Anhang nach HGB: Inhalt des... / 7.3.1.2 Aktiengattungen

Berichtsgegenstand und zugrunde liegende Vorschriften

Zitat

AktG § 152 Vorschriften zur Bilanz

(1) Das Grundkapital ist in der Bilanz als gezeichnetes Kapital auszuweisen. Dabei ist der auf jede Aktiengattung entfallende Betrag des Grundkapitals gesondert anzugeben. Bedingtes Kapital ist mit dem Nennbetrag zu vermerken. Bestehen Mehrstimmrechtsaktien, so sind beim gezeichneten Kapital die Gesamtstimmenzahl der Mehrstimmrechtsaktien und die der übrigen Aktien zu vermerken.

Zitat

AktG § 160 Vorschriften zum Anhang

(1) In jedem Anhang sind auch Angaben zu machen über

3. die Zahl der Aktien jeder Gattung, wobei zu Nennbetragsaktien der Nennbetrag und zu Stückaktien der rechnerische Wert für jede von ihnen anzugeben ist, sofern sich diese Angaben nicht aus der Bilanz ergeben; davon sind Aktien, die bei einer bedingten Kapitalerhöhung oder einem genehmigten Kapital im Geschäftsjahr gezeichnet wurden, jeweils gesondert anzugeben;

Erleichterungen

Die durch § 160 Abs. 1 Nr. 3 AktG geforderten Angaben können nach § 160 Abs. 3 Satz 1 AktG bei kleinen Gesellschaft entfallen. Die Angabepflicht gem. § 152 Abs. 1 AktG bleibt durch eine Inanspruchnahme dieser Befreiungsregelung unberührt.

Kategorisierung und Vorjahresangabe

Die Berichtspflicht, die die Aktiengattungen einer AG oder KGaA betrifft, ist eine Wahlpflichtangabe. Deshalb sind grundsätzlich die Beträge der vorangegangenen Berichtsperiode anzugeben. Angesichts der Tatsache, dass bei unverändertem gezeichnetem Kapital die periodenübergreifende Gültigkeit der Angaben unmittelbar erkennbar ist, kann nach hier vertretener Ansicht auch ausnahmsweise von der ausdrücklichen Nennung der Vorperiodenwerte abgesehen werden.

Inhaltliche Abgrenzung der Berichtspflicht

Der Gesetzeswortlaut des § 152 Abs. 1 AktG sieht eigentlich einen Bilanzvermerk der auf jede Aktiengattung entfallenden Grundkapitalbeträge vor. Ungeachtet dessen kann nach herrschender Meinung in analoger Anwendung des § 265 Abs. 7 Nr. 2 HGB (siehe dazu Kapitel 3.1.2) eine Zusammenfassung mit den nach § 160 Abs. 1 Nr. 3 AktG geforderten Angaben zu den Aktiengattungen im Anhang erfolgen, da eine solche Zusammenfassung der Klarheit der Informationsvermittlung dient. Die Verlagerung der Informationen über die aktiengattungsbezogenen Grundkapitalbeträge in den Anhang erscheint dabei auch bei kleinen Gesellschaften zulässig, die in Anwendung von § 160 Abs. 3 Satz 1 AktG auf die Angaben nach § 160 Abs. 1 Nr. 3 AktG verzichten.

Unter einer Aktiengattung versteht § 11 Satz 2 AktG solche Aktien, die gleiche Rechte beinhalten. Verschiedene Aktiengattungen liegen daher insb. bei stimmrechtsgewährenden Stamm- und stimmrechtslosen Vorzugsaktien vor. Dagegen bewirken eine unterschiedliche Ausgestaltung der Wertpapiere (Inhaber- und Namensaktien) und abweichende Aktiennennbeträge keinen Gattungsunterschied.

Die folgenden Angaben sind nach § 160 Abs. 1 Nr. 3 AktG in Bezug auf die einzelnen Aktiengattungen darzustellen:

  • die Zahl und der rechnerische Wert (wenn Stückaktien ausgegeben sind) oder die Zahl und der Nennbetrag (wenn Nennbetragsaktien ausgegeben sind) der Aktien jeder Gattung;
  • Davon-Angabe der im Rahmen einer bedingten Kapitalerhöhung oder aufgrund eines genehmigten Kapitals im Geschäftsjahr gezeichneten Aktien. Für jeden dieser Fälle sind ebenfalls die Zahl und der rechnerische Wert bzw. die Zahl und der Nennbetrag der Aktien, getrennt nach jeder Gattung, zu nennen.

Die vorstehenden Angaben sind selbst dann zu machen, wenn die berichtende Gesellschaft nur eine einzige Aktiengattung ausgegeben hat. Auch in diesem Fall ist – wie im folgenden Beispiel aus der Berichtspraxis – bei einer strengen Auslegung des Gesetzeswortlauts die explizite Darstellung der Gattungsart erforderlich.

Zitat

Praxisbeispiel/Musterformulierung

Das Grundkapital der Roth & Rau AG betrug zum 31. Dezember 2014 16.207.045,00 EUR (2013: 16.207.045,00 EUR) und ist unverändert in 16.207.045 auf den Inhaber lautende Stückaktien eingeteilt. Jede Aktie ist rechnerisch mit 1,00 EUR am Grundkapital beteiligt und gewährt eine Stimme in der Hauptversammlung. Mit allen Aktien sind die gleichen Rechte und Pflichten verbunden.

Meyer Burger (Germany) AG (vormals: Roth & Rau AG), Hohenstein-Ernsttahl, Jahresabschluss zum 31.12.2014

Insofern ist das folgende – in seiner Darstellung gängige – Praxisbeispiel als nicht vollständig einzustufen, da die Angaben nicht ausdrücklich herausstellen, dass es sich um stimmrechtsgewährende Stammaktien handelt.

Zitat

Praxisbeispiel

Das Grundkapital der Gesellschaft beträgt EUR 1.000.000,00. Es ist eingeteilt in 1.000.000 Aktien im Nennbetrag von je EUR 1,00. Die Aktien lauten auf den Namen der Aktionäre.

Himmer AG Druckerei, Augsburg, Jahresabschluss zum 31.12.2013

Bei unterschiedlichen Aktiengattungen kann der Berichtspflicht wie im folgenden Beispiel aus der Berichtspraxis genügt werden.

Zitat

Praxisbeispiel/Musterformulierung

Das Grundkapital der Westfalen AG von 20.000 TEUR ist in 585.000 Vorzugsaktien und 19.415.000 Stammaktien im Nennbetrag von je 1,...

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