Behinderte Menschen, Vergün... / 4.1 Fahrtkosten behinderter Menschen

Durch die Behinderung bedingte unvermeidbare Fahrtkosten werden, soweit es sich nicht um Betriebsausgaben oder Werbungskosten handelt, obwohl eigentlich typische und laufende Kosten vorliegen, nicht als durch den Pauschbetrag abgegolten angesehen. Sie können zusätzlich als außergewöhnliche Belastung (unter Anrechnung der zumutbaren Belastung) geltend gemacht werden.

Grundsätzlich sind die als außergewöhnliche Belastung anzuerkennenden Fahrtaufwendungen auch bei Benutzung eines Pkw nur i. H. d. Kosten öffentlicher Verkehrsmittel zu berücksichtigen, es sei denn, es besteht keine zumutbare öffentliche Verkehrsverbindung. Die einzelnen Fahrten sind nachzuweisen. Die Pkw-Kosten für die nachgewiesenen Fahrten sind nur i. H. d. für Dienst- und Geschäftsreisen allgemein anerkannten Pauschsatzes von 0,30 EUR abziehbar.

Geh- und stehbehinderte Steuerpflichtige (GdB von mindestens 80 oder GdB von mindestens 70 und Merkzeichen "G"):

Nur die unvermeidbaren behinderungsbedingten Fahrten sind als außergewöhnliche Belastung anzuerkennen. Das Finanzamt anerkennt ohne Nachweis pauschal 3.000 km zu einem Kilometersatz von 0,30 EUR. Eine höhere behinderungsbedingte Fahrleistung ist nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, z. B. anhand eines Fahrtenbuchs oder einer Aufstellung der durchgeführten Privatfahrten.

 

Wichtig

Abzug weiterer Fahrtkosten neben der km-Pauschale

Mit der Pauschale von 3.000 km sind nur die Fahrten, die mit der Behinderung zusammenhängen, abgegolten. Darüber hinaus entstehende Fahrten wegen einer Krankheit, die nicht behinderungsbedingt ist, sind daneben anzuerkennen (z. B. für Arztbesuche). Auch Fahrten mit dem Taxi oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind abziehbar. Die Pauschale von 3.000 km ist dann aber um die entsprechende Fahrtstrecke zu kürzen.

Außergewöhnlich Gehbehinderte (Merkzeichen "aG"), Blinde ("Bl") und Hilflose ("H"):

Hier werden nicht nur die unvermeidbaren behinderungsbedingten Fahrten anerkannt, sondern in angemessenem Umfang auch Fahrten für Freizeit-, Erholungs- und Besuchszwecke, d. h. grundsätzlich alle Fahrten, soweit sie nicht beruflicher Natur (dann Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben) sind.

Die tatsächliche Fahrleistung ist nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Als angemessen gilt eine jährliche Fahrleistung von 15.000 km. Dafür gilt der Kilometersatz von 0,30 EUR. Auch hier ist bei der zusätzlichen Geltendmachung der Aufwendungen für andere Verkehrsmittel die Strecke von 15.000 km entsprechend zu kürzen. Fahrtkosten, die zu den Krankheitskosten rechnen, z. B. Fahrten zum Arzt, werden von der Abgeltung nicht erfasst.

 

Wichtig

Zusätzlicher Abzug bei hoher Fahrleistung

Übersteigen bei hoher Fahrleistung die unvermeidbaren Privatfahrten, z. B. die Fahrten zur Berufsqualifizierung, die Grenze von 15.000 km, sind sie auch darüber hinaus anzuerkennen. Daneben gilt für die reinen Privatfahrten eine Typisierungsgrenze von 5.000 km.

Ein höherer Kilometersatz als 0,30 EUR gilt als unangemessen und wird von den Finanzämtern nicht anerkannt.

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