Anteilsbewertung / 1 Das vereinfachte Ertragswertverfahren

Das vereinfachte Ertragswertverfahren wird angewendet zur Schätzung des sog. gemeinen Werts von Anteilen an Kapitalgesellschaften, soweit kein Börsenkurs oder kein Verkaufspreis innerhalb des letzten Jahres als Vergleichsmaßstab vorliegt (§ 199 ff. Bewertungsgesetz). Ausnahme: Die Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens führt offensichtlich nicht zu einem korrekten Ergebnis. Das ist z. B. der Fall, wenn sich im Rahmen der Erbauseinandersetzung oder aus zeitnahen Verkäufen – auch nach dem Bewertungsstichtag – zusätzliche Erkenntnisse über den Wert des Unternehmens oder der Beteiligung herleiten lassen.

Zur Ermittlung des Ertragswerts wird der zukünftig nachhaltig erzielbare Jahresertrag (§§ 201 und 202 BewG) mit dem Kapitalisierungsfaktor (§ 203 BewG) multipliziert. Können Wirtschaftsgüter und mit diesen in wirtschaftlichem Zusammenhang stehende Schulden aus dem zu bewertenden Unternehmen herausgelöst werden, ohne die eigentliche Unternehmenstätigkeit zu beeinträchtigen (nicht betriebsnotwendiges Vermögen), werden diese Wirtschaftsgüter und Schulden neben dem Ertragswert mit dem eigenständig zu ermittelnden gemeinen Wert oder Anteil am gemeinen Wert angesetzt. Hält ein zu bewertendes Unternehmen Beteiligungen an anderen Gesellschaften, werden diese Beteiligungen neben dem Ertragswert mit dem eigenständig zu ermittelnden gemeinen Wert angesetzt. Innerhalb von zwei Jahren vor dem Bewertungsstichtag eingelegte Wirtschaftsgüter und mit diesen im wirtschaftlichen Zusammenhang stehende Schulden werden neben dem Ertragswert mit dem eigenständig zu ermittelnden gemeinen Wert angesetzt.

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