Frankreich und Deutschland verstärken Ihre Zusammenrbeit, um eine gemeinsame eRechnung zu schaffen. Bild: Gabriele Planthaber

Die deutsch-französische Initiative zur elektronischen Rechnung hat sich etabliert und setzt ihre Aufgaben mit konkreten Ergebnissen in die Tat um: Die Erarbeitung eines gemeinsamen deutsch-französischen Formates für die elektronische Rechnung hat ganz konkrete Auswirkungen auf die deutsch-französischen Handelsbeziehungen.

Der detaillierte Vergleich der Anforderungen an elektronische Rechnungen im Bereich der rechtlichen Grundlagen und der angewendeten Prüfverfahren wirkt sich für deutsche wie auch französische Unternehmen mit einer detaillierteren Information und Vergleichbarkeit beider Systeme aus. Beide Ergebnisse werden so zu einer Angleichung der Voraussetzungen für elektronische Rechnungen in beiden Ländern führen.

Bilaterale Kooperation im Bereich "digitale Wirtschaft"

Für die beiden Gründungsmitglieder der Europäischen Union Frankreich und Deutschland ist es von besonderem Interesse, die innergemeinschaftliche Zusammenarbeit weiter zu verbessern und effizienter zu gestalten, um damit die wirtschaftliche Tätigkeit im Europäischen Binnenmarkt zu steigern. Dies gilt insbesondere für die digitale Wirtschaft. In ihrer gemeinsamen Erklärung vom 27.10.2015 haben die Wirtschaftsminister Deutschlands und Frankreichs eine bilaterale Kooperation vereinbart, um starke Impulse in den Bereichen Schaffung und Wachstum von Startups und innovativen Unternehmen, Digitalisierung der Industrie, Weiterentwicklung von Big Data und dem Internet der Dinge sowie Förderung von Kompetenzen, Fähigkeiten und digitalen Studiengängen in Europa zu geben. Sie wollen insbesondere ihre gemeinsamen Anstrengungen fortsetzen, um damit zur Europäischen Digitalen Binnenmarktstrategie beizutragen.

Ziel: Gemeinsamer technischer Standard für die elektronische Rechnungslegung

Nach den von beiden Ländern bereits ergriffenen Maßnahmen zur Entwicklung im Bereich elektronische Rechnungslegung haben Deutschland und Frankreich im zurückliegenden Jahr gemeinsame Anstrengungen unternommen, um zur Entwicklung eines gemeinsamen technischen Standards für die elektronische Rechnungslegung beizutragen. Die Festlegung eines gemeinsamen Standards wird zu einer Verringerung der Transaktionskosten führen und somit die Weiterentwicklung des elektronischen Austauschs erleichtern, wodurch Unternehmen wettbewerbsfähiger werden. Obwohl die wesentlichen steuerrechtlichen Anforderungen in beiden Ländern vergleichbar sind, sind französische und deutsche Rechnungen weder bezüglich Inhalt noch Format homogen.

Seit 2014 bilaterale Zusammenarbeit

Bereits in 2014 haben die beiden deutschen und französischen eInvoicing Foren ("Forum Elektronische Rechnung Deutschland – FeRD" und "Forum National De La Facture Electronique – FNFE") ihre bilaterale Zusammenarbeit begonnen. Die jeweiligen Ministerien – das Bundeskanzleramt und das Ministerium für Wirtschaft und Energie in Deutschland sowie die Premierminister-Dienste und das Ministerium für Wirtschaft und Industrie in Frankreich – haben diese bilaterale Initiative von Anfang an unterstützt und begleitet.

Gemeinsamer Standard soll ab März 2017 fertiggestellt sein

Basierend auf dem Konzept der „Hybridrechnung“ ist es das Ziel der bilateralen Zusammenarbeit, einen gemeinsamen Standard für elektronische Rechnungen zu definieren; damit kann eine Rechnung mit strukturierten Daten automatisch verarbeitet und mit PDF visualisiert werden. Beide Foren sind davon überzeugt, das mit dem hybriden Ansatz vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen in Stand gesetzt werden, mit ihren Geschäftspartnern und Kunden elektronische Rechnungen auszutauschen. Die Visualisierung der strukturierten Daten erlaubt die Kontrolle und Prüfung durch die Steuerbehörden in beiden Ländern. Der gemeinsame deutsch-französische Standard ist ein hybrides Rechnungsformat, das wie ZUGFeRD auf PDF A/3 und XML UNCEFACT D16.B basiert.  Es sind 5 gemeinsame Profile festgelegt (M, Basix WL, Basic, Comfort, Extended). Der deutsch-französische Standard wird einen gemeinsamen Namen erhalten und soll bis zum März 2017 fertiggestellt sein.

Nächster Schritt: Unterschiede herausarbeiten

Beide Länder haben die Richtlinie 2010/45 des Europäischen Rates in das jeweilige nationale Umsatzsteuerrecht umgesetzt. In beiden Ländern gelten die gleichen Bedingungen für elektronische Rechnungen. Insbesondere gilt der Grundsatz, dass im Vergleich zu Papierrechnungen keine zusätzlichen Anforderungen an elektronische Rechnungen gestellt werden dürfen; es gilt in beiden Ländern auch der Grundsatz, dass die steuerpflichtigen Unternehmen für die Organisation ihrer innerbetrieblichen Kontrollverfahren verantwortlich sind; elektronische Signaturen oder EDI-Verfahren sind in beiden Ländern optional möglich. Vor diesem steuerrechtlichen Hintergrund ist es für beide Foren interessant, die tatsächliche Praxis in beiden Ländern detaillierter zu vergleichen und eventuelle Unterschiede zwischen den rechtlichen Regelungen und der tatsächlichen Praxis festzustellen. Diese grundlegenden Unterschiede beeinflussen auch die Methode und die Praxis der Betriebsprüfung in beiden Ländern: Was wird genau überprüft, und welchen Regeln folgt eine Betriebsprüfung? Die Antworten auf diese Fragen können für Unternehmen in Deutschland und Frankreich und vor allem für solche die deutsch-französische Handelsbeziehungen pflegen, entscheidend sein. Die Experten beider Foren haben am 9. und 10.11.2016 in Paris deshalb beschlossen, in einem nächsten Schritt die Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich bei elektronischen Rechnungen detailliert zu beschreiben; der von FeRD bereits 2015 vorgelegte Leitfaden zu elektronischen Rechnungen wird dabei auch für die französischen Kollegen modellhaft sein.

Schlagworte zum Thema:  ZUGFeRD, Elektronische Rechnung, Frankreich

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