Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 3.4.2 Grundsatz der Wesentlichkeit
 

Rz. 49

Von besonderer Bedeutung für nahezu jede Prüfung ist die Frage, ab wann das zu prüfende Ist-Objekt als nicht mehr mit dem Soll-Objekt übereinstimmend zu beurteilen ist. Die Entscheidungsfindung wird maßgeblich vom Grundsatz der Wesentlichkeit (materiality) bestimmt, nach Peemöller einer der elementarsten Rechnungslegungsgrundsätze bei der Aufstellung von Jahresabschlüssen.

 

Rz. 50

Der Normenkreis der IFRS stellt auf den Adressaten (user) der Informationen ab. Hiernach ist Voraussetzung einer Abweichung von der Norm und damit eines Rechnungslegungsverstoßes, dass eine Information weggelassen oder fehlerhaft dargestellt wurde. Diese muss so wesentlich sein, dass sie die Entscheidungen der Adressaten beeinflussen könnte. Die HGB-Vorschriften weisen zwar keinen vergleichbaren expliziten Bezug der Wesentlichkeit für die Fehlerhaftigkeit einer Rechnungslegung auf. Dennoch gilt auch bei der Beurteilung des HGB-Abschlusses dieselbe Wertung wie bei den IFRS.

 

Rz. 51

Für die Abschlussprüfung haben die Berufsorganisationen mit dem IDW PS 250 nF (Wesentlichkeit im Rahmen der Abschlussprüfung) bzw. mit dem ISA 320 (Materiality in Planning and Performing an Audit) Wesentlichkeitsgrundsätze entwickelt. Für das Enforcement gibt es keinen Grund, hiervon inhaltlich abzuweichen.

 

Rz. 52

Damit gelten im Kern die gleichen Beurteilungskriterien für das Enforcement wie für die Abschlussprüfung. Das kann auch gar nicht anders sein, da die Existenzberechtigung beider Institutionen gleichermaßen darin besteht, das Vertrauen in die von den Unt zu erstellenden Abschlüsse mit zugehörigen Lagebericht zu stärken und bei Abweichungen dies öffentlich kundzutun. Unterschiedliche Aussagen von AP und Enforcement-Institutionen zum gleichen Prüfungsobjekt würden das Gegenteil bewirken und Verwirrung statt Vertrauen schaffen. Diese Auffassung wurde durch einen Beschluss des OLG Frankfurt am Main ausdrücklich bestätigt.

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