Bestandscontrolling: Analyseinstrumente und Strategiefindung zur Bestandsoptimierung

Zusammenfassung

Ziel des Bestandscontrollings ist eine Optimierung des Bestands unter Sicherstellung der Lieferfähigkeit gegenüber den Kunden.

Um die richtige Strategie zur Lagerbestandsplanung zu finden, können Controlling-Instrumente wie die ABC-XYZ-Analyse, die Reichweitenanalyse und die Zugangs-Abgangs-Bestands-Analyse eingesetzt werden.

Aus diesen Analysen können Bevorratungsstrategien wie Make-to-Stock (MTS) und Make-to-Order abgeleitet werden.

Der Beitrag zeigt am Beispiel der Freudenberg Sealing Technologies-Gruppe, wie die Instrumente des Bestandscontrollings erfolgreich eingesetzt werden können.

1 Vorräte im Fokus der Unternehmenssteuerung

Im Zuge der zunehmenden Anforderungen an ein effizientes Working-Capital-Management ist die Steuerung des Vorratsvermögens zu einem zentralen Bestandteil unternehmerischen Handelns geworden.

Bestand ist nicht einfach "da", sondern er ist das Resultat bestimmter unternehmerischer Entscheidungen, die wiederum signifikante Auswirkungen auf die betriebsinternen Prozesse haben. Insofern ist das Controlling des Vorratsvermögens unmittelbar mit dem Prozesscontrolling verknüpft. Neben der Schaffung von Transparenz muss das Bestandscontrolling auch geeignete Ansätze für Maßnahmen zur Gestaltung betriebsinterner Prozesse bieten.

Die folgenden Ausführungen betreffen die Aktivitäten zum Bestandscontrolling einer französischen Gesellschaft, die Dichtungskonzepte für global agierende Kunden der Automobil- und Autozuliefererindustrie entwirft und umsetzt. Die Gesellschaft ist Teil der Freudenberg Sealing Technologies-Gruppe, die wiederum zum familiengeführten Mischkonzern Freudenberg mit Sitz in Weinheim an der Bergstraße gehört.

2 Bestand und Bestandscontrolling

2.1 Bestand als wesentlicher Bestandteil des Working Capital

Working Capital – Definition

Das Working Capital ist im Allgemeinen definiert als

  • Vorratsvermögen
  • zuzüglich Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
  • abzüglich Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Das Working Capital muss finanziert werden, ganz gleich ob durch Eigen- oder Fremdfinanzierung. Insofern muss das Ziel aus Finanzierungssicht sein, das Working Capital möglichst klein zu halten. Neben den Finanzierungskosten verursacht der Bestand auch laufende Kosten für das Unternehmen, die nicht direkt aus der Gewinn- und Verlust­rechnung ersichtlich sind. Diese Gesamtkosten für den Bestand ergeben sich u. a. aus

  • den Finanzierungskosten,
  • zusätzlichem Handlingsaufwand in der Organisation und
  • Abwertungs- und Verschrottungskosten.

Sie werden auf ca. 20 % des Bestandswerts geschätzt.

Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind im Wesentlichen durch die Zahlungsbedingungen gegenüber Kunden und Lieferanten definiert und damit – zumindest kurzfristig – nur sehr schwer zu beeinflussen (sieht man von "bilanzkosmetischen" Maßnahmen einmal ab). Daher ist das Vorratsvermögen die einzige Komponente, die es kurzfristig zu beeinflussen gilt.

Vorratsvermögen

Das Vorratsvermögen (für Produktionsunternehmen) besteht wiederum aus

  • Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen
  • Work in process/Halbfabrikate
  • Fertigerzeugnissen
  • Handelsware
  • Anzahlungen auf zugekaufte Vorräte

2.2 Bestandsziele

Ziel des Bestandscontrollings bei Freudenberg ist eine Optimierung des Bestands zur Sicherstellung der Lieferfähigkeit gegenüber den Kunden. Das heißt, dass die Bedarfe des Kunden letztendlich den Takt vorgeben, zu dem Waren zugekauft und produziert werden.

Der Bestand ist an sich keine Steuerungsgröße, sondern lediglich das Ergebnis von Prozessen innerhalb des Unternehmens, die bereits effizient sind oder noch Verbesserungspotenzial haben. Das bedeutet, dass die Entscheidungsträger die Bestandsziele immer zusammen mit prozessgerichteten Steuerungsgrößen formulieren müssen.

Diese Steuerungsgrößen sind

  • kundengerichtet, z. B. Liefertreue, Lieferrückstand,
  • prozessgerichtet, z. B. Durchlaufzeiten und Rüstzeiten, Maschinenauslastungsgrad, Arbeiterproduktivität,
  • kostengerichtet, z. B. Ausschussraten, Lagerreichweiten,
  • mitarbeitergerichtet, z. B. Unfallrate.

2.3 Aufgaben des Bestandscontrollings

Die Aufgaben des Bestandscontrollings lassen sich wie folgt beschreiben:

  • Definieren von vergleichbaren Sortimentsklassen, die allein auf Marktverbräuchen basieren und jegliche internen Einflüsse auf das Bestandsniveau unberücksichtigt lassen.
  • Überwachen von Bestandsentwicklung und Sortimentszusammensetzung
  • Identifizieren von überschüssigen Beständen
  • Identifizieren von Slow- und No-Movers
  • Ableiten von Bestandszielen für die operativen Bereiche
  • Schaffen von Transparenz für Dispositionsstrategien und für die Ableitung von Maßnahmen zur Bestandoptimierung
  • Bereitstellen des Datenmaterials in standardisierter Form, um die operative Arbeit zu unterstützen

3 Analysewerkzeuge zur Ableitung differenzierter Bevorratungsstrategien

Die dargestellten Analysewerkzeuge, die in der Gesellschaft zum Einsatz kommen, werden übergreifend von der Unternehmenszentrale der Freudenberg Sealing Technologies-Gruppe eingesetzt und weiterentwickelt.

3.1 ABC-XYZ-Analyse zur Segmentierung des Artikelsortiments

Das große Artikelspektrum eines Herstellers von Dichtungen macht eine Segmentierung des angebotenen Sortiments erforderlich. Die Gesellschaft wendet hierzu eine verbrauchsorientierte Methode an, die weitläufig als ABC-XYZ-Analyse bekannt ist. Maßgeblich ist der Verb...

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