Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 5.2.3 Handelswaren
 

Rz. 302

Die Ermittlung des beizulegenden Werts hat bei Handelswaren nach überwiegender Auffassung sowohl beschaffungs- als auch absatzmarktorientiert zu erfolgen (doppelte Maßgeblichkeit, Rz 283).

 

Praxis-Beispiel

Die Handels-AG verfügt am Abschlussstichtag über Handelswaren, die zu AK von 10.000 im Bestand geführt werden. Unter Berücksichtigung von Anschaffungsnebenkosten belaufen sich die Wiederbeschaffungskosten (beschaffungsmarktorientiert) auf 9.000. Den erwarteten Verkaufserlös (nach Abzug erwarteter Erlösschmälerungen) schätzt die Handels-AG auf 10.500. Bei einer Veräußerung fallen weitere Aufwendungen (Transportkosten) von 800 an.

Für Zwecke der bilanziellen Bewertung zum Abschlussstichtag werden üblicherweise die folgenden Wertansätze gegenübergestellt:

 
  Buchwert Beizulegender Wert Beschaffungsmarkt Beizulegender Wert Absatzmarkt
AHK 10.000    
Wiederbeschaffungskosten   9.000  
Erwarteter Verkaufserlös     10.500
Noch anfallende Aufwendungen     ./. 800
Niederstwerttest 10.000 9.000 9.700

Nach dem Prinzip der doppelten Maßgeblichkeit ist auf den niedrigsten der drei Werte, d. h. auf 9.000, abzuschreiben, sodass eine außerplanmäßige Abschreibung i. H. v. 1.000 zu berücksichtigen ist.

U. E. genügt bei Waren ein Abgleich mit dem Absatzmarkt, um etwaige Vermögensminderungen zu identifizieren. Im Beispiel reduziert sich damit die notwendige Abschreibung auf 300. Den Verhältnissen am Beschaffungsmarkt kommt keine Bedeutung zu. Unter dem Nettoverkaufswert liegende Wiederbeschaffungskosten bringen bloße Opportunitätsverluste zum Ausdruck, deren bilanzielle Erfassung durch das Imparitätsprinzip nicht gedeckt ist (Rz 286).

 

Rz. 303

Auch bei Handelswaren kommen Gängigkeitsabschläge wegen eingeschränkter Verwendungsfähigkeit in Betracht. Dies betrifft z. B.

  • Lebensmittel wegen Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums bei einzelnen Produkten,
  • Modeartikel im Textileinzelhandel, die nur mit deutlichen Preisabschlägen im Rahmen von Sonderverkäufen (z. B. Sommer-/Winterschlussverkauf) veräußert werden können,
  • modische Schmuckkollektionen von Juwelieren.
 

Rz. 304

 

Praxis-Beispiel

Getränkegroßhändler G verfügt über drei Filialen in einer Großstadt. Zum 31.12.01 liegen die nachstehenden Informationen zum Bestand und zum Umschlag von Fruchtsäften vor. Der Fruchtsaft hat eine Mindesthaltbarkeitsdauer von durchschnittlich drei Monaten. Ein Monat vor Ende der Mindesthaltbarkeit reduziert G die Preise und verkauft die betreffenden Bestände 20 % unter dem Einstandspreis. Auf diese Weise lässt sich der Absatz um 30 % steigern. Die auf diese Weise nicht abgesetzte Menge verkauft G wenige Tage vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit mit einem Abschlag von 60 % auf den Einstandspreis.

 
Fruchtsäfte [Flaschen] Filiale 1 Filiale 2 Filiale 3
Bestand zum 31.12.01 8.000 4.000 11.000
Einstandspreis (EP) pro Flasche 0,90 0,90 0,90
Umschlag pro Monat 2.000,00 1.500,00 4.500,00
Verlust pro Flasche bei Rabattierung -0,18 -0,18 -0,18
Verlust bei Verkauf über Sonderfläche -0,54 -0,54 -0,54

Die Absatzplanung liefert die folgenden Informationen für die Vornahme von Gängigkeitsabschlägen:

Filiale 1

  • Nach den Planungen von G wird Filiale 1 nur die Hälfte des vorhandenen Bestands innerhalb der kommenden beiden Monate verkaufen.
  • Der verbleibende Bestand wird zunächst mit 20 % rabattiert. Auf diese Weise lassen sich weitere 2.600 Flaschen (130 % von 2.000 Flaschen) verkaufen.
  • Der Restbestand von 1.400 Flaschen muss verramscht werden.

Filialen 2 und 3

  • Der abzuwertende Bestand beträgt 1.000 bzw. 2.000 Flaschen.
  • Durch die Rabattaktion können sämtliche Flaschen vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verkauft werden.

Insgesamt ergibt sich aus der Absatzplanung das folgende Mengengerüst für die Vornahme von Gängigkeitsabschlägen:

 
Fruchtsäfte [Flaschen] Filiale 1 Filiale 2 Filiale 3
Bestand zum 31.12.01 8.000 4.000 11.000
Erwarteter Umsatz in 2 Monaten 4.000 3.000 9.000
Abzuwertender Bestand 4.000 1.000 2.000
Erwarteter Absatz im nächsten Monat 2.600 1.000 2.000
Absatz über Sonderfläche 1.400 0 0

Die auf Basis dieser Planung vorzunehmende Gängigkeitsabschreibung von 1.764 ermittelt sich wie folgt:

 
Ermittlung der Gängigkeitsabschläge Filiale 1 Filiale 2 Filiale 3 Summe
Rabattierung (0,19 je Flasche) -468 -180 -360 -1.008
Sonderfläche (0,54 je Flasche) -756 0 0 -756
Summe -1.224 -180 -360 -1.764
 

Rz. 305

Abschreibungen auf Handelswaren werden in der nach dem GKV aufgestellten GuV in den "Aufwendungen für Roh,- Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren" (Pos. 5a des Gliederungsschemas gem. § 275 Abs. 2 HGB) ausgewiesen. Nur bei ungewöhnlich hohen Wertberichtigungen kommt ein Ausweis unter den unüblichen "Abschreibungen auf VG des UV in Betracht" (Pos. 7b des Gliederungsschemas gem. § 275 Abs. 2 HGB; § 275 Rz 124). Bei Anwendung des UKV sind die Abschreibungen generell in den "Herstellungskosten des Umsatzes" (Pos. 2 des Gliederungsschemas gem. § 275 Abs. 3 HGB) auszuweisen (§ 275 Rz 214).

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