Anhang nach HGB: Inhalt des... / 2.1 Ansatz- und Bewertungsmethoden

Berichtsgegenstand und zugrunde liegende Vorschriften

Zitat

HGB § 284 Erläuterung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung

(2) Im Anhang müssen

1. die auf die Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden angegeben werden;

2. Abweichungen von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden angegeben und begründet werden; deren Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ist gesondert darzustellen;

…  

4. Angaben über die Einbeziehung von Zinsen für Fremdkapital in die Herstellungskosten gemacht werden.

Zitat

HGB § 285 Sonstige Pflichtangaben

Ferner sind im Anhang anzugeben:

…  

13. jeweils eine Erläuterung des Zeitraums, über den ein entgeltlich erworbener Geschäfts- oder Firmenwert abgeschrieben wird;

…  

24. zu den Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen das angewandte versicherungsmathematische Berechnungsverfahren sowie die grundlegenden Annahmen der Berechnung, wie Zinssatz, erwartete Lohn- und Gehaltssteigerungen und zugrunde gelegte Sterbetafeln;

…  

Erleichterungen

Die Berichterstattung zu den Bewertungsgrundlagen der Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen gem. § 285 Nr. 24 HGB kann nach § 288 Abs. 1 Nr. 1 HGB bei kleinen Gesellschaften entfallen. Darüber hinaus bestehen keine gesetzlich geregelten Erleichterungen.

Kategorisierung und Vorjahresangabe

Die Berichtstatbestände, die die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden betreffen, sind originäre Pflichtangaben, die ausdrücklich für den Anhang vorgesehen sind. Deshalb sind grundsätzlich keine Angaben zur vorherigen Berichtsperiode erforderlich. Durch die Verpflichtung, über Stetigkeitsdurchbrechungen berichten zu müssen, werden jedoch Abweichungen im Vergleich zur Vorperiode kenntlich gemacht.

Inhaltliche Abgrenzung der Berichtspflicht

Vorbemerkungen

Der gesonderten Nennung der in § 284 Abs. 2 Nr. 4 HGB und § 285 Nr. 13, 24 HGB bezeichneten Einzelaspekte ist nur eine klarstellende, konkretisierende Bedeutung beizumessen, da sie sich auf ausgewählte Berichtsgegenstände der (allgemeinen) Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden gem. § 284 Abs. 2 Nr. 1 HGB beziehen.

Somit ergeben sich aus den dargestellten Rechtsgrundlagen zusammenfassend die folgenden beiden Berichtsgegenstände:

  • die Beschreibung der angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden und
  • die Nennung von Durchbrechungen der Methodenstetigkeit und ihrer Auswirkungen auf die Zahlenteile des Jahresabschlusses einschließlich der dafür maßgebenden Gründe.

Eine allgemeine Verpflichtung, sämtliche Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung zu erläutern oder zu kommentieren, ergibt sich aus den maßgebenden handelsrechtlichen Vorschriften dagegen nicht.

Begriff und Bereiche der berichtspflichtigen Methoden

Die Abbildung der geschäftlichen Sachverhalte von Unternehmen in den Zahlenteilen des Jahresabschlusses untergliedert sich in drei wesentliche Teilbereiche bzw. Fragestellungen:

  • Ist der betreffende Sachverhalt in einem Bilanzposten anzusetzen (sog. Bilanzansatz = Bilanzierung dem Grunde nach)?
  • Mit welchem Wert ist dieser bilanzrelevante Sachverhalt abzubilden (sog. Bewertung = Bilanzierung der Höhe nach)?
  • Welchem in Einklang mit den gesetzlichen Gliederungsvorschriften ausgewiesenen Bilanzposten ist der Sachverhalt zuzuordnen (sog. Ausweis)?

Die genannten Teilbereiche werden – da es keine gesetzliche Definition gibt – vielfach umfassend unter dem Oberbegriff der Bilanzierung zusammengefasst. Im engeren Wortsinne bezieht sich der Begriff der Bilanzierung dagegen lediglich auf den Bilanzansatz von Vermögensgegenständen, Schulden und anderen Bilanzposten. Abb. 1 fasst diese begriffliche Abgrenzung zusammen.

Abb. 1: Teilbereiche der Sachverhaltsabbildung in Bilanz und GuV

Da § 284 Abs. 2 Nr. 1 HGB die Begriffe der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden ohne weitere definitorische Abgrenzung nebeneinanderstellt, ist davon auszugehen, dass sich die gesetzliche Anhangsberichtspflicht in Bezug auf die Bilanzierungsmethoden lediglich auf den Bereich des Bilanzansatzes bezieht und somit insb. nicht auch die „Ausweismethoden” umfasst (siehe dazu Kapitel 2.2). Abb. 1 fasst die Teilbereiche der Sachverhaltsabbildung in Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung zusammen.

Unter Methoden i. S. d. § 284 Abs. 2 Nr. 1 HGB sind planmäßige Verfahren bzw. vorgegebene systematische Regeln zur Abbildung der bilanzierungsrelevanten Sachverhalte zu verstehen, die die Teilbereiche des Bilanzansatzes und der Bewertung betreffen. In diesem Zusammenhang sind die folgenden drei Berichtsebenen zu unterscheiden:

  • Ebene 1: Eindeutige (zwingende) gesetzliche Ansatz- und Bewertungsvorgaben.
  • Ebene 2: Explizite gesetzliche Ansatz- und Bewertungswahlrechte.
  • Ebene 3: Implizite (faktische) Ansatz- und Bewertungswahlrechte sowie Ermessensspielräume, die z. B. bei Schätzungen und bei der Subsumtion eines Sachverhalts unter eine bestimmte Rechtsnorm bestehen.

Die Berichtsebenen 2 und 3 beinhalten Gestaltungsspielräume, die der Gesellschaft bei der Abbildung der bila...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge