.134,00      
4654 Nicht abzugsfähige Bewirtungskosten 486,00      
1576 Abziehbare Vorsteuer 19 % 307,80 1200 Bank 1.927,80
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
6640 Bewirtungskosten 1.134,00      
6644 Nicht abzugsfähige Bewirtungskosten 486,00      
1406 Abziehbare Vorsteuer 19 % 307,80 1800 Bank 1.927,80

3 Wann von Bewirtungskosten auszugehen ist

Eine Bewirtung liegt vor, wenn jemand auf Kosten des Unternehmers/Freiberuflers Speisen, Getränke und Genussmittel verzehrt. Ein Betriebsausgabenabzug ist jedoch nur möglich, wenn ein betrieblicher Anlass vorliegt. Bei der Abgrenzung ist wie folgt vorzugehen:

  • Zuerst ist zu prüfen, ob die Bewirtung privat oder betrieblich veranlasst war.
  • War die Bewirtung betrieblich veranlasst, geht es im 2. Schritt darum festzustellen, ob die angemessenen Bewirtungsaufwendungen zu 100 % oder evtl. nur zu 70 % gewinnmindernd abgezogen werden können.

4 Abgrenzung zwischen privatem und betrieblichem Anlass

4.1 Betrieblich veranlasste/privat veranlasste/gemischte Aufwendungen: Wie richtig zugeordnet wird

Bei der Abgrenzung, ob eine Bewirtung privat und betrieblich veranlasst ist, muss wie folgt unterschieden werden:

  • Es dürfen nur betrieblich veranlasste Bewirtungskosten als Betriebsausgaben abgezogen werden.[1]
  • Unangemessene Bewirtungskosten dürfen gem. § 4 Abs. 5 Nr. 2 EStG nicht abgezogen werden. Eine absolute Betragsobergrenze gibt es allerdings nicht.
  • Bewirtungskosten, die ausschließlich oder überwiegend aus privatem Anlass entstehen, dürfen nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden.[2]
  • Eine geringfügige private Mitveranlassung ist unschädlich. Lädt der Unternehmer z. B. einen Geschäftsfreund, mit dem er auch privat befreundet ist, zu einem Geschäftsessen ein, bleibt der geschäftliche Anlass erhalten, auch wenn während des Essens ein privater Gedankenaustausch stattfindet.
  • Bewirtungskosten, die gleichermaßen betrieblich und privat veranlasst sind, können insgesamt nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden. Es handelt sich um gemischte Aufwendungen, die – wenn kein Aufteilungsmaßstab vorhanden ist – nach § 12 EStG insgesamt nicht abgezogen werden dürfen.
  • Eine Hochzeitsfeier am Tag der kirchlichen Trauung ist als höchst persönlich motivierte Veranstaltung privat veranlasst, sodass die Aufwendungen hierfür nicht als Werbungskosten absetzbar sind. Anlässlich eines derartigen Erei...

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