Anhang nach HGB: Inhalt des... / 5 Angaben zur Abgrenzung latenter Steuern

Berichtsgegenstand und zugrunde liegende Vorschriften

Zitat

HGB § 285 Sonstige Pflichtangaben

Ferner sind im Anhang anzugeben:

29. auf welchen Differenzen oder steuerlichen Verlustvorträgen die latenten Steuern beruhen und mit welchen Steuersätzen die Bewertung erfolgt ist;

30. wenn latente Steuerschulden in der Bilanz angesetzt werden, die latenten Steuersalden am Ende des Geschäftsjahrs und die im Laufe des Geschäftsjahrs erfolgten Änderungen dieser Salden;

Erleichterungen

Nach § 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB können die Angaben zur latenten Steuerabgrenzung bei kleinen Gesellschaften entfallen.

Mittelgroße Gesellschaften können nach § 288 Abs. 2 HGB die Angaben nach § 285 Nr. 29 HGB zu den Grundsätzen der Abbildung latenter Steuern weglassen.

Kategorisierung und Vorjahresangabe

Die Berichtspflichten, die die Abgrenzung latenter Steuern betreffen, sind originäre Pflichtangaben, die ausdrücklich für den Anhang vorgesehen sind. Deshalb sind keine Angaben zur vorherigen Berichtsperiode erforderlich.

Anwendungsbereich

§ 285 Nr. 29 HGB ergänzt und konkretisiert die durch § 284 Abs. 2 Nr. 1 HGB grundlegend geforderten allgemeinen Erläuterungen zu den Grundsätzen der Abbildung latenter Steuern im Jahresabschluss. Letztere umfasst – wie in Kapitel 2.1 dargestellt – zumindest Angaben

  • zur Inanspruchnahme des Ansatzwahlrechts betreffend Überhänge aktiver über passive Steuerlatenzen nach § 274 Abs. 1 Satz 2 HGB und
  • eine Beschreibung der wesentlichen zugrunde gelegten Bewertungsparameter (Steuersatz, Prämissen der voraussichtlichen Nutzbarkeit von Verlustvorträgen in den kommenden fünf Jahren u. Ä.).

Der Forderung des § 285 Nr. 29 HGB, wonach Angaben zu den bei der Bewertung angewandten Steuersätzen zu machen sind, kommt daher nur eine klarstellende Bedeutung zu.

Erläuterungen zu den relevanten Differenzen und steuerlichen Verlustvorträgen sind immer dann erforderlich, wenn passive Steuerlatenzen vorliegen, unabhängig davon, ob in der Bilanz der berichtenden Gesellschaft latente Steuern auch tatsächlich ausgewiesen werden. Somit ist eine Berichterstattung auch notwendig, wenn sich im Rahmen der Gesamtdifferenzenbetrachtung ein aktivischer Gesamtsaldo ergibt, dieser in Anbetracht des Aktivierungswahlrechts des § 274 Abs. 1 Satz 2 HGB nicht in der Bilanz angesetzt wird und bezüglich der betragsgleichen aktiven und passiven Latenzen das Wahlrecht für einen saldierten Bilanzausweis (§ 274 Abs. 1 HGB) wahrgenommen wird. Die Angabe nach § 285 Nr. 29 HGB kann dagegen insgesamt unterbleiben, wenn nur aktive Steuerlatenzen bestehen, die nicht in der Bilanz angesetzt werden. Erfolgt in diesem Fall ein Bilanzansatz, ist im Anhang auch über die zugrunde liegenden Sachverhalte zu berichten.

Die Berichterstattung im folgenden Praxisbeispiel ist daher wohl so zu verstehen, dass ausschließlich solche Differenzen vorlagen, die zu aktiven Steuerlatenzen führen.

Zitat

Praxisbeispiel

Zum Bilanzstichtag errechneten sich aktive latente Steuern aus abweichenden Wertansätzen zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz. Aufgrund des ausgeübten Wahlrechts, auf den Ansatz aktiver latenter Steuern zu verzichten, wurden zum Bilanzstichtag keine aktiven latenten Steuern angesetzt.

Himmer AG Druckerei, Augsburg, Jahresabschluss zum 31.12.2013

Die Berichtspflicht des § 285 Nr. 29 HGB entfällt außerdem bei Organgesellschaften i. S. d. §§ 14 Abs. 1, 17 KStG, 2 Abs. 2 Satz 2 GewStG. Deren zu Steuerlatenzen führenden Differenzen sind beim Organträger zu berücksichtigen, selbst wenn die dort anfallenden Ertragsteuern im Wege von Umlageverträgen (teilweise) wieder der Organgesellschaft belastet werden. Im folgenden Beispiel aus der Berichtspraxis wird auf diesen Umstand hingewiesen, der Hinweis ist allerdings als eine freiwillige Zusatzangabe zu beurteilen.

Zitat

Praxisbeispiel

Latente Steuern sind aufgrund des Ergebnisabführungs- und Beherrschungsvertrages mit der Geberit Verwaltungs GmbH bei der Organträgerin zu erfassen.

Geberit Lichtenstein GmbH, Lichtenstein, Jahresabschluss zum 31.12.2015

Die durch das BilRUG ergänzte Angabepflicht des § 285 Nr. 30 HGB betreffend die Salden und die Bewegungen latenter Steuern in der Berichtsperiode kommt nach dem expliziten Gesetzeswortlaut nur zum Tragen, wenn latente Steuerschulden tatsächlich in der Bilanz ausgewiesen werden. Führt die vorgelagerte Verrechnung von aktiven und passiven Steuerlatenzen also zu einem Aktivüberhang, kann die Berichterstattung entfallen, es sei denn, das Unternehmen weist betragsgleiche aktive und passive Steuerlatenzposten in Einklang mit § 274 Abs. 1 Satz 3 HGB unsaldiert in der Bilanz aus.

Inhalt und Art der Berichterstattung

Liegen die Voraussetzungen der Berichtspflicht nach § 285 Nr. 29 HGB vor, ist über die Art des Vermögensgegenstands und/oder des Schuldpostens, auf die sich die Differenzen beziehen, sowie über die Art der latenzbegründenden Differenz (aktiv, passiv) zu berichten. Dabei können gleichartige Vermögensgegenstände und Schulden unter Berücksichtigung der Bilanzposten gem. § 266 HGB zusammengefasst werden

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