Anhang nach HGB: Inhalt des... / 4.7 Erläuterung periodenfremder Erträge und Aufwendungen

Berichtsgegenstand und zugrunde liegende Vorschriften

Zitat

HGB § 285 Sonstige Pflichtangaben

Ferner sind im Anhang anzugeben:

32. eine Erläuterung der einzelnen Erträge und Aufwendungen hinsichtlich ihres Betrags und ihrer Art, die einem anderen Geschäftsjahr zuzurechnen sind, soweit die Beträge nicht von untergeordneter Bedeutung sind;

Erleichterungen

Die Erläuterung der periodenfremden Erträge und Aufwendungen kann nach § 288 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 HGB bei kleinen und mittelgroßen Gesellschaften unterbleiben.

Kategorisierung und Vorjahresangabe

Die Berichtspflicht, die die periodenfremden GuV-Inhalte betrifft, ist eine originäre Pflichtangabe, die ausdrücklich für den Anhang vorgesehen ist. Deshalb sind keine Angaben zur vorherigen Berichtsperiode erforderlich.

Wesentlichkeitsvorbehalt

Die Berichtspflicht über periodenfremde GuV-Inhalte kommt nur zum Tragen, soweit es sich um wesentliche Aufwendungen und/oder Erträge handelt.

Inhaltliche Abgrenzung der Berichtspflicht

Die Berichtspflicht des § 285 Nr. 32 HGB bezieht sich auf alle periodenfremden Erträge und Aufwendungen, unabhängig davon, in welchem GuV-Posten sie enthalten sind. Die periodenfremden Sachverhalte sind dabei auch anzugeben, wenn sie parallel Bestandteil der Berichterstattung nach § 285 Nr. 31 HGB über die außergewöhnlichen Posten sind (siehe dazu Kapitel 4.6).

Im Rahmen der Berichterstattung ist die Art der als periodenfremd klassifizierten Sachverhalte zu nennen, deren Charakter (Aufwand/Ertrag) zu bezeichnen sowie die betragsmäßige Dimension zu erläutern. Eine quantitative Darstellung insb. in Form einer Aufgliederung mit exakten Werten kann daraus nicht zwingend gefolgert werden. In wohl seltenen Einzelfällen kann auch eine verbale Darstellung entsprechend der folgenden Musterformulierung den gesetzlichen Erfordernissen genügen.

 

Musterformulierung

Die Steuern vom Einkommen und vom Ertrag beinhalten im Wesentlichen periodenfremde Aufwendungen als Folge einer Betriebsprüfung für die Jahre …

In Fällen, in denen sich unterschiedliche, betragsmäßig wesentliche Sachverhalte in den betreffenden GuV-Posten niedergeschlagen haben, muss die Berichterstattung das Verhältnis der einzelnen Sachverhalte zum Gesamtbetrag des jeweiligen Postens zum Ausdruck bringen. In der Regel wird dies eine quantitative Berichterstattung erfordern, zumal die periodenfremden Elemente nur in Ausnahmefällen den wesentlichen Teil eines GuV-Postens ausmachen werden. Die Berichterstattung hat insb. auch die GuV-Posten anzugeben, in denen sich die periodenfremden Erträge und Aufwendungen niedergeschlagen haben. Daher stellt das folgende Beispiel aus der Berichtspraxis, das freiwillig die Vorjahresbeträge nennt, eine nicht hinreichende Erläuterung dar.

Zitat

Praxisbeispiel

Die Gewinn- und Verlustrechnung enthält folgende aperiodischen Erträge und Aufwendungen:

 
  2012 2011
  EUR EUR
Erträge aus Anlagenverkäufen 131.380 23.450
Erträge Auflösung Pensionsrückstellung 0 314.354
Erträge Auflösung von Rückstellungen 8.631 11.669
Periodenfremde Erträge 296 1.662
Verluste Abgang von Anlagevermögen –12 –1.213
Forderungsverluste –13.144 –33.380
Sozialversicherungsbeiträge Vorjahre 0 –32.462
  127.151 284.080

Peterstaler Mineralquellen GmbH, Bad Peterstal-Griesbach, Jahresabschluss zum 31.12.2012

Das folgende Praxisbeispiel geht dagegen sachgerecht auf die einzelnen GuV-Posten ein, in denen die periodenfremden Sachverhalte der Berichtsperiode ausgewiesen sind. Die Angaben lassen dagegen, soweit mehrere Einzelsachverhalte betroffen sind, deren jeweilige betragsmäßige Dimension nicht erkennen. Diese Form der Berichterstattung, bei der verbal nur darauf Bezug genommen wird, welche wesentlichen Elemente den betreffenden Gesamtbetrag ausmachen, ist in der Praxis weit verbreitet, steht u. E. jedoch im Widerspruch zu den gesetzlichen Anforderungen.

Zitat

Praxisbeispiel

Unter den sonstigen betrieblichen Erträgen sind periodenfremde Erträge in Höhe von TEUR 2.032 ausgewiesen. Es handelt sich im Wesentlichen um Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen sowie Einzelwertberichtigungen und aus dem Abgang von Anlagevermögen.

Unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind periodenfremde Aufwendungen in Höhe von TEUR 193 ausgewiesen. Es handelt sich im Wesentlichen um Verluste aus Anlageabgängen.

In den sonstigen Zinsen und ähnlichen Aufwendungen sind periodenfremde Zinsen in Höhe von TEUR 330 ausgewiesen.

Die Steuern vom Einkommen und vom Ertrag beinhalten periodenfremde Aufwendungen in Höhe von TEUR 1.923.

ROTO FRANK Aktiengesellschaft, Leinfelden-Echterdingen, Jahresabschluss zum 31.12.2014

Eine aussagekräftige, vollumfänglich sachgerechte Berichterstattung gibt das folgende Praxisbeispiel wieder.

Zitat

Praxisbeispiel/Musterformulierung

In den sonstigen betrieblichen Erträgen sind die nachfolgend dargestellten aperiodischen Erträge enthalten:

 
  TEUR
Gewinne aus Anlageabgängen 737
Auflösung von Rückstellungen 300
Eingang abgeschriebener Forderungen 31
Auflösung von Einzelwertberichtigungen 24
Übrige 12
  1.104

In den s...

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