Anhang nach HGB: Inhalt des... / 6.5 Bildung von Bewertungseinheiten

Berichtsgegenstand und zugrunde liegende Vorschriften

Zitat

HGB § 285 Sonstige Pflichtangaben

Ferner sind im Anhang anzugeben:

23. bei Anwendung des § 254,

  1. mit welchem Betrag jeweils Vermögensgegenstände, Schulden, schwebende Geschäfte und mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartete Transaktionen zur Absicherung welcher Risiken in welche Arten von Bewertungseinheiten einbezogen sind sowie die Höhe der mit Bewertungseinheiten abgesicherten Risiken,
  2. für die jeweils abgesicherten Risiken, warum, in welchem Umfang und für welchen Zeitraum sich die gegenläufigen Wertänderungen oder Zahlungsströme künftig voraussichtlich ausgleichen einschließlich der Methode der Ermittlung,
  3. eine Erläuterung der mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarteten Transaktionen, die in Bewertungseinheiten einbezogen wurden,

soweit die Angaben nicht im Lagebericht gemacht werden;

Erleichterungen

Es bestehen keine gesetzlich geregelten Erleichterungen.

Kategorisierung und Vorjahresangabe

Die Berichtspflicht, die etwaige von der berichtenden Gesellschaft gebildete Bewertungseinheiten betrifft, ist eine originäre Pflichtangabe, die entweder in den Anhang oder in den Lagebericht aufzunehmen ist. Die gesetzlich eingeräumte Möglichkeit der Verlagerung in den Lagebericht beruht darauf, dass die Bildung von Bewertungseinheiten inhaltlich ein Element der Risikoberichterstattung über Finanzinstrumente (§ 289 Abs. 2 Nr. 1 HGB) darstellt. Um Doppelangaben zu vermeiden bzw. eine Bündelung aller diesbezüglichen Angaben zu ermöglichen, hat der Gesetzgeber eine befreiende (Gesamt-)Risikoberichterstattung im Lagebericht zugelassen, die die Angabepflichten gem. § 285 Nr. 23 HGB mit einschließt.

Aufgrund der Einordnung als originäre Pflichtangabe sind keine Vergleichsinformationen für die vorangegangene Berichtsperiode anzugeben.

Anwendungsbereich

Sind derivative Finanzinstrumente als Grundgeschäft oder Sicherungsinstrument in eine Bewertungseinheit einbezogen, gilt die (allgemeine) Angabepflicht des § 285 Nr. 19 HGB (siehe Kapitel 6.4) nicht; bei solchen Finanzinstrumenten ist die nachfolgend erläuterte spezielle Berichtspflicht des § 285 Nr. 23 HGB zu beachten.

Inhaltliche Abgrenzung der Berichtspflicht

Die Berichtspflicht steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit § 254 HGB, der die Bildung von Bewertungseinheiten im Jahresabschluss explizit zulässt. Sie stellt eine ergänzende Konkretisierung der von § 284 Abs. 2 Nr. 1, 2 HGB geforderten allgemeinen Angaben zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden dar (siehe dazu auch Kapitel 2.1). Soweit die Möglichkeit der Bildung von Bewertungseinheiten in Anspruch genommen wird, sind detaillierte Anhangsangaben zu machen, die die folgenden Berichtselemente beinhalten:

  • Art der gesicherten Grundgeschäfte;
  • Art der Sicherungsinstrumente (z. B. Devisentermin- oder Swap-Geschäfte);
  • Art der gebildeten Bewertungseinheiten (Mikro-, Portfolio- oder Makrosicherungsbeziehungen);
 

Arten von Sicherungsbeziehungen

Beim sog. Micro Hedge wird das Risiko aus einem Grundgeschäft unmittelbar durch ein einzelnes Sicherungsinstrument abgesichert, während sich die Absicherung beim sog. Portfolio Hedge auf mehrere gleichartige Grundgeschäfte durch ein oder mehrere Sicherungsinstrumente bezieht. Beim sog. Macro Hedge wird das Nettorisiko einer zusammengefassten Gesamtgruppe sich teilweise bereits kompensierender Grundgeschäfte durch ein oder mehrere Sicherungsinstrumente abgesichert.

  • abgesicherte Risikoart (bspw. Preisänderungs-, Zins-, Währungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken);
  • Betrag der einbezogenen Grundgeschäfte;
    Bei bilanziell ausgewiesenen Vermögensgegenständen und Schulden (z. B. Fremdwährungsforderungen) ist diesbezüglich deren Buchwert zum Abschlussstichtag anzugeben, bei schwebenden Geschäften und mit hoher Wahrscheinlichkeit vorgesehenen Transaktionen (sog. antizipative Bewertungseinheiten) der Betrag der geplanten Leistung oder Gegenleistung.
  • Betrag der durch die Bewertungseinheiten abgesicherten Risiken;
    Die Höhe der abgesicherten Risiken hängt von der Art des Grundgeschäfts ab. Bei Vermögensgegenständen ergibt sie sich aus der unterlassenen Abwertung von Vermögensgegenständen und der unterlassenen Höherbewertung der Schulden bzw. der unterlassenen Bildung einer Drohverlustrückstellung. Bei schwebenden Geschäften ist ebenso die entfallende Drohverlustrückstellung maßgebend, bei mit hoher Wahrscheinlichkeit vorgesehenen Transaktionen die erwarteten Verluste aus dem zukünftigen Grundgeschäft.
  • nach Risikoart differenzierte Darstellung des Umfangs und des Zeitraums der Risikoabsicherung (Ausmaß an Effektivität der Sicherungsinstrumente) nebst Angabe der Gründe für den erwarteten Ausgleich der gegenläufigen Wertänderungen oder Zahlungsströme sowie der diesbezüglich angewandten Ermittlungsmethoden;
    Die Angabe der Gründe dafür, warum von einem Risikoausgleich ausgegangen wird, erfordert Erläuterungen zur Einschätzung, dass die Risiken von Grund- und Sicherungsgeschäft vergleichbar sind, z. B. in Form eines Hinweises auf die Währungsidentität oder di...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge