Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 2.3 Anschaffungsnebenkosten
 

Rz. 58

Anschaffungsnebenkosten sind dem erworbenen VG einzeln zurechenbare Aufwendungen, die in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Erwerb und der erstmaligen Versetzung des VG in einen betriebsbereiten Zustand stehen. Zweck der Einbeziehung der Anschaffungsnebenkosten in die AK ist eine periodenrichtige Verteilung des Aufwands. Anschaffungsnebenkosten können unternehmensextern oder unternehmensintern anfallen.

 

Rz. 59

Zu den unternehmensexternen Anschaffungsnebenkosten gehören die Nebenkosten des Erwerbs wie z. B. Provisionen, Courtagen, Kommissionskosten, Vermittlungs- und Maklergebühren, Anlieger- und Erschließungsbeiträge, Gutachtergebühren, Notariats-, Gerichts- und Registerkosten. Darüber hinaus zählen die mit dem Erwerb des VG zusammenhängenden Zölle und nicht erstattungsfähigen Steuern wie z. B. Einfuhrzölle, die Grunderwerbsteuer und die Umsatzsteuer, sofern kein Vorsteuererstattungsanspruch besteht, zu den unternehmensexternen Anschaffungsnebenkosten. Zudem werden den unternehmensexternen Anschaffungsnebenkosten die Kosten der Anlieferung wie z. B. Speditionskosten, Transportversicherungen, Eingangsfrachten, Rollgelder, Wiegegelder, Anfuhr- und Abladekosten ebenso hinzugerechnet wie die Nebenkosten der Inbetriebnahme wie z. B. Montage- und Fundamentierungskosten, Anschlusskosten, Umbaukosten, Kosten der Abnahme von Gebäuden und Anlagen, Sicherheitsüberprüfungen und Probeläufe.

 

Rz. 60

Unternehmensinterne Anschaffungsnebenkosten dürfen nur dann als Anschaffungsnebenkosten aktiviert werden, wenn sie dem angeschafften VG als Einzelkosten direkt zurechenbar sind. Bspw. sind einzelne mit der Anschaffung verbundene Aktivitäten wie Montage- und Fundamentierungsarbeiten, die durch eigene Arbeitskräfte des Unt ausgeführt werden und die mithilfe von innerbetrieblichen Aufträgen oder Einzelaufschreibungen dem VG direkt zugeordnet werden können, als unternehmensinterne Anschaffungsnebenkosten zu aktivieren.

 

Rz. 61

Nicht zu den Anschaffungsnebenkosten zählen die Kosten der Entscheidungsfindung und der genauen Bestimmung des zu erwerbenden VG; dies sind z. B. Besichtigungskosten.

 

Rz. 62

Grds. sind die Anschaffungsnebenkosten bei jedem Beschaffungsvorgang individuell dem erworbenen VG zuzurechnen. Eine Pauschalierung zur Vereinfachung der Erfassung der Anschaffungsnebenkosten ist jedoch zulässig, sofern es sich um sog. unechte Gemeinkosten handelt und das Ergebnis durch die Schlüsselungsverrechnung allenfalls unwesentlich von der exakten Ermittlung abweicht. Dies ist z. B. bei solchen Nebenkosten der Fall, die im Verhältnis zum Warenwert gleichbleibend oder geringfügig sind und deren Einzelzurechnung mit einem wesentlichen Arbeitsaufwand verbunden wäre.

 

Rz. 63

Fremdkapitalzinsen sind grds. kein Bestandteil der Anschaffungsnebenkosten. Die Einbeziehung von Fremdkapitalzinsen in die Anschaffungsnebenkosten wird allenfalls insofern für zulässig erachtet, als diese für Kredite entrichtet werden, die der Finanzierung von Anzahlungen oder Vorauszahlungen für Neuanlagen mit längerer Bauzeit (z. B. im Schiffsbau) dienen. In diesen Fällen werden die Kosten für das andernfalls zu verzinsende Kapital des Lieferanten gemindert, was insoweit aus Sicht des Erwerbers zu einer Reduzierung des Anschaffungspreises führen dürfte. Die Zinskosten fallen daher beim Abnehmer statt beim Lieferanten an. Der Abnehmer hat im Gegenzug den niedrigeren Anschaffungspreis zu entrichten. Die Aktivierung von Eigenkapitalzinsen ist dagegen eindeutig unzulässig.

 

Praxis-Beispiel

Die K-AG beabsichtigt, in Periode 01 eine katalytische Crackanlage zu erwerben. Die Errichtung der neuen Anlage erfolgt durch einen externen Spezialisten für derartige Bauvorhaben. Die Bauarbeiten beginnen am 24.3.01 und dauern voraussichtlich 18 Monate an. Weiterhin muss die K-AG ein Grundstück erwerben, auf dem die Anlage errichtet werden soll. Hierfür fallen Maklergebühren, Grunderwerbsteuer, Erschließungsbeiträge, Notariatskosten sowie Kosten für die Grundbuchumschreibung beim Amtsgericht an. Außerdem fielen Reisekosten für die Besichtigung des später erworbenen Grundstücks an. Die Finanzierung des Investitionsprojekts erfolgt ausschl. durch Fremdkapital (Aufnahme eines Kredits). Zur Realisierung des Vorhabens wurde vertraglich eine Vorauszahlung vereinbart, die die K-AG zu Baubeginn leistet. Nach Fertigstellung der Anlage erfolgen die Abnahme sowie diverse Probeläufe.

Beurteilung

In die AK des Grundstücks sind der Kaufpreis, die Maklergebühren, die Grunderwerbsteuer, die Erschließungsbeiträge, die Notariatskosten sowie die Amtsgerichtskosten einzubeziehen. Die Reisekosten für die Besichtigung des später erworbenen Grundstücks stellen Kosten der Entscheidungsfindung dar und sind daher nicht Bestandteil der AK.

Zu den AK der katalytischen Crackanlage zählen der Kaufpreis sowie die Aufwendungen für die Abnahme und die Probeläufe (bei Letzteren handelt es sich um Anschaffungsnebenkosten für die Inbetriebnahme der Anlage). Die Fremdkapitalzinsen für die Vorauszahlung sind ebenfal...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge