Anhang nach HGB: Inhalt des... / 6.11 Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem Abschlussstichtag

Berichtsgegenstand und zugrunde liegende Vorschriften

Zitat

HGB § 285 Sonstige Pflichtangaben

Ferner sind im Anhang anzugeben:

33. Vorgänge von besonderer Bedeutung, die nach dem Schluss des Geschäftsjahrs eingetreten und weder in der Gewinn- und Verlustrechnung noch in der Bilanz berücksichtigt sind, unter Angabe ihrer Art und ihrer finanziellen Auswirkungen;

Erleichterungen

Kleine Gesellschaften sind nach § 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB von der Berichtspflicht über besondere Vorgänge nach dem Schluss des Geschäftsjahrs befreit.

Kategorisierung und Vorjahresangabe

Der sog. Nachtragsbericht i. S. d. § 285 Nr. 33 HGB ist eine originäre Pflichtangabe, die ausdrücklich für den Anhang vorgesehen ist. Deshalb sind keine Vergleichsinformationen für die vorangegangene Berichtsperiode anzugeben.

Inhaltliche Abgrenzung der Berichtspflicht

Die vormals für den Lagebericht vorgesehene Berichterstattung über Vorgänge von besonderer Bedeutung, die nach dem Schluss des Geschäftsjahrs eingetreten sind, wurde durch das BilRUG in den Anhang verlagert. Diese Änderung hat insb. Auswirkungen auf die Frage, ob ein Negativvermerk bei Nichtvorliegen entsprechender Sachverhalte erforderlich ist. Während die Frage bislang in analoger Anwendung von DRS 20.114 bejaht wurde, ist für die nun geregelte Anhangangabe davon auszugehen, dass die in Beitrag Art und Umfang von Angaben beschriebenen allgemeinen Berichtsgrundsätze greifen und eine Fehlanzeige unterbleiben kann. Wird ein solcher Negativvermerk entsprechend der folgenden Musterformulierung als zweckmäßig eingeschätzt, kann er jedoch freiwillig in den Anhang aufgenommen werden.

 

Musterformulierung

Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem Schluss des Geschäftsjahres

Es haben sich nach Schluss des Geschäftsjahres … keine Vorgänge ereignet, die für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft von besonderer Bedeutung sind.

Berichtspflichtig nach § 285 Nr. 33 HGB sind zeitlich nach dem Abschlussstichtag bis zum Ende der Aufstellung der Rechnungslegung tatsächlich eingetretene Vorgänge, die geeignet sind, die Beurteilung des durch den Jahresabschluss gezeichneten Bildes der wirtschaftliche Lage und Entwicklung des Unternehmens erheblich zu beeinflussen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um positive oder negative Vorgänge handelt. Die Berichtspflicht betrifft nach dem Gesetzeswortlaut somit nur wertbegründende und keine wertaufhellenden Sachverhalte, da sich letztere in der Bilanz und/oder der Gewinn- und Verlustrechnung für die abgeschlossene Berichtsperiode schon niedergeschlagen haben.

Unter den Begriff „Vorgänge” sind sowohl konkrete, nach dem Abschlussstichtag eingetretene Ereignisse als auch eingetretene Entwicklungen und Tendenzen zu subsumieren. Dabei sind jedoch nur solche Vorgänge darzustellen, die eine gravierende Tragweite für das berichtspflichtige Unternehmen haben. Beispielhaft sind folgende Sachverhalte zu nennen:

  • Abschluss eines neuen Großauftrags;
  • Absatzeinbruch auf einem bestimmten Markt oder bei einem bestimmten Produkt;
  • kartellrechtliche Genehmigung eines Unternehmenserwerbs;
  • Eröffnung oder Abschluss eines bedeutsamen Gerichtsprozesses;
  • Betriebsschließungen oder -verlagerungen;
  • Einleitung eines Insolvenzverfahrens.

Die Berichterstattung über Nachtragssachverhalte ist in der Berichtspraxis mit circa 5 % bis 10% der Fälle vergleichsweise selten. In den folgenden Beispielen erscheinen die beschriebenen Aspekte zudem als eher nicht angabepflichtig, wobei im Fall des beschriebenen Geschäftsführerwechsels nicht eingeschätzt werden kann, ob es sich um eine für die Unternehmensentwicklung entscheidende Schlüsselperson handelt.

Zitat

Praxisbeispiel/Musterformulierung

Nachtragsbericht

Zum 31. Mai 2014 ist Herr Dr. Lechner aus der Geschäftsführung der Eaton Electric GmbH, Bonn ausgetreten.

Weitere Vorgänge von besonderer Bedeutung, die nach dem Schluss des Geschäftsjahres eingetreten sind, lagen nicht vor.

Eaton Electric GmbH, Bonn, Jahresabschluss und Lagebericht zum 31.12.2013

Zitat

Praxisbeispiel/Musterformulierung

Vorgänge von besonderer Bedeutung nach Schluss des Geschäftsjahres

Die Gesellschaft verfügt über eine gute Auftragslage und gute Auslastung.

Rendler Bauzentrum GmbH, Oberkirch, Jahresabschluss und Lagebericht zum 31.12.2010

Zitat

Praxisbeispiel/Musterformulierung

Vorgänge von besonderer Bedeutung nach Schluss des Geschäftsjahres

Über Vorgänge von besonderer Bedeutung, die nach dem Schluss des Geschäftsjahres eingetreten sind, wird nachfolgend berichtet:

Seit dem Bilanzstichtag haben sich die geschäftlichen Aktivitäten entsprechend unseren Planungen in einem guten Rahmen in einem deutlich verbesserten Gesamtumfeld weiterentwickelt.

Die Unternehmensleistung wird deutlich zunehmen und die Ertragssituation voraussichtlich die Vorjahreshöhe (bereinigt um den Sondereffekt) knapp erreichen.

Weitere Vorgänge von besonderer Bedeutung über die zu berichten wäre, traten nach Schluss des Geschäftsjahres nicht auf.

Köhl GmbH, Trier, Jahresabschluss und Lagebericht zum 31.03.2011

Die Berichterstattung m...

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