Abschreibung nach Handels- ... / 2.1 Beginn der Abschreibung mit Lieferung und Ende der Abschreibung mit Ablauf der Nutzungsdauer

2.1.1 Beginn der Abschreibung mit Lieferung oder Fertigstellung

Bei angeschafften Anlagegegenständen beginnt die Abschreibung mit dem Zeitpunkt der Lieferung, bei hergestellten Anlagegütern mit dem Zeitpunkt der Fertigstellung. Ein Anlagegut ist fertiggestellt, sobald es entsprechend seiner Zweckbestimmung genutzt werden kann, unabhängig davon, ob eine Nutzung bereits stattfindet.

Beim Bau von Großanlagen liegt u. U. zwischen dem Zeitpunkt der Lieferung oder Fertigstellung von Teilanlagen und der Fertigstellung und Nutzung der Gesamtanlage eine gewisse Zeitspanne. Grundsätzlich ist die Betriebsbereitschaft der einzelnen Teilanlagen erst mit der Fertigstellung der Gesamtanlage erreicht. Der Abschreibungsbeginn wird damit regelmäßig bis zur Betriebsbereitschaft der Gesamtanlage hinausgeschoben. Ist allerdings ein Einsatz der Teilanlagen theoretisch denkbar und wirtschaftlich sinnvoll, muss mit der planmäßigen Abschreibung bereits mit Lieferung bzw. Fertigstellung der Teilanlagen begonnen werden. Dies ist wegen des Ruheverschleißes und der Gefahr technisch-wirtschaftlicher Überholung der einzelnen Teile sinnvoll. Hierzu ist aber Voraussetzung, dass die einzelnen Teilanlagen selbstständig und losgelöst von der Gesamtanlage bewertbar sind, weil es sich zumindest steuerrechtlich ansonsten nicht um einer selbstständigen Abschreibung zugängliche Wirtschaftsgüter handelt.

2.1.2 Berücksichtigung eines Restwerts nur ausnahmsweise

Abschreibungen sind grundsätzlich so zu bemessen, dass die Anschaffungs- oder Herstellungskosten nach Ablauf der Nutzungsdauer voll abgeschrieben sind. Ein Restwert oder Schrottwert ist deshalb i. d. R. nicht zu berücksichtigen. Lediglich bei Wirtschaftsgütern, die nach Ablauf der Nutzungsdauer noch einen erheblichen Restwert besitzen, ist dieser steuerrechtlich bereits bei der Bemessung der Abschreibung zu berücksichtigen (entschieden zum Schrottwert von Schiffen und zum Schlachtwert von Milchkühen). Technisch wird dazu bereits die Abschreibungsbasis (AfA-Bemessungsgrundlage) um den voraussichtlichen Restwert gemindert und dieser anschließend bis zum vollständigen Verbrauch abgeschrieben. Bei anderen Vermögensgegenständen (z. B. Windkraftanlagen) mindert der Restwert dagegen allenfalls die ggf. zu bildende Rückstellung für Rückbau- oder Entsorgungsverpflichtungen.

2.1.3 Ende der Abschreibungen – wenn die Nutzungsdauer abgelaufen ist oder die Nutzung geändert wurde

Die Abschreibungen enden grundsätzlich mit Ablauf der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des jeweiligen Wirtschaftsguts. Wird ein Wirtschaftsgut vor Ablauf der Nutzungsdauer veräußert, aus dem Betriebsvermögen entnommen oder nicht mehr zur Erzielung von Einkünften eingesetzt, endet der Abschreibungszeitraum vorzeitig im Zeitpunkt der Nutzungsänderung. Erfolgt diese Nutzungsänderung im Laufe eines Wirtschaftsjahrs, kann in diesem Jahr der Abschreibungsbetrag nur zeitanteilig abgesetzt werden.

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