Betriebsveräußerung/Betrieb... / 11.5 Ermittlung des Veräußerungs- oder Aufgabegewinns

Der Veräußerungs- bzw. Aufgabegewinn ist wie folgt zu ermitteln:

Veräußerungspreis (Betriebsveräußerung) oder Veräußerungspreise zuzüglich Summe der gemeinen Werte der in das Privatvermögen überführten Wirtschaftsgüter (Betriebsaufgabe)

  • ./. • Veräußerungskosten (Beratungs-, Notar- und Maklergebühren)
  • ./. • vom Erwerber nicht übernommene Verbindlichkeiten
  • ./. • Buchwert des Betriebsvermögens (Kapitalkonto)
  • = • Veräußerungs-/Aufgabegewinn

Rz. 143

Für eine Betriebsveräußerung wird die Ermittlung des Veräußerungsgewinns an folgendem Beispiel deutlich.

Praxis-Beispiel

V veräußert seinen Gewerbebetrieb an E zum 31.12.01. Sein Wirtschaftsjahr stimmt mit dem Kalenderjahr überein. Die Bilanz zum 31.12.01 lautet wie folgt:

  • 31.12.01
  • Aktiva • Passiva
  • Grund und Boden • 150.000 • Verbindlichkeiten aus Lieferungen • 150.000
  • Gebäude • 300.000 • Darlehen • 300.000
  • Inventar • 50.000 • Kapital • 540.000
  • Maschinen • 120.000
  • Vorräte • 180.000
  • Forderungen • 170.000
  • Bank/Kasse • 20.000
  • 990.000 • 990.000

Der Veräußerungspreis beträgt 700.000 EUR. V entstehen an Veräußerungskosten 6.000 EUR. K übernimmt alle Aktiva und Passiva.

Der Veräußerungsgewinn beträgt:

  • Veräußerungspreis • 700.000 EUR
  • ./. • Veräußerungskosten • 6.000 EUR
  • ./. • Kapital • 540.000 EUR • 546.000 EUR
  • Veräußerungsgewinn • 154.000 EUR

Rz. 144

Bei einer Betriebsaufgabe gibt es 3 Möglichkeiten:

  • Überführung in das Privatvermögen,
  • Veräußerung an verschiedene Erwerber oder
  • teilweise Veräußerung und teilweise Überführung in das Privatvermögen.

Bei Veräußerungen werden die Veräußerungspreise, bei Überführungen in das Privatvermögen die gemeinen Werte im Zeitpunkt der Aufgabe angesetzt (§ 16 Abs. 3 Sätze 6 und 7 EStG). Die Ermittlung des Veräußerungs-/Aufgabegewinns wird an einem Beispiel gezeigt, in dem wesentliche Betriebsgrundlagen teilweise veräußert und teilweise in das Privatvermögen überführt werden.

Praxis-Beispiel

Wie das vorstehende Beispiel. V veräußert aber nicht Grund und Boden und Gebäude an E, sondern überführt sie in sein Privatvermögen. Die übrigen Wirtschaftsgüter und Schulden übernimmt E. Grund und Boden und Gebäude haben folgende gemeinen Werte:

Grund und Boden 250.000 EUR

Gebäude 400.000 EUR

Der Veräußerungspreis beträgt 50.000 EUR

Die Veräußerungskosten betragen 6.000 EUR

Veräußerungsgewinn:

  • Veräußerungspreis • 50.000 EUR
  • + • gemeiner Wert Grund und Boden • 250.000 EUR
  • + • gemeiner Wert Gebäude • 400.000 EUR • 700.000 EUR
  • ./. • Veräußerungskosten • 6.000 EUR
  • ./. • Kapital • 540.000 EUR • 546.000 EUR
  • Veräußerungsgewinn • 154.000 EUR

Rz. 145

Wird im Rahmen einer Betriebsaufgabe ein betrieblich genutzter Grundstücksteil in das Privatvermögen überführt, so ist zur Ermittlung des Aufgabegewinns der gemeine Wert des gesamten Grundstücks in aller Regel nach dem Nutzflächenverhältnis und nicht nach dem Verhältnis von Ertragswerten (erzielbare Rohmiete, Mietwerte) aufzuteilen.

Bei der Ermittlung des Aufgabegewinns ist der Grundstücksteil mit dem gemeinen Wert anzusetzen (§ 9 Abs. 2 BewG). Bei Grundstücken und Gebäuden entspricht der gemeine Wert i. d. R. dem Verkehrswert. Dieser wird durch ein Sachverständigengutachten ermittelt, das die Wertermittlungs-VO zu Grunde legt. Der Verkehrswert für den Grundstücksteil ist aus dem Wert des Gesamtgrundstücks abzuleiten, weil die einzelnen Grundstücksteile zivilrechtlich nicht verkehrsfähig sind und deshalb keinen eigenen Verkehrswert haben können.

Rz. 146

Wegen der Progressionswirkung bei der Einkommensteuer sollte der Veräußerungsgewinn und ein noch erzielter laufender Gewinn nicht in dasselbe Jahr fallen. Der Besteuerungszeitpunkt für den Veräußerungsgewinn sollte daher in das Jahr fallen, das dem Jahr nachfolgt, in dem der letzte laufende Gewinn besteuert wird.

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