Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 4.2 Einklangprüfung (Abs. 2 Satz 1)
 

Rz. 83

Prüfungsobjekt ist der Lagebericht gem. § 289 HGB bzw. der Konzernlagebericht gem. § 315 HGB. Die dortigen gesetzlichen Anforderungen werden durch GoB konkretisiert, die mit DRS 20 Konzernlagebericht kodifiziert sind (Rz 52). Auch wenn die DRS qua Gesetzesvermutung nur Konzern-GoB darstellen, liefern sie wegen der weitgehenden inhaltlichen Übereinstimmung der Gesetzesvorschriften von § 289 HGB mit § 315 HGB auch für den Lagebericht zweckdienliche Hinweise.

 

Rz. 84

Der Lagebericht ist mit derselben Intensität und Sorgfalt wie der Jahresabschluss zu prüfen, d. h., es sind dieselben Grundsätze (GoA) anzuwenden. Dies erfordert bei der Beurteilung des Prüfungsergebnisses die Erzielung einer hinreichenden Sicherheit, ob im Lagebericht wesentliche Falschaussagen enthalten sind. Alle Ausführungen im Lagebericht sind daraufhin zu prüfen, ob sie im Einklang stehen mit den im Jahresabschluss enthaltenen Informationen sowie den sonstigen im Rahmen der Jahresabschlussprüfung gewonnenen Informationen. Dieses Einklangerfordernis kann sich primär nur auf Sachverhalte beziehen, die im abgelaufenen Gj realisiert und damit Eingang in das Zahlenwerk, den Jahresabschluss, gefunden haben. Der Abschlussprüfer hat daher vergangenheitsorientierte Zahlenangaben im Lagebericht/Konzernlagebericht mit ihrer Übereinstimmung mit dem Jahresabschluss/Konzernabschluss zu prüfen.

 

Praxis-Beispiel

Im Lagebericht der prüfungspflichtigen B-GmbH sind zahlenmäßige Angaben zu im Berichtsjahr getätigten Investitionen enthalten. Der Abschlussprüfer hat diese zahlenmäßigen Angaben im Rahmen seiner Einklangprüfung mit dem Anlagespiegel, sonstigen Unterlagen der B-GmbH zum Jahresabschluss (Anlagenbuchhaltung) bzw. seinen Arbeitspapieren zur Prüfung des AV abzustimmen. Ergeben diese Abstimmungen eine Übereinstimmung dieser Zahlen, stehen diese Zahlen des Lageberichts im Einklang mit dem Jahresabschluss.

 

Rz. 85

Schon durch das in § 317 Abs. 2 Satz 1 HGB angesprochene Einklangerfordernis wird deutlich, dass die Prüfung des Lageberichts in engem Zusammenhang mit der Prüfung des Jahresabschlusses steht. Daher hat der Abschlussprüfer bereits bei der Prüfungsplanung anhand der ihm vorliegenden Informationen die Lage des Unt bzw. des Konzerns vorläufig zu beurteilen, da dies wesentliche Grundlage seiner Risikobeurteilung und damit Schwerpunktsetzung im Rahmen der Abschlussprüfung ist. Insb. sollte bereits in diesem Stadium eine vorläufige Beurteilung der Going-concern-Prämisse (§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB) vorgenommen werden.

Im Rahmen der Prüfungsplanung zum Lagebericht hat der Abschlussprüfer gem. IDW PS 350 n F festzustellen, ob der Lagebericht nicht prüfbare Angaben enthält und ob er diese in seine Prüfung einbeziehen muss. Die in IDW PS 350 nF erstmals enthaltenen Ausführungen zu lageberichtsfremden Angaben im Lagebericht und der Umgang des Abschlussprüfers damit kann wie folgt dargestellt werden:

Abb. 4: Umgang mit prüfbaren lageberichtstypischen und -fremden Angaben

Weiterhin hat eine Festlegung der Wesentlichkeit sowie die Berücksichtigung des Aussagenkonzepts von IDW PS 350 nF zu erfolgen.

Danach bemisst sich die Wesentlichkeit i. d. R. mit der für den Abschluss als Ganzes festgelegten Wesentlichkeit, es sei denn, für einzelne Abschlussposten sind spezifische Wesentlichkeiten bestimmt, sodass die für die Prüfung der korrespondierenden Lageberichtsangaben ebenfalls zu beachten sind. Die Beurteilung von Lageberichtsinformationen wird nach IDW PS 350 nF anhand von Aussagearten vorgenommen. Aussagearten kategorisieren die im Lagebericht ausdrücklich oder implizit enthaltenen Erklärungen. Es kommen folgende Aussagearten zur Anwendung:

  • Vollständigkeit,
  • Richtigkeit,
  • Darstellung.
 

Rz. 86

Da DRS 20 für den Konzernlagebericht als GoB gilt und diesem auch für den Lagebericht wesentliche Bedeutung zukommt, stellt sich dem Abschlussprüfer die Frage, wie bei einer Nichtbeachtung von Anforderungen des DRS 20 prüferisch zu verfahren ist. Abb. 5 illustriert das entsprechende Vorgehen:

Abb. 5: Prüfungsschema bei Nichtbeachtung einer DRS-20-Anforderung im Konzernlagebericht

 

Rz. 87

Zur Prüfungsdurchführung sehen die berufsständischen Grundsätze für die vergangenheitsorientierte Prüfung insb. folgende Prüfungshandlungen vor:

  • Analyse des globalen Umfelds, d. h. Analyse des gesamtwirtschaftlichen, des rechtlich-politischen, des wissenschaftlich-technischen sowie des ökologischen Umfelds als Rahmenbedingungen der Unternehmenstätigkeit,
  • Analyse des Unternehmensumfelds, d. h. Analyse der Branchenentwicklung, der Marktbedingungen auf Absatz- und Beschaffungsmärkten sowie der Wettbewerbsverhältnisse,
  • Analyse der unternehmensinternen Erfolgsfaktoren, d. h. Analyse der Leistungs- und Produktpalette, der Beschaffungs- und Absatzpolitik, der strategischen Ausrichtung des Unternehmens, des Rationalisierungspotenzials, der Finanzierungsstrategie etc.,
  • Analyse der internen Organisation und Entscheidungsfindung,
  • Analyse der Beziehungen zu nahestehenden Personen,
  • Analyse des Geschäftsergebnisses un...

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