Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 2.1 Schwellenwerte
 

Rz. 7

Unternehmen gelten gem. § 267a Abs. 1 Satz 1 HGB als KleinstKapG, wenn sie an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinander folgenden Gj nicht mehr aufweisen als

  • 350.000 EUR Bilanzsumme,
  • 700.000 EUR Nettoumsatzerlöse und
  • eine durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter eines Gj von zehn.
 

Rz. 8

Insgesamt ergeben sich damit folgende Schwellenwerte für größenklassenabhängige Befreiungen bei KapG und ihnen gleichgestellten PersG, wobei die Größenklasse der KleinstKapG im Ergebnis lediglich eine weitere Unterteilung der Klasse für kleine KapG darstellt:

 
  Kleine KapG (§ 267 HGB) i. w. S.

Mittelgroße KapG

(§ 267 HGB)

Große KapG

(§ 267 HGB)

KleinstKapG

(§ 267a HGB)

Kleine KapG i. e. S.

(§ 267 HGB)
Bilanzsumme ≤ 350.000 EUR

> 350.000 EUR

≤ 6 Mio. EUR

> 6 Mio. EUR

≤ 20 Mio. EUR
> 20 Mio. EUR
Umsatzerlöse ≤ 700.000 EUR

> 700.000 EUR

≤ 12 Mio. EUR

> 12 Mio. EUR

≤ 40 Mio. EUR
> 40 Mio. EUR
Mitarbeiter ≤ 10

>10

≤ 50

> 50

≤ 250
> 250

Tab. 1: Schwellenwerte für Bilanzsumme, Umsatzerlöse und Mitarbeiterzahl zur Klassifikation von Kapitalgesellschaften und ihnen gleichgestellten Personenhandelsgesellschaften nach HGB

 

Rz. 9

Wie schon bei den bisherigen Größenklassenbestimmungen nach § 267 HGB tritt die Rechtsfolge erst ein, wenn jeweils mindestens zwei der drei Schwellenwerte an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinanderfolgenden Gj unterschritten sind. Im Falle einer Umwandlung oder Neugründung ist durch direkten Verweis auf § 267 Abs. 4 HGB bereits dann eine Befreiung gegeben, wenn mindestens zwei der drei Schwellenwerte am aktuellen Abschlussstichtag für diese Unt ohne direkte Historie unterschritten werden. Mit diesen Regeln ist einerseits der Start der Unt in der richtigen Größenklasse sichergestellt und andererseits ergibt sich durch die anschließend laufende Betrachtung von zwei Abschlussstichtagen eine ausreichende Vorlaufzeit zur Anpassung der Rechnungslegung und der vorgelagerten Systeme an die jeweils höheren quantitativen und qualitativen Ansprüche des Jahresabschlusses und ggf. des Lageberichts der höheren Kategorie. Ein Abstieg in eine kleinere Größenklasse bedingt jedoch auch das Unterschreiten von mindestens zwei der drei Schwellenwerte an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen, was zu einer höheren Konstanz der Klassenzuordnung führt, da hektische Wechsel der Größenklassen von Jahr zu Jahr damit ausgeschlossen sind. Somit ist die Einordnung abhängig von der Klassifikation der KapG in den Vorjahren. Für die Bestimmung ist es somit bei unterschiedlichen Zuordnungen notwendig, schrittweise in die Vergangenheit die Werte zu prüfen, bis sich eine mit dem Gesetzestext vereinbare Zuordnung ergibt. Zur Einordnung im Übergang auf das MicroBilG vgl. Rz 16 der Kommentierung der 5. Auflage.

 

Praxis-Beispiel

Klassifikation von Unternehmen im Gj t3

Für KapG mit kalenderjahrgleichem Gj ergeben sich folgende Werte (fettdruck=Überschreitung) und Einstufungen:

 
Kriterium Gj t0 Gj t1 Gj t2 Gj t3 Rechtsfolge für t3
Bilanzsumme nicht notwendig für die Bestimmung des Gj t3 320.000 EUR 350.000 EUR KleinstKapG
Umsatzerlöse 720.000 EUR 660.000 EUR
Mitarbeiter 10 12
Einordnung KleinstKapG KleinstKapG
Bilanzsumme 270.000 EUR 300.000 EUR 380.000 EUR 340.000 EUR KleinstKapG
Umsatzerlöse 630.000 EUR 680.000 EUR 720.000 EUR 660.000 EUR
Mitarbeiter 6 8 10 12
Einordnung KleinstKapG KleinstKapG Kleine KapG KleinstKapG
Bilanzsumme nicht notwendig für die Bestimmung des Gj t3 380.000 EUR 400.000 EUR Kleine KapG
Umsatzerlöse 720.000 EUR 760.000 EUR
Mitarbeiter 10 12
Einordnung Kleine KapG Kleine KapG
Bilanzsumme nicht notwendig für die Bestimmung des Gj t3 300.000 EUR 320.000 EUR 400.000 EUR KleinstKapG
Umsatzerlöse 680.000 EUR 720.000 EUR 760.000 EUR
Mitarbeiter 12 10 12
Einordnung KleinstKapG KleinstKapG Kleine KapG
Bilanzsumme 400.000 EUR 400.000 EUR 320.000 EUR 400.000 EUR Kleine KapG
Umsatzerlöse 760.000 EUR 760.000 EUR 720.000 EUR 760.000 EUR
Mitarbeiter 12 12 10 12
Einordnung Kleine KapG Kleine KapG KleinstKapG Kleine KapG
Bilanzsumme nicht notwendig 400.000 EUR 380.000 EUR 340.000 EUR Kleine KapG
Umsatzerlöse 780.000 EUR 720.000 EUR 660.000 EUR
Mitarbeiter 8 10 12
Einordnung Kleine KapG Kleine KapG KleinstKapG

Zu weiteren vergleichbaren Anwendungsbeispielen § 267 Rz 12.

 

Rz. 10

Hinsichtlich der Bestimmungen zur Anwendung der Schwellenwerte ist mit dem BilRUG die Ausnahme für die Berücksichtigung der aktivierten latenten Steuern bei der Ermittlung der Bilanzsumme in § 267a Abs. 1 Satz 2 HGB gestrichen worden. Daher ist es spätestens ab dem Gj 2015 nicht mehr irrelevant (zur Übergangsvorschrift vgl. § 293 Rz 8), ob die Befreiung von § 274a Nr. 4 HGB genutzt wird, latente Steuern nach § 274 HGB zu berechnen und ggf. die aktiven latenten Steuern, die sich auch aus Verlustvorträgen ergeben können, für die zu erwarten ist, dass sie in den fünf folgenden Gj genutzt werden. Sollte durch aktivierte latente Steuern ein Anstieg der Größenklasse und damit das Entfallen der Erleichterungs- und Befreiungsregeln für KleinstKapG drohen, kann die geforderte Stetigke...

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