Balanced Scorecard als ganzheitliches Kennzahlensystem in der Forschung und Entwicklung

Zusammenfassung

  • Forschung und Entwicklung (F&E) ist eine schöpferische Tätigkeit mit dem Ziel, Wissen zu nutzen und somit einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit zu liefern.
  • Ein F&E-Kennzahlensystem bietet eine datenbasierte, analytische Grundlage zur Steuerung von F&E. Eine zentrale Anforderung ist dabei die Fokussierung auf beeinflussbare, strategie-/entscheidungsrelevanten Kennzahlen, sog. KPIs.
  • Eine F&E-Balanced-Scorecard (F&E-BSC) berücksichtigt die kritischen Wertschöpfungsaktivitäten in vier Perspektiven: Finanzen, Kunden, Prozesse, Potenzial. Eine F&E-BSC unterstützt die Strategieumsetzung durch einen ganzheitlichen und ausgewogenen Ansatz. In dem Beitrag werden zu jeder Perspektive geeignete Kennzahlen mit Formeln und Bedeutung für die F&E-Steuerung vorgestellt.

1 F&E-Balanced-Scorecard als Steuerungsinstrument

1.1 Bedeutung von F&E im Unternehmen

F&E leistet Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit

Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) sind wichtige Bausteine im Unternehmen, die sich im Wesentlichen durch 2 Aspekte kennzeichnen: Erstens dient F&E der Erhaltung und dem Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der am Markt befindlichen Produkte. Zweitens umfassen die F&E-Aufwendungen auch Investitionen in die Zukunftsforschung neuer Produkte und ermöglichen dadurch eine Portfolioerweiterung.

F&E leistet demnach einen Beitrag für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit. Um diese zu gewährleisten, sollte eine aktive Gestaltung durch ein F&E-Portfoliomanagement untermauert durch ein Kennzahlensystem erfolgen.

1.2 Kernfragen an ein F&E-Kennzahlensystem

Schöpferische Tätigkeit für neue Anwendungen

F&E wird als schöpferische Tätigkeit definiert, die auf systematische Weise und mit wissenschaftlichen Methoden durchgeführt wird. Ziele von F&E sind, Wissen zu mehren sowie neue Anwendungen für Wissen zu erarbeiten.

Aus Unternehmenssicht ist dabei die Monetarisierung der F&E durch den Verkauf von Produkten maßgeblich. Hierbei ist die Zeitspanne zwischen F&E-Investition und Mittelrückfluss durch die Produkteinführung zu berücksichtigen. Diese Zeitspanne kann je nach Branche zehn Jahre überschreiten. Darin können inhärente Risiken (z. B. Produktänderungen, F&E-Kostensteigerungen, Marktpreisverfall) liegen, die in einem F&E-Portfoliomanagement berücksichtigt und in einem Kennzahlensystem eingebunden werden sollten.

Um F&E zielführend im Unternehmen einzusetzen, werden im Folgenden drei Kernfragen betrachtet:

  • Welche Entscheidungsebenen beeinflussen ein Kennzahlensystem?
  • Wie wird ein Bezug zwischen Strategie und Kennzahlen hergestellt?
  • Wie kann eine F&E-Balanced Scorecard (F&E-BSC) entwickelt werden?

1.3 Key Performance Indicators und F&E-Entscheidungsebenen

Datenbasiert, beeinflussbar und entscheidungsrelevant

Ein F&E-Kennzahlensystem bietet eine datenbasierte, analytische Grundlage für die Entscheidungsfindung und Steuerung von F&E-Projekten im Rahmen eines F&E-Controllings bzw. F&E-Portfoliomanagements. Wesentliches Ziel eines F&E-Kennzahlensystems ist die Fokussierung auf die beinflussbaren, strategie- und folglich entscheidungsrelevanten Kenngrößen (s. Abb. 1).

Abb. 1:KPI-Matrix

Wesentliche Charakteristika von KPIs:

  • KPIs bilden eine Verbindung zwischen Strategie und Ergebnis. Sie sind somit relevant für die F&E-Effektivität.
  • KPIs sollten transparent, nachvollziehbar definiert und fortlaufend generierbar sein sowie das Kosten-Nutzen-Verhältnis zur Erhebung berücksichtigen.
  • KPIs sollten messbar, die Abweichungen zwischen Plan und Ist darstellbar und darauf basierend Veränderungsmaßnahmen definierbar sein. Sie sind relevant für die F&E-Effizienz.

KPIs sollten ein Steuerungsinstrument sein, d. h. sie sollten zukünftige Entscheidungen unterstützen. Daher sollten Wirkungszusammenhänge sowie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Früh- und Spätwarnindikatoren entwickelt werden.

F&E-Steuerung auf verschiedenen Ebenen

Bei dem Aufbau eines F&E-Kennzahlensystems sollte berücksichtigt werden, dass die Entscheidungsunterstützung und Steuerung im Vordergrund steht. Dies kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen.

  • Portfoliomanagement
  • Multiprojektmanagement
  • Einzelprojektmanagement

Je nach Ebene ist die Entscheidung und Steuerung entweder eher strategisch oder operativ ausgerichtet.

KPIs sollten kaskadierbar sein

Das Portfoliomanagement priorisiert F&E-Vorhaben entsprechend dem jeweiligen Geschäftswertbeitrag, befasst sich mit der Verteilung der Ressourcen (z. B. Geld, Mitarbeiter) auf die Projekte und stellt sicher, dass alle Ressourcen auf die F&E-Strategie ausgerichtet sind. Es hat somit eine eher strategische und langfristige Orientierung und sollte sich aus einer übergeordneten Unternehmensstrategie ableiten lassen.

Die KPIs sind demnach so zu wählen, dass sie kaskadierbar sind, d. h. idealerweise können sie von der Portfolioebene bis auf Einzelprojektebene heruntergebrochen werden.

Multiprojektmanagement bündelt Einzelprojekte

Das Multiprojektmanagement bündelt ähnliche Einzelprojekte wie z. B. für Technologievorhaben und Produktplattformen. Bezogen auf einen eher enger definierten (Verantwortungs-)Umfang sind Portfolioelemente enthalten. Es weist aber auch operative Projektmanagementelemente auf, z. B. finanzielle Plan-Ist-Abweichungen, Termintreue o...

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