Anhang nach HGB: Berichtsarten und -umfang

1 Arten der Berichterstattung

Die gesetzlichen Regelungen schreiben verschiedene Arten der Berichterstattung für die Informationen des Anhangs vor. Im Einzelnen wird diesbezüglich zwischen Angaben, Aufgliederungen, Ausweisen, Darstellungen, Begründungen und Erläuterungen unterschieden. Diese Berichtsarten sind inhaltlich wie folgt abzugrenzen:

 
Berichtsart Inhaltliche Konkretisierung
Angabe Bloße Nennung einer Tatsache, je nach Art des Sachverhalts verbal oder quantitativ
Aufgliederung Zerlegung einer i. d. R. quantitativen Größe, insb. eines Bilanz- oder GuV-Postens, in einzelne Teilkomponenten
Ausweis Quantitative Nennung einer Tatsache
Darstellung Verbale und/oder quantitative Nennung eines Sachverhalts, verbunden mit einer Aufgliederung, Erläuterung oder Begründung
Erläuterung Verbale Erklärung, Kommentierung und Interpretation von Sachverhalten, ggf. verbunden mit einer Nennung quantitativer Sachverhaltsinformationen
Begründung Verbale Nennung der Motive oder ursächlichen Faktoren eines Sachverhalts

Tab. 1: Arten der Anhangberichterstattung

Eine vollkommen trennscharfe Abgrenzung zwischen den dargestellten Berichtsarten ist nicht möglich, vielmehr beinhalten die genannten, im Gesetz verwendeten Begriffe inhaltliche Überschneidungen.

Im Sinne der Verständlichkeit der Anhangberichterstattung genügt eine bloße Wiederholung des Gesetzestextes, etwa zur Beschreibung der angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden nach § 284 Abs. 2 Nr. 1 HGB, den gesetzlichen Berichtspflichten nicht.

2 Vorjahresangaben

Die Verpflichtung zur Angabe von Vergleichswerten des vorangegangenen Geschäftsjahrs gem. § 265 Abs. 2 Satz 1 HGB bezieht sich nach dem expliziten Gesetzeswortlaut ausschließlich auf die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung. Hieraus folgt, dass für originäre Pflichtangaben des Anhangs keine Pflicht besteht, die korrespondierenden Beträge der Vorperiode zu nennen. Eine freiwillige Angabe ist jedoch möglich. Das Gleiche gilt in Bezug auf freiwillige Zusatzangaben.

Werden Posten der Bilanz oder der Gewinn- und Verlustrechnung oder Postenvermerke (§§ 266, 275 HGB) in Anwendung des § 265 Abs. 7 Nr. 2 HGB in den Anhang verlagert, besteht die diesbezügliche Pflicht zur Angabe von Vorjahresbeträgen fort. Denn das Darstellungswahlrecht bezieht sich nur auf den Ort des Ausweises, nicht dagegen auch auf den Umfang der Information.

Ebenso sind bei (quantitativen) Wahlpflichtangaben, also solchen Angaben und Vermerken, für die in anderen gesetzlichen Regelungen ausdrücklich ein wahlweiser Ausweis in der Bilanz/Gewinn- und Verlustrechnung oder im Anhang vorgesehen ist, grundsätzlich die Vorjahresbeträge anzugeben. Voraussetzung hierfür ist, dass es sich bei den Wahlpflichtangaben um Vermerke handelt, die den Charakter von Einzelposten oder Postenvermerken i. S. d. §§ 266, 275 HGB haben. Eine Angabe der Vorjahresbeträge ist demnach nicht erforderlich, soweit die Entwicklung von Bilanz- oder GuV-Posten im jeweiligen Geschäftsjahr der Gegenstand der Berichterstattung ist. So unterliegen z. B. die Angaben zur Entwicklung der Kapital- und Gewinnrücklagen einer Aktiengesellschaft nach § 152 Abs. 2, 3 AktG keiner Pflicht zur Nennung der Vorjahresbeträge.

3 Verweise

Soweit entsprechende Sachverhalte vorliegen und keine (größenabhängige) Befreiung zum Tragen kommt, sind die gesetzlich vorgeschriebenen Anhangangaben in jeder Berichtsperiode zu machen. Es ist nicht zulässig, nur auf die Berichterstattung in einem früheren Anhang zu verweisen. Dagegen sind ergänzende Verweise auf eine ausführlichere Berichterstattung in Vorperioden, die über das gesetzlich geforderte Berichtssoll hinausgehen, möglich, soweit die Verständlichkeit des Anhangs darunter nicht erheblich leidet.

Ebenso kommen Bezugnahmen auf Gesetzesparagrafen grundsätzlich in Betracht. Unzulässig sind indes reine Paragrafenverweise der Art: „die nach § 285 Nr. 3a HGB anzugebenden Verpflichtungen betragen EUR …”. Der Inhalt der dargestellten Information darf für den Jahresabschlussadressaten nicht allein unter Rückgriff auf den Gesetzestext nachvollziehbar sein.

4 Zusammenfassung von Angaben in Anlagen zum Anhang

Umfangreiche Angaben, die sich in Aufstellungen zusammenfassen lassen, wie z. B. die Liste des Anteilsbesitzes der Gesellschaft oder deren Geschäfte mit Nahestehenden, können dem Anhang alternativ zur Darstellung im Fließtext auch als Anlage beigefügt werden.

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