Beteiligungscontrolling in der Energiewirtschaft: Wertorientierte Steuerung und Portfoliomanagement

Zusammenfassung

Die Geschäftsmodelle in der Energiewirtschaft sind geprägt durch eine hohe Investitionsintensität mit sehr langfristigen Auswirkungen.

Das Beteiligungscontrolling hat die Aufgabe, für Transparenz und Entscheidungsunterstützung der Manager zu sorgen.

Im Fokus des Beteiligungsmanagements steht dabei der Wertbeitrag der einzelnen Gesellschaften, der die Grundlage der strategischen Entscheidungen und operativen Maßnahmen darstellt.

Beim Portfoliomanagement wird eine szenariobasierte Langfristplanung durchgeführt. Sie ergänzt das Investitionskomitee bei der strategischen Bewertung von Projektideen.

Der im Beitrag beschriebene Ansatz eines Beteiligungscontrollings ist auf viele investitionsintensive Unternehmen oder Geschäftsbereiche übertragbar.

1 Herausforderungen für das Konzerncontrolling

Komplexe Unternehmensstrukturen mit differenzierten Geschäftsmodellen und Business Units sind für die Controllingbereiche eine große Herausforderung. Um dieser gerecht zu werden, muss das Konzerncontrolling unterschiedlichste funktionale Anforderungen abdecken.

Die erforderlichen Kompetenzen auf Konzern- und Segmentebene unterscheiden sich z. B. erheblich von denen auf operativer oder Business-Unit-Ebene. Im Konzern-Controlling ist für die Adressaten Vorstand, Gesellschafter und teils für die externe financial community die "richtige Flughöhe" zu finden. Der Vorstand als Organ ist bei der Steuerung des Konzerns und bei strategischen Entscheidungen finanzwirtschaftlich zu unterstützen. Ähnliches gilt für Kategorien, wie Deckungsbeitrags-, Aufwands- oder Investitionscontrolling.

Auf Ebene der Business Units, bei EnBW sind dies i. d. R. Konzerngesellschaften und Beteiligungen, wird dem mit der Führung der jeweiligen Gesellschaft betrauten Vorstand oder Bereichsleiter zugearbeitet.

  • Damit die Controller mit den notwendigen Informationen zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben versorgt werden und damit der Zugang zu konsolidierungsfähigen Daten geschaffen wird, sind ein gutes Verständnis der Geschäftsentwicklung und eine angemessene, aber nicht übertriebene kaufmännische und fachliche Eindringtiefe zu entwickeln (s. Kapitel 3).
  • Auch die betrachteten Zeithorizonte erfordern unterschiedlichste Ausrichtungen. Die Erläuterungen der Plan-Ist-Abweichungen in der Quartals- oder Monatsberichterstattung sind eher vergangenheitsorientiert. Dennoch können bestimmte Effekte wiederkehrenden Charakter haben. Die Vorschau im aktuellen Budgetjahr befasst sich mit der aktuellen Situation und dem Ausblick aufs Jahresende. Mittelfristplanungen oder Langfristprognosen bilden Zeithorizonte von drei bis über 40 Jahre ab, z. B. bei langfristigen Investitionsgütern oder hohen Vorlaufkosten für Forschung und Entwicklung.
  • Im kurz- und mittelfristigen Zeithorizont sind die Ergebnisse stark durch Marktvolatilitäten beeinflusst. Hauptherausforderung ist die Schaffung von Transparenz. Ein Bestandteil ist das Wertbeitragskonzept. Danach steigt der Unternehmenswert, wenn die Rentabilität des eingesetzten Kapitals über der geforderten Verzinsung für dieses Kapital liegt. Das Konzept ist also eine Ergänzung der traditionellen buchhalterischen Sicht (Ergebnis als Residualgröße aus Erlösen minus Aufwendungen) hin zu einer Eigentümersichtweise, durch die zusätzliche Berücksichtigung der "gewinnschmälernden" Kapitalkosten (s. Kapitel 4).
  • Im langfristigen Planungsbereich (3 bis über 40 Jahre) stehen die Vorbereitungen von Investitionsentscheidungen unter strukturellen Unsicherheiten im Vordergrund. Die Investitionen bestimmen aufgrund ihrer Langfristigkeit weitgehend irreversibel die operative und finanzwirtschaftliche Entwicklung für Dekaden. Dies erfordert ein in besonderem Maße professionelles Portfoliomanagement und sorgfältige Langfristplanung (s. Kapitel 5).

Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass alle Verfahren und Instrumente so miteinander zu verknüpfen sind, dass im Ergebnis eine konsistente Berichterstattung und entsprechende Endprodukte sichergestellt werden.

2 Herausforderungen für investitionsintensive Industrien

2.1 Branchenbeispiel: Entwicklungsfaktoren der Energiewirtschaft

Zum besseren Verständnis der Controllingherausforderungen ist es hilfreich, sich mit der Branchenentwicklung der letzten Jahre zu befassen. Mit der Marktöffnung und Liberalisierung der Energiewirtschaft waren und sind immer noch weitreichende gesetzliche Änderungen des Ordnungsrahmens verbunden. Einige Beispiele:

  1. Das Unbundling der Strom- und Gasnetzbereiche mit natürlichem Monopol, also die buchhalterische, informationstechnische und gesellschaftsrechtliche Trennung von den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen, wie z. B. Stromerzeugung, -handel und -vertrieb.
  2. Der Kernenergieausstieg und die aktuelle Diskussion um Brennelementesteuer und Laufzeitverlängerung.
  3. Die Einführung eines europaweiten Handels mit Emissionszertifikaten, dem sog. CO2-Handel, oder die Förderung erneuerbarer Energien, deren Umfang die Förderung der deutschen Steinkohle bei weitem übertrifft. Bei Letzterem wird die Förderung über den Strompreis sozialisiert und von allen Stromkunden getragen.

Deutliche Marktbereinigung

Damit hat sich das regulatorische Umfeld und infolgedessen die...

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