Anschaffungskosten, unangem... / 3.2.1 Zuordnung zum Betriebsvermögen: Grenzwerte beachten

§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 7 EStG schränkt zwar den Betriebsausgabenabzug ein, nicht aber die Zuordnung eines Wirtschaftsguts zum Betriebsvermögen. Bei der Zuordnung zum Betriebsvermögen sind folgende Grenzwerte zu beachten:

  • Beträgt die betriebliche Nutzung weniger als 10 %, ist eine Zuordnung zum Betriebsvermögen nicht möglich.
  • Bei einer betrieblichen Nutzung von mehr als 50 % ist eine Zuordnung zum Betriebsvermögen zwingend erforderlich.
  • Liegt die betriebliche Nutzung zwischen 10 und 50 %, darf der Unternehmer das Wirtschaftsgut freiwillig dem Betriebsvermögen zuordnen (= gewillkürtes Betriebsvermögen).

Konsequenz: Bei einer Zuordnung zum Betriebsvermögen wird nur der Abzug der Aufwendungen (= Abschreibung) eingeschränkt.

 

Praxis-Beispiel

Kauf eines Luxushandys

Ein Zahnarzt hatte sich für 5.200 EUR ein Luxushandy gekauft. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat mit einem Urteil eine Zuordnung zum Betriebsvermögen insgesamt abgelehnt. Diese Entscheidung begründet das Finanzgericht damit, dass der betriebliche Veranlassungsanteil unter 10 % liegt und daher derart gering sei, dass er zu vernachlässigen ist.

Zur Sicherstellung der Erreichbarkeit während des Bereitschaftsdienstes hätte ein Mobiltelefon ausgereicht, das 300 EUR kostet. Das Finanzgericht setzte diese 300 EUR ins Verhältnis zu 5.200 EUR, sodass sich ein betrieblicher Veranlassungsanteil von 5,8 % ergibt. Das Finanzgericht akzeptierte die Vorgehensweise des Finanzamts, das die Aufwendungen für ein "normales" Handy i. H. v. 300 EUR als angemessene Betriebsausgaben angesetzt hatte (Handhabung als geringwertiges Wirtschaftsgut).

Das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz ist problematisch. Die Zuordnung zum Betriebsvermögen richtet sich regelmäßig nach dem Verhältnis der betrieblichen und privaten Nutzung. Beträgt der betriebliche Nutzungsanteil mindestens 10 %, kann die Zuordnung zum Betriebsvermögen erfolgen. Da eine betriebliche Nutzung von mindestens 10 % i. d. R. unterstellt werden kann, muss das Handy mit seinen vollen Anschaffungskosten als Anlagevermögen ausgewiesen werden. Es ist m. E. unzulässig, von einem einheitlichen Wirtschaftsgut einen angemessenen Anteil abzuspalten, um ihn dann z. B. als geringwertiges Wirtschaftsgut abzuschreiben.

Gem. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 7 EStG wird das einheitliche Wirtschaftsgut ausgewiesen. Es darf dann aber nur die Abschreibung abgezogen werden, die auf den angemessen Teil entfällt.

 
  Anschaffungs­kosten insgesamt Angemessene Anschaffungs­kosten Unangemessene Anschaffungs­kosten
 

5.200 EUR

(100 %)

300 EUR

(5,77 %)

4.900 EUR

(94,23 %)
Abschreibung pro Jahr (ND = 5 Jahre) 1.040 EUR 60 EUR 980 EUR
    abziehbare Betriebsausgaben nicht abziehbare Betriebsausgaben

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