Auslandsgeschäfte: Registri... / 2 Gestaltungsempfehlungen

Grundsätzliches vorneweg: Inländische Unternehmen, die in anderen Mitgliedstaaten Umsätze ausführen, müssen sich i. d. R. in diesen Mitgliedstaaten umsatzsteuerlich registrieren lassen, haben Steuererklärungen abzugeben und ggf. dort die Steuerbeträge zu entrichten. In diesem Zusammenhang taucht schnell der Begriff des Fiskalvertreters auf. Im Gegensatz zum deutschen Umsatzsteuerrecht hat der Fiskalvertreter im Ausland zudem auch die Aufgabe, den Steueranspruch des Fiskus zu sichern. Teilweise haftet der Fiskalvertreter zusammen mit dem ausländischen Unternehmer gesamtschuldnerisch für die Steuerschuld. Die Mitgliedstaaten sind allerdings nicht mehr berechtigt, den Fiskalvertreter zwingend vorzuschreiben. Unternehmen können ihre steuerlichen Angelegenheiten auch selbst wahrnehmen, allerdings ist regelmäßig die Beauftragung eines Angehörigen der steuerberatenden Berufe im entsprechenden Mitgliedstaat anzuraten.

Bei Leistungen mit Auslandsberührung müssen sich Unternehmer bzw. ihre steuerlichen Berater grundsätzlich über Folgendes klar werden:

  1. Wurde der Leistungsort zutreffend bestimmt und liegt dieser tatsächlich im Ausland?
  2. Handelt es sich um einen EU-Mitgliedstaat oder um ein Drittland?
  3. Erfolgt tatsächlich eine Umsatzbesteuerung im Ausland?
  4. Besteht für den leistenden Unternehmer eine Pflicht zur Registrierung im Ausland bzw. zur Abgabe von Umsatzsteuer-Anmeldungen oder zur Bestellung eines Fiskalvertreters?
  5. Werden die umsatzsteuerlichen Pflichten im Ausland aufgrund der sog. Reverse-Charge-Regelungen vollständig auf den Leistungsempfänger verlagert?
  6. Besteht die Pflicht zur Abgabe einer Zusammenfassenden Meldung (z. B. auch bei Anwendung des Reverse-Charge-Verfahrens durch den im Ausland ansässigen Leistungsempfänger)?

Bei innergemeinschaftlichen Reihengeschäften kann die Registrierung in einem ausländischen Staat bei einer Dreierbeziehung für den mittleren Unternehmer womöglich durch Anwendung der "Vereinfachungsregelung" für innergemeinschaftliche Dreiecksgeschäfte vermieden werden. Wesentlicher Inhalt dieser Regelung ist der Übergang der Steuerschuld vom ersten Abnehmer (mittlerer Unternehmer/Zwischenhändler) auf den letzten Abnehmer und der Wegfall der Besteuerung des innergemeinschaftlichen Erwerbs durch den mittleren Unternehmer "im Ausland".

Innergemeinschaftliche Dreiecksgeschäfte liegen regelmäßig vor, wenn 3 Unternehmer über denselben Gegenstand Umsatzgeschäfte abschließen und dieser Gegenstand unmittelbar vom ersten Lieferer an den letzten Abnehmer gelangt, die Unternehmer in jeweils verschiedenen Mitgliedstaaten umsatzsteuerlich registriert sind und der Liefergegenstand aus dem Gebiet eines Mitgliedstaates in das Gebiet eines anderen Mitgliedstaates gelangt und die Beförderung oder Versendung durch den ersten Lieferer oder den ersten Abnehmer vollzogen wird.

 

Wichtig

Formvorschriften beachten

Kann ein deutscher Zwischenhändler die Registrierung und die Besteuerung des innergemeinschaftlichen Erwerbs im Ankunftsland der Ware durch die Regelung zu den Dreiecksgeschäften vermeiden, muss er dennoch bestimmte "Formvorschriften" beachten. Insbesondere muss dem letzten Abnehmer eine Rechnung erteilt werden, in der die Steuer nicht gesondert ausgewiesen und in der auf das innergemeinschaftliche Dreiecksgeschäft hingewiesen wird. Außerdem ist das Dreiecksgeschäft in der Zusammenfassenden Meldung zu deklarieren.

Werden von inländischen Unternehmern Leistungen im EU-Ausland erbracht, ist eine Registrierung im anderen EU-Mitgliedstaat grundsätzlich auch dann vermeidbar, wenn die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger übergeht (Reverse-Charge-Verfahren). Mit der Anwendung des Reverse-Charge-Verfahrens geht grundsätzlich einher, dass den leistenden Unternehmer keine nennenswerten umsatzsteuerlichen Verpflichtungen treffen, sieht man einmal von einer zutreffenden Rechnungsstellung und ggf. Angaben in der Zusammenfassenden Meldung ab.

Dementsprechend regelte Art. 194 MwStSystRL ganz grundsätzlich, dass die Mitgliedstaaten das Reverse-Charge-Verfahren vorsehen können, wenn in ihrem Land eine steuerpflichtige Lieferung oder steuerpflichtige Dienstleistung von einem Steuerpflichtigen bewirkt wird, der nicht in diesem Mitgliedstaat ansässig ist. Allerdings werden die inhaltlichen Bedingungen für die Anwendung des Reverse-Charge-Verfahrens von den Mitgliedstaaten selbst festgelegt, weshalb die Regelungen keineswegs einheitlich sind und eine zutreffende Beurteilung für nicht im jeweiligen Mitgliedstaat ansässige Unternehmen natürlich erschweren.

 

Praxis-Tipp

Reverse charge bei innergemeinschaftlichen Dienstleistungen

Seit dem 1.1.2010 wird die Umsatzsteuer für eine Dienstleistung i. S. d. Art. 44 MwStSystRL grundsätzlich zwingend vom Leistungsempfänger geschuldet, wenn dieser Unternehmer ist oder eine juristische Person mit einer ihr erteilten USt-IdNr. und die Dienstleistung von einem nicht in diesem Mitgliedstaat ansässigen Unternehmen erbracht wird. Daraus resultiert eine erhebliche Vereinfachung für (inländische) Unterneh...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge