Auslandsrechnung aus der EU

Zusammenfassung

 

Überblick

Der Handel mit dem Ausland ist zunehmend auch für kleine und mittlere Unternehmen nichts Ungewöhnliches mehr. Allerdings gibt es für die Verbuchung ausländischer Rechnungen viele unterschiedliche "Schubladen". Diese kurze Übersicht bringt Sie schnell zur richtigen Buchung.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

§ 1a UStG, § 67 Außenwirtschaftsverordnung (AWV), EuGH, Urteil v. 1.4.2004, C-90/02, EuGHE I S. 3303; Abschnitt 15.10. UStAE.

1 Zwischen EU und Drittland muss unterschieden werden

Aus umsatzsteuerlichen Gründen muss bei Rechnungseingang zwischen Importen aus EU-Mitgliedstaaten (sog. innergemeinschaftlicher Erwerb) und aus dem restlichen Ausland – umsatzsteuerlich Drittländer (sog. Einfuhr) unterschieden werden.

  1. Ein innergemeinschaftlicher Erwerb löst eine der Umsatzsteuer entsprechende Erwerbsteuer aus. In gleicher Höhe steht dem deutschen Importeur aber auch ein Vorsteuerabzug zu – sofern er zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Deshalb muss dieser Import zwar umständlicherweise in der USt-Voranmeldung und in der Jahreserklärung aufgeführt werden, bleibt jedoch insgesamt steuerfrei. Einen solchen Fall betrachten wir in diesem Beitrag.
  2. Bei Importen aus der nichtunionseuropäischen Welt wird regelmäßig Einfuhrumsatzsteuer fällig, die jedoch nach Zahlung von der Umsatzsteuerschuld wie die Vorsteuer abziehbar ist.

Es lässt sich also zunächst beruhigend festhalten, dass i. d. R. trotz unterschiedlicher Behandlung weder die Einfuhr aus der EU noch aus dem Rest der Welt mit einer letztendlichen Steuerbelastung verbunden ist. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass dazu auch Auslandsrechnungen strengen Formvorschriften unterliegen. Dabei erschwert die Regelungswut der EU-Verwaltung ausgerechnet den freien Handel zwischen den Mitgliedstaaten bei gleichzeitig hohem Steuerrisiko.

 

Wichtig

Abgrenzung zu Einfuhren aus Drittländern

Wenn z. B. Zitrusfrüchte aus Israel unmittelbar über Italien und Österreich nach Deutschland gelangen, dann handelt es sich für den deutschen Händler nicht um einen innergemeinschaftlichen Erwerb, sondern um einen Import aus einem Drittland.

2 Die Besteuerungssystematik im Detail

Grundidee für den innergemeinschaftlichen Erwerb ist die Besteuerung der Umsätze im Empfängerland:

  1. Der EU-Lieferer rechnet mit dem EU-Empfänger ohne Umsatzsteuer ab und meldet seinem Land seinen steuerfreien Umsatz.
  2. Der EU-Erwerber muss auf den Rechnungsbetrag Umsatzsteuer bezahlen und kann, sofern er zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, diese Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen.
  3. Folge ist, dass z. B. der deutsche Importeur keine ausländische, sondern nur deutsche Vorsteuer abziehen kann. Eine sicherlich aufwendige Vorsteuerverrechnung zwischen den EU-Staaten kann unterbleiben.
  4. Alle EU-Staaten gewähren sich gegenseitig Zugriff auf die gemeldeten steuerfreien EU-Exporte und überwachen damit die Rechtmäßigkeit der Steuerfreiheit.

2.1 Regelfall: Beide Unternehmen verfügen über eine USt-IdNr.

Damit dieses System funktionieren kann müssen sich beide Unternehmen in ihren Staaten registrieren und erhalten eine sog. Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (=USt-IdNr.). Nur wenn beide Unternehmen (Exporteur und Importeur) eine solche USt-IdNr. haben und verwenden, kann ein Export wie oben dargestellt besteuert werden.

2.2 Wann liegt ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor?

Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein innergemeinschaftlicher Erwerb vorliegt:

  • Ein Gegenstand gelangt von einem EU-Mitgliedsstaat in einen anderen.
  • Lieferer und Erwerber sind Unternehmer. Beide haben ihre Umsatzsteuer-ID-Nummer angegeben.
  • Während der eine gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens liefert, verwendet der andere den Gegenstand für sein Unternehmen.
  • Die Lieferung ist im EU-Lieferstaat nicht aufgrund der Sonderregelung für Kleinunternehmer steuerfrei.
  • Sonderregelungen gelten bei der Lieferung von Neufahrzeugen sowie für juristische Personen wie Vereine oder Behörden.
 

Praxis-Beispiel

Wann ein innergemeinschaftlicher Erwerb vorliegt und welche Auswirkungen das hat

Fall 1: Ein deutscher Unternehmer erwirbt ein Fahrrad aus den Niederlanden für 1.000 EUR zzgl USt.

Lösung:Der deutsche Empfänger tritt als Privatperson auf. Ein innergemeinschaftlicher Erwerb liegt nicht vor. Der holländische Fahrradhändler weist in seiner Rechnung die entsprechende USt i. H. v. 21 % aus. Der Kaufpreis beträgt damit 1.210 EUR.

Fall 2:Der deutsche Unternehmer erwirbt das Fahrradunter Verwendung seiner deutschen USt-IdNr.

Lösung:Der niederländische Verkäufer stellt eine umsatzsteuerfreie Rechnung i. H. v. 1.000 EUR aus. Es liegt ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor, der in Deutschland Umsatzsteuer auslöst. Der deutsche Unternehmer erklärt den Erwerb in seiner Umsatzsteuererklärung und zahlt 190 EUR USt an das Finanzamt; ein Vorsteuerabzug ist nicht möglich, da der Gegenstand nicht im Unternehmen verwendet wird.

Bei dieser Variante kostet ihn das Fahrrad per Saldo 1.190 EUR, da es hier mit der günstigeren deutschen Umsatzsteuer belastet ist.

 

Praxis-Beispiel

Einfuhr aus einem EU-Mitgliedstaat

In der Buchhaltung geht eine Einfuhrrechnung aus einem anderen EU-Mitgliedstaat über 1.000 EUR netto, ohne USt-Ausweis ein.

Lösung: Beim innergemeinschaftlichen Erwerb mit einw...

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