Beteiligungen nach HGB, ESt... / 7 Beteiligungen im IFRS-Abschluss

7.1 Begriff

 

Rz. 37

§ 271 Abs. 1 Satz 1 HGB stellt für den Begriff "Beteiligungen" auf die dauernde Verbindung zwischen dem eigenen Unternehmen und dem Beteiligungsunternehmen ab. Die IFRS stellen dagegen auf die Möglichkeit der Einflussnahme auf die Geschäftsführung ab und differenzieren die Beteiligungsform in Abhängigkeit von der Einflussnahme auf die Finanz- und Geschäftspolitik. Zu unterscheiden sind:

  1. Tochterunternehmen, die von einem Erwerber (Mutterunternhmen) kontrolliert werden können. Die Kontrollmöglichkeit wird in IFRS 10.10 ff. umschrieben mit den folgenden 3 Aspekten:

    1. Die Unternehmung hat die Fähigkeit, relevante Aktivitäten des untergeordneten Unternehmens zu bestimmen (Entscheidungsgewalt).
    2. Sie ist variablen Rückflüssen aus dem Engagement in das untergeordnete Unternehmen ausgesetzt (Ergebnisvariabilität) und es besteht eine
    3. Verbindung zwischen beiden Aspekten, d. h. die Entscheidungsmacht kann genutzt werden, um die Höhe der Rückflüsse zu beeinflussen (Verbindung von Entscheidungsgewalt und Variabilität).
  2. Anteile an assoziierten Unternehmen. Ein assoziiertes Unternehmen ist ein Unternehmen, bei welchem der Anteilseigner über maßgeblichen Einfluss verfügt und das weder ein Tochterunternehmen noch ein Anteil an einem Joint Venture ist. Dabei ist maßgeblicher Einfluss die Möglichkeit, an den finanz- und geschäftspolitischen Entscheidungen des Beteiligungsunternehmens mitzuwirken, nicht jedoch die Beherrschung oder gemeinsame Führung der Entscheidungsprozesse.
  3. Anteile an Joint Ventures (Gemeinschaftsunternehmen) (IFRS 11). Ein Joint Venture ist eine vertragliche Vereinbarung, in der 2 oder mehrere Partner eine gemeinsame Führung ausüben (IFRS 11.4).

4. Übrige Beteiligungen. Trifft keine der 3 vorstehend genannten speziellen Kategorien zu, so werden die Anteile an anderen Unternehmen ohne weitere Trennung wie Finanzinstrumente nach IFRS 9 behandelt.

Vorstehende Ausführungen gelten sowohl für den Einzel- als auch für den Konzernabschluss.

 

Rz. 38

Ein Unternehmen hat einen finanziellen Vermögenswert in dem Zeitpunkt in seiner Bilanz anzusetzen, wenn es Vertragspartei des Finanzinstruments wird. Beim erstmaligen Ansatz klassifiziert ein Unternehmen einen finanziellen Vermögenswert nach IFRS 9.4.1.1–4.1.5 und bewertet ihn gemäß IFRS 9.5.1.1–5.1.3 (IFRS 9.3.1.1). Bei der Klassifikation ist abweichend von den bis einschließlich zum Geschäftsjahr 2017 geltenden IAS 39 stärker auf das Geschäftsmodell abzustellen und abstrahiert daher auch mehr von den nach HGB bekannten Kategorien. Es werden auch nur insgesamt 3 Kategorien unterschieden, wie Abb. 1 verdeutlicht.

Kategorisierung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9

Im Einzelnen unterteilt IFRS 9 die Finanzinstrumente somit in folgende 3 Kategorien:

  1. Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten (at amortised costs, IFRS 9.4.1.2).
  2. Bewertung zum beizulegenden Zeitwert im (sonstigen) (Gesamt-)Ergebnis (fair value through OCI, IFRS 9.4.1.2A).
  3. Bewertung erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert (fair value through profit or loss, IFRS 9.4.1.4).

Wenn das Unternehmen mit einer Gruppe von Finanzinstrumenten das Geschäftsmodell verfolgt, die Vermögenswerte bis zur Realisierung der vertraglichen Geldflüsse zu halten und auch die vertraglichen Bestimmungen zu Geldflüssen an festgelegten Zeitpunkten (z. B. bei einer Lieferforderung) führen, dann sind diese vorbehaltlich der fair-value-Option in die Kategorie „zu Anschaffungskosten zu bewerten“ zu klassifizieren. Sieht das Geschäftsmodell für die Gruppe von Finanzinstrumenten dagegen vor, sowohl die Vermögenswerte zu halten als auch zu veräußern, z. B. zur Aufrechterhaltung eines bestimmten Liquiditätsgrads, so erfolgt eine Klassifikation als „zum fair-value durch das other comprehensive income“. Beteiligungen sind mangels Fixierung der finanziellen Rückflüsse stets nur in die Kategorien 2 oder 3 einzuordnen. Anders als nach IAS 39.9 wird die Änderung des Geschäftsmodells und damit die Umklassifikation von Vermögenswerten nicht mehr sanktioniert.

7.2 Bewertung

 

Rz. 39

Die Bewertung ist abhängig von der Tatsache, ob ein Einzel- oder ein Konzernabschluss aufgestellt wird.

Werden separate Einzelabschlüsse nach IFRS aufgestellt, dann sind die Anteile an Tochterunternehmen, gemeinsam geführten Unternehmen und assoziierten Unternehmen gem. IAS 27.10 wie folgt zu bilanzieren:

  1. zu Anschaffungskosten oder
  2. in Übereinstimmung mit IFRS 9 (das ist der fair value Wert).

Für jede Kategorie von Anteilen gelten die gleichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden.

Separate Einzelabschlüsse nach IFRS sind gem. IAS 27.4 solche Abschlüsse, die zusätzlich zum Konzernabschluss veröffentlicht werden, sowie Abschlüsse, bei denen Anteile unter Anwendung der Equity-Methode bilanziert werden, und Abschlüsse, bei denen Anteile von Partnerunternehmen an Joint Ventures Quoten konsolidiert werden.

Gem.IAS 28.10 f. und IFRS 11.26 f. dürfen Anteile an Joint Ventures und assoziierten Unternehmen in dem Einzelabschluss nach IFRS alternativ mit der Equity-Methode oder zum beizulegenden Zeitwert...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.



Meistgelesene beiträge